Zeitung in schlechter Gesellschaft

Zeitung in schlechter Gesellschaft

Vorgestern erhielt ich vom Kölner Stadt-Anzeiger die Bestätigung meiner Änderungskündigung. Während man als Kunde ausschließlich schriftlich kündigen kann, dafür also Papier und Porto aufwendet, erfolgte die Bestätigung rein digital. Ein E-Mail mit angehängtem PDF. Wie dem auch sei, mich freut es auf jeden Fall, dass es kurzfristig geklappt hat mit der Kündigung zum 1. Juli. Es erspart mir Überlegungen, inwieweit die Einführung eines Preises für die E-Paper-Ausgabe eine fristlose Kündigung gerechtfertigt hätte.

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Restguthaben ließe sich auch mit der nächsten Rechnung verrechnen

Gestern erzählte ich einem Mitreisenden im Zug noch davon, dass die E-Paper Ausgabe keine Probleme bei der Zustellung kennt. Heute Morgen, 7:00 Uhr. Die neuste PDF-Ausgabe stammt von gestern. Und das blieb auch den ganzen Morgen heute so. Die Print-Ausgabe dagegen, die wir derzeit noch bekommen, lag dagegen pünktlich im Briefkasten. So schwer ist es nicht, aus einer Datei, die bereits für den Druck vorhanden ist, ein PDF zu machen. Das vermute ich nicht nur, ich weiss es — bei mir im Büro haben wir so was schon mehrfach für Kunden gemacht, wir haben auch automatisierte Skripte zur Aktualisierung eines wöchentlichen Blätterkatalogs. Aber lassen wir das, irgendwann wir der Azubi bei KSTA zurück aus der Berufsschule sein und sich um das Problem kümmern (man sehe mir den ironisch Ton nach).

In den letzten Tagen habe ich die E-Paper Ausgabe des KSTA mit anderen Zeitungen und Zeitschriften verglichen. Der Kölner Stadt-Anzeiger befindet sich, so muss man es leider sagen, in schlechter Gesellschaft. Es scheint geraden den großen Zeitungsverlagen unmöglich zu sein, ein überzeugendes digitales Produkt anzubieten. Es stellt sich die Frage, ob es lediglich schlecht gemacht oder auch schlecht gewollt ist.

Beispiel Die Zeit. Die wöchentliche digitale Ausgabe der Zeit als Einzelausgabe kann man allen Anschein nach nur über die iPad-App erwerben. Die Zeitschrift „verwöhnt“ das Auge dabei mit Bilder, die selbst auf einem Tablet ohne Retina-Auflösung pixelig aussehen. Wenn man die Ausgabe nicht an einem Stück liest, fängt man beim nächsten Start der App wieder auf der Titelseite an. Eine PDF-Version ist verfügbar, allerdings innerhalb der App. Download oder öffnen in einer anderen App ist nicht möglich. Besonders übel sind die Audio-Beiträge. Hier wird einfach die MP3-Datei eingebunden, ohne weitere Funktion. Hört man sich den Beitrag an und geht das Tablet in den Ruhemodus, stopp die Audiowiedergabe.

Schaut man sich die Rezensionen der einzelnen Verlags-Apps im App-Store von Appel an, kann man nur die Hände über den Kopf schlagen. Egal wohin man blick, unzufrieden Kunden, die sich über zahlreiche Fehler auslassen. Sei es beim Spiegel, bei der Süddeutsche Zeitung oder anderen. Hier gibt es wohl enormen Beratungsbedarf.

Zum Glück gibt es aber auch positive Beispiele, auch wenn sie die Ausnahme sind. So das GEO-Magazin. Eine App, die mit echtem Mehrwert tolle hochauflösende Bildstrecken, Audio-Infos und Video bietet – neben lesenswerten Texten. Als besonderen Service für Abonnenten der gedruckten Ausgabe ist die digitale Ausgabe kostenlos. Das motiviert, ein Abo abzuschließen.

Die Zeitschrift Spielbox lese ich gelegentlich, mittlerweile auch ausschließlich digital. Die Einzelausgaben kann man innerhalb der App kaufen und als PDF dort dann lesen. Über das Webportal ließen sich dann die PDF-Dateien herunterladen. Diese Woche gab es ein Update der App. Jetzt kann man dort direkt das PDF auch in anderen Apps öffnen oder zum Beispiel in der Dropbox speichern. Da fragt man sich doch, warum so was beim KSTA nicht möglich ist.

Selbst kostenlose Magazine schaffen es, ein gelungenes digitales Angebot auf die Beine zu stellen. Das evangelische Magazin chrismon hat eine App für das iPad, die man nur als vorbildlich bezeichnen kann. für den Bildschirm gut aufbereitete Texte, hochauflösende Fotos bereichernde multimediale Inhalte.

Das was der KSTA und andere Zeitungsverlage ihren Kunden zumuten, ist nichtmal Mittelmaß. Für Verbesserungsvorschläge scheint man taub zu sein, denn seit der Einführung der neuen App im letzten Jahr reißen die negativen Rezensionen für die KSTA-App nicht ab.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren