Blutdiamanten in Discountkleidung

Blutdiamanten in Discountkleidung

Bei Wikipedia findet sich eine gute Definition zu Blutdiamanten, die auch als Konfliktdiamanten bezeichnet werden. Auch nach dem vordergründig Frieden in einigen der Abbauregionen eingekehrt wird gefordert, an der Bezeichnung festzuhalten. Nach wie vor werden bei der Förderung der Rohdiamanten Menschenrechte massiv verletzt. Dem fertigen Schmuck sieht man das freilich nicht an.

Genau so ist es mit Kleidung von diversen Discountern. Zwar steht der Preis der Ware im deutlichen Gegensatz zu Schmuck mit Diamanten, aber Blut klebt dennoch an der Kleidung. Sie wird unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt. Die allermeisten Käuferinnen und Käufer wissen das. Häufig wird dann ein Kauf damit gerechtfertigt, man könne sie sonst keine Kleidung leisten. Wobei das nur vorgeschoben ist, denn die eigentlich korrekte Aussage wäre „weil es billig ist, kann ich mir davon besonders viel kaufen“. Gier frisst auch hier Hirn.

In der vergangenen Woche sind in Kleidern der Modekette Primark Etiketten mit eingenähten Hilferufen aufgetaucht. So soll unter anderem „Forced to work exhausting hours“ eine der Mitteilungen in den Textilien gewesen sein. Unterstellt man zunächst, dass es sich um authentische Botschaften von Arbeiterinnen handelt, kann man den Etiketten sogar etwas Positives abgewinnen. Die Arbeiterinnen haben eine Schule besucht, dort lesen und schreiben gelernt. Besser noch, neben ihrer Landessprache wurde ihn auch noch Englisch beigebracht — auf einem Niveau, welches selbst viele deutsche Gymnasiasten nicht erreichen.

Tatsächlich aber soll die Hilferufe aber aller Wahrscheinlichkeit nach gefälscht worden sein, wie das Handelsblatt berichtet. Wer immer dafür verantwortlich ist, hat kurzfristig einen Erfolg errungen. Erneut wurde der Allgemeinheit die Arbeitsbedingungen von Textilarbeiterinnen, die unter anderem eben für Primark schuften, ins Gedächtnis gerufen. Zeitnah zur Meldung über das Auffinden der Etiketten schlugen auch die Wellen der Empörung hoch. Die Modekette steht dermaßen unter Generalverdacht, dass schon der geringste Anlass ausreicht, um Widerstand zu mobilisieren. Man traut Primark eben alles zu.

Genauso schnell jedoch wie sich der Funke entzündet, verbrennt die Empörung einem Strohfeuer gleich. Nennenswerte Einbußen dürfte die Modekette in den letzten Tagen nicht zu verzeichnen haben. Sofern sich die Hilferufe tatsächlich als Fälschung herausstellen sollte, hat der dafür Verantwortliche den Arbeiterinnen in den Textilfabriken einen Bärendienst erwiesen — und gleichzeitig Primark einen großen Gefallen getan. Die Aktion schwächt die Glaubwürdigkeit derjenigen, welche die Arbeitsbedingungen, unter denen die Kleider hergestellt werden, anprangern.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren