Worte als Brandsätze

Worte als Brandsätze

Rassismus kennt viele Formen. Er manifestiert sich auch über unsere Sprache. Sprache kann dabei sowohl Mittel der Integration sein als auch zu Ausgrenzung dienen. Im Falle von Rassismus zielt die Sprache ganz deutlich sowohl auf Ausgrenzung auch als Herabwürdigung.

Die Bezeichnung eines dunkelhäutigen Menschen als „Neger“ ist eines der Beispiele für durch Sprache transportierten Rassismus. Es ist aber auch ein Wort, welches sehr auffällig ist und als rassistisch für die allermeisten sofort erkennbar sein sollte. Problematisch wird es dann, wenn Wörter auftauchen, die es leicht machen, sie unbedarft zu verwenden. Den Begriff „Flüchtlingsströme“ findet man durchaus auch in der seriösen Tagespresse. Es ist ein Wort, welches eine starke Assoziation auslöst. Man hat sofort ein Bild dazu im Kopf. Hier werden aber Flüchtlinge mit Naturkatastrophen gleichgesetzt. Von „Flüchtlingsströme“ ist es nicht mehr weit zur „Überfremdung“.

Wir gewöhnen uns an Wörter, die wir, obwohl sie rassistisch sind, nicht als solche erkennen. Sie dringen in unser Unterbewusstsein ein, unterwandern unser Weltbild, wenn man so will. Was den meisten von uns fehlt, ist ein Sprachbewusstsein, dem rassistische Begriffe auffallen. Das Problem sind nicht die Schimpfwörter, sondern das scheinbar Wertfreie.

Ein gutes Beispiel dafür, wie unbedarft Sprache auch in der Presse verwendet wird, brachte heute der Kölner Stadt-Anzeiger mit einem Artikel von Norbert Mappes-Niediek auf der ersten Seite. In „Goldene Regeln für Araber“ ging es um eine Broschüre des Tourismus-Verbands von Zell am See. Die Macher sind mit ihren Verhaltensregel für arabische Touristen international negativ aufgefallen. Mappes-Niediek berichtet süffisant darüber, was sich auch einigermaßen nett lesen lässt. Dann aber schießt er über das Ziel hinaus.

Im Versuch, möglichst witzig zu sein, bringt er den Umstand, dass arabische Touristen im Salzburger Land weniger empfindlich gegenüber Regen sind (ganz im Gegensatz zu etwas deutschen Touristen) wie folgt zum Ausdruck:

Regen etwa, den deutsche Gäste scheuen wie der Muslim das Weihwasser, schätzen sie als Naturereignis.
Quelle: KSTA 25.06.2013, Nr. 144 S.1

Das ist im günstigsten Fall unbedarft. Die Redensart „scheut wie der Teufel das Weihwasser“ ist geläufig. Mappes-Niediek ersetzt Teufel durch Muslime. Der Teufel klingt aber noch in seinem Satz mit. Der Muslime als Teufel. Sicher keine Glanzleistung des KSTA auf der ersten Seite.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren