Paradiesäpfel auf dem Balkon

Paradiesäpfel auf dem Balkon

Wie man auf die Idee kommen kann, Tomaten als Paradeiser oder Paradiesäpfel zu bezeichnen, können einem wohl nur Österreicher erklären. Wenn ich an meine Kindheit denke und mein damaliges Geschmacksempfinden, dann waren für mich Tomaten eher die Hölle. Eine Zeitlang glaubte ich auch Kind fest daran, ich würde von Tomaten sterben. Geschmeckt haben sie mir jedenfalls nicht. Nichteinmal einem Supermarkt hätte man die Schuld geben können, denn auch die Gewächse aus dem eigenen Garten verschmähte ich.

Meiner Großmutter gelang es, mich zumindest für ihre Tomatensuppe zu begeistern, in dem sie darüber gewürfeltes und in der Pfanne angebratenenes Toastbrot streute — heute nennt man das neumodisch Croûtons. Wusste ich damals natürlich nicht. Meine Mutter jedenfalls war etwas beleidigt, dass ich ihre Tomatensuppe immer verschmähte.

nicht im Bild ist der dritte Strauch
nicht im Bild ist der dritte Strauch

Mittlerweile esse ich Tomaten gerne, allerdings nur, wenn sie richtig reif sind. Im Salat am liebsten, wenn man das glibbrige Zeug innen entfernt hat. Da ich zu Hause für das Kochen zuständig bin, entferne ich den Kram immer aus den Tomaten. Bei Kirschtomaten ist das freilich nicht notwendig, die esse ich auch am Stück. Dazu Mozzarella, Olivenöl und Basilikum. Tomaten selber anzubauen versuchen DER CHEF und ich immer mal wieder. Während es in Bielefeld nie besonders gut geklappt hat, sind die Versuche in Köln bisher erfolgreich gewesen. Verwöhnt von der Ernte im letzten Jahr haben wir dieses Jahr im Frühjahr die Anzahl der Sträucher verdoppelt. Der Händler unsers Vertrauens verkaufte uns extra eine Sorte für den Balkon, bei dem die Pflanzen nicht so hoch werden und sich auch mit der wenigen Erde aus einem Balkonkasten zufrieden geben.

Morgen werden wir wohl schon mal einen Teil davon essen können — deutlich früher als im letzten Jahr, obwohl es gefühlt wesentlich mehr geregnet hat. Vielleicht brauchen Tomaten als sogenannte Nachtschattengewächse nicht wirklich Sonne. Vampirtomaten, aber das wäre wieder ein ganz anderes Thema.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren