Bahn ohne comfort

Bahn ohne comfort

Bonusprogramme sollen, zumindest meinem Verständnis nach, treue Kunden belohnen. Und sie natürlich auch dazu verführen, noch mehr Geld im Unternehmen zu lassen. Wer viel fliegt, bekommt Bonusmeilen. Wer viel kauft und brav seine Payback-Karte vorzeigt und Daten preis gibt, kann sich ab und zu netten Ramsch von seinen Punkten leisten. Woanders gibt es Membership-Rewards, die sich in statthafte Prämien oder Einkaufsgutscheine umwandeln lassen.

Bei der bahn gibt es die Prämienwelt mit einem üblichen Angebot an Tand und halbwegs brauchbarem. Den besten Tauschkurs für seine Punkte erhält man dort jedoch, wenn man Freifahrtscheine erwirbt. Als Besitzer ein bahn.card 100 löse ich so regelmäßige Punkte ein, um einen Mitfahrer-Freifahrt 2.Klasse GUTSCHEIN (Hin- und Rückfahrt) für meine Frau zu erwerben. Bevor ich der Stelle jetzt über das eigentliche Thema weiter schreiben kann, muss ich mich erst darüber aufregen. Die Bezeichnung der Prämie musste ich mir nämlich aus einer alten E-Mail heraussuchen. Allen Anschein nach hat die Bahn diese Prämie aus dem Programm genommen. Für 2.000 Punkte jedenfalls wird sie nicht mehr angeboten. Dafür gibt es jetzt die Freifahrt Flex 2. Klasse (Hin- und Rückfahrt) für 2.500 Punkte. Damit kann eine Person zwar ohne den bahn.bonus-Teilnehmer fahren, aber es kostet 500 Punkte mehr. Wenn ich zu Grunde lege, dass meine Frau und ich immer zusammen fahren, macht das auf ein Jahr betrachtet eine Freifahrt weniger.

Aber lassen wir das um kommen zurück zu „bahn.bonus comfort – der Status für Vielfahrer“, wie er von der Bahn auf der eigenen Webseite beworben wird. Dort heisst es dann weiter:

Sitzplatzbereich für Comfort- Kunden
Speziell gekennzeichnete Bereiche in der 1. und 2. Klasse der Fernverkehrszüge bieten Ihnen die Möglichkeit, auch ohne Reservierung einen Sitzplatz zu finden.

Quelle: bahn.de

Hört sich toll an, funktioniert in der Praxis aber selten. Da wären zum Beispiel die vielen Reisenden, die in dem „speziell gekennzeichnete Bereich“ sitzen, ohne Comfort- Kunden zu sein. Im vollen Zug findet man selten Personal, dass einem dort zu einem Platz verhilft. Es kommt jedoch noch besser.

tweet-16-06-2014
Keine Rückmeldung von @DB-Bahn dazu

Vergangene Woche war im ICE 729 nach München der komplette bahn.comfort Bereich reserviert. Von Düsseldorf nach München kein Platz für comfort-Kunden. Bereits in Essen sprach ich zwei Zugbegleiter drauf an, von denen ich ein ziemlich pampige Antwort bekam. Das wäre halt so und natürlich könne man auch den gesamten bahn.comfort Bereich reservieren. Sollte dem so sein, dann ist der „speziell gekennzeichnete Bereich“ völlig sinnfrei. Merkwürdigerweise verschwand dann die Reservierungsanzeige beim Halt in Düsseldorf. Es stand wieder wie sonst auch „bahn.comfort“ an den Plätzen. Aussage der Zugbegleiterin: „Das habe ich jetzt auch gerade erst gesehen.“

Es gibt also zudem auch noch keine Bereitschaft, Fehler einzugestehen oder sich im Interesse zahlender Kunden zu informieren. Liegt aber vielleicht insbesondere bei Vielfahrer der Marke „bahn.card 100“ daran, dass man mit denen kein zusätzliches Geld mehr verdienen kann. Sie haben ja bereits ein Flatrate auf die Zugfahrten, da kann man dann schon mal Service und Leistung drosseln.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren