Einstieg zum Ausstieg beim Kölner Stadt-Anzeiger

Einstieg zum Ausstieg beim Kölner Stadt-Anzeiger

Ende Februar machte ich mir Gedanken zur Zukunft des KSTA — besser gesagt darüber, wie ich als Abonnent reagieren werde, wenn der Kölner Stadt-Anzeiger Pläne umsetzen wird, die sich in der Umfrage andeuteten. Heute, ohne Ankündigung und Vorwarnung bekam ich eine E-Mail vom KSTA.

Mail_KSTA_17-06-2014
Wenn aus einem Service ein Test wird

Der Kostenlose E-Paper-Test sei vorbei. Merkwürdige, ich dachte immer, die Möglichkeit für Vollabonnenten, auf das PDF vom KSTA zugreifen zu können wäre ein Service für den Kunden. Da habe ich mich wohl ziemlich getäuscht. Man Unmut ließ ich dann in eine E-Mail an den KSTA fließen.

Lieber KSTA,

heute habe ich per E-Mail von der neuen E-Paper-Version erfahren. Nach der Anmeldung auf der Webseite war ich entsprechend erschrocken. Wie dem Anhang zu entnehmen ist, lässt sich die digitale Version am PC mit einem Webbrowser nicht mehr lesen.

Zudem wurde mir mitgeteilt, dass ich als Abonnent künftig 9,45 Euro zahlen muss, um Zugriff auf die PDF-Version des KSTA zu haben. Das ist kein Vorteilsangebot, sondern eine erhebliche Preissteigerung — ich empfand die Möglichkeit als Vollabonnent bisher kostenlos auf die digitale Version zusätzlich zur Printausgabe zugreifen zu können, als Service am Leser & Kunden. Insbesondere wenn man Artikel aufheben möchte, ist so ein PDF der Zeitung extrem praktisch. Allerdings ist mir das kein 9,45 Euro im Monat zusätzlich wert.

Derzeit zahle ich 31,70 Euro im Monat. Ich sehe bei mir wenig Bereitschaft, künftig 41,15 Euro für die meiner Empfindung nach gleichen Leistungen zu bezahlen. Die Zustellprobleme in der letzten Woche bei der Printausgabe sind für mich ein weiterer Anlass, über mein bisheriges Abonnent nachzudenken.

Derzeit sehe ich für mich mehrere Varianten, mit der Änderung des Angebots seitens des KSTA umzugehen. Sofern ich auch weiterhin den Kölner Stadt-Anzeiger lesen möchte, werde ich mit Sicherheit mein Abo umwandeln und auf die Printausgabe verzichten. Vielleicht ist es ja genau das, wozu die Stammkunden gebracht werden sollen. Schade nur, dass damit auch Arbeitsplätze entfallen, wenn viele Abonnenten ähnlich handeln. Für mich ergibt sich ein Ersparnis von 12,80 Euro durch den Verzicht auf eine Papierausgabe – zudem muss ich mich nicht mehr an den Kundenservice wenden, wenn es mal wieder nicht mit der Zustellung gelappt hat.

Eine andere Option, die ich mir durchaus vorstellen kann, wäre, künftig vollständig auf den KSTA zu verzichten. Die lokalen Nachrichten kann ich mir auf der Webseite des KSTA lesen (solange da keine Paywall entsteht, was vermutlich auch noch kommen wird) oder aber auf Seiten wie Koeln.de

Für die überregionale Berichterstattung (lässt sich in meiner Kundenhistorie gut herausfinden) greife ich dann wieder auf die Süddeutsche Zeitung zurück — bequem dann auch digital.

Das sind erstmal Überlegungen. Fest steht für mich auf jeden Fall, dass ich auf keinen Fall 9,45 Euro monatlich zusätzlich zahlen werde. Zumal die technische Umsetzung des neuen E-Papers alles andere als gelungen ist.

Mit freundlichen Grüßen,

epaper_unlesbar_KSTA_17-06-2014
PDF ohne Zoom-Funktion am Bildschirm

Auf einem normalen Webbrowser ist die neue E-Paper Ansicht unlesbar. Kein Vergleich zur bisherigen Version, bei dem man sich auch nur den Text eines Artikels anzeigen lassen konnte. Komfortfunktionen in der neuen Version habe ich bisher nicht entdeckt. Und der Zugriff auf andere Stadtteil-Ausgaben ist mir herzlich egal. Wie in der E-Mail angekündigt, werde ich über mein Abo nachdenken. Von der Süddeutschen-Zeitung gibt es ein digitales Probe-Abo, mit dem ich testen kann, wie gut ich damit zurechtkomme. Beim KSTA werde ich dann spätestens Ende Juli, in meinem Urlaub, ausprobieren, ob es mir reicht, die Zeitung lediglich digital am Frühstückstisch zu haben.

Vielleicht sollte ich dem Kölner Stadt-Anzeiger sogar dankbar sein, denn es wird in jedem Fall eine Entscheidung geben, bei der ich Geld sparen werde.

22 Replies to “Einstieg zum Ausstieg beim Kölner Stadt-Anzeiger”

  1. Hallo Herr Boley,

    vielen Dank für diesen Beitrag – lustigerweise habe ich mich heute mit meinem Kollegen darüber unterhalten und seit heute Morgen um kurz nach 8 ist er darüber am Fluchen. Bisher hat er die E-Paper-Ausgabe als pdf zu Hause heruntergeladen und im Büro am iPad gelesen, während seine Frau (die beide digital-Varianten kategorisch ablehnt) die Print-Ausgabe zu Hause gelesen hat. Wenn er das weiter machen möchte, kostet’s 9,45€/Monat mehr. Im Moment ersäuft die Service-Hotline wohl in Beschwerden zu diesem Thema.
    Aber dazu kommt noch die Sache mit der Paywall: Da möchte ich auf diese beiden Seiten von ksta.de verweisen – die Paywall ist beschlossene Sache, „Sieben Berichte in einem Bezugszeitraum von 31 Tagen sind frei“, alles andere kostet 9,90€/Monat, für Abonnenten die Hälfte. Im Juli geht’s los, am Anfang kostet der erste Monat 99ct.

    http://goo.gl/cgZa7m („Mit dem Digitalabo nichts verpassen“)
    http://goo.gl/xCUyg0 („Das ändert sich für Nutzer von ksta.de“)

    Viele Grüße aus Bonn,
    Stephan Hartmann

    1. Hallo Herr Hartmann,

      ich hoffe wirklich, dass die Service-Hotline auch noch ein paar Tage länger in Beschwerden ersäuft. Die Umstellung ist fragwürdig und vor allem technisch miserabel gelöst. Als Auftraggeber würde ich das derzeitige Ergebnis der ausführenden Agentur um die Ohren hauen. Freundlicherweise kann man momentan bis Monatsende die digitale Version auf dem iPad kostenlos testen, das wird mir den Abschied vom Papier erleichtern.

      Viele Grüße aus Köln-Nippes,

      Thomas Boley

  2. Über die Paywall habe ich mich kürzlich auch schon geärgert, denn neuerdings kann man ja nur noch 7 Artikel pro Monat unangemeldet lesen. Für alles Weitere ist eine Registrierung erforderlich, vermutlich auch der ein oder andere Euro – so weit habe ich aber gar nicht mehr gelesen, so schnell war der Browsertab geschlossen. Ganz ehrlich, zumindest die Onlineausgabe ist so ein Käseblatt mit oft haarsträubenden Rechtschreibfehlern, Grammatikschnitzern und bemerkenswert unbeholfenen Formulierungen, dass mir das keinen müden Cent wert ist…

    1. Bei Rechtschreib- und Grammatikfehlern lehne ich mich lieber nicht aus dem Fenster. Was mir aber aufgefüllt, ist die doch nicht unerhebliche Anzahl an Agenturmeldungen von dpa und anderen. Die kann ich auch woanders lesen.

  3. Guten Morgen Herr Boley,
    auch ich habe mich maßlos über die neue Regelung geärgert, oftmals komme ich als Abonnentin des KStA nicht dazu, die gedruckte Ausgabe zu lesen und greife auf die E-Ausgabe zurück. Wenn man dann noch bedenkt, dass man ja zusätzlich noch mit Werbung auf der Homepage bombardiert wird.
    Man sollte überlegen, ob man über Facebook oder Ähnliches nicht einen Shitstorm lostreten sollte!

    1. Hallo Frau Klein,
      die Webseite des KSTA nutze ich kaum. Ich beeile mich immer, ganz schnell nach unten zum Punkt „E-Paper“ zu scrollen. Shitstorm wäre ein Möglichkeit — die andere ist einfach, sein Abo begründet zu kündigen. Geld tut immer weh und ih vermute mal, dass es noch mehr Leser gibt, die über die Entwicklung beim KSTA wenig glücklich sind.

  4. Hallo Herr Boley,

    abgesehen davon, dass ich mich selbst bereits sehr über die Änderungen bei ksta.de geärgert habe (Ich bin rss-Abonnent und finde, das die erheblich ausurfernde Werbung die tatsächlich grammatikalisch wie rechtschreibtechnisch schlechten, teilweise extrem tendentiösen Artikel mehr als genug finanzieren):

    „ich hoffe wirklich, dass die Service-Hotline auch noch ein paar Tage länger in Beschwerden ersäuft.“

    Ich habe selber mal als Call-Center-Agent gearbeitet und möchte daher an dieser Stelle sensibilisieren, das oft im Auftrag der Firmen telefoniert wird. Heißt: u.U. nimmt eine Fremdfirma die Serviceanfragen für ksta.de entgegen und leitet diese an das Backoffice weiter.

    Das heißt auch: die armen Telefonistinnen und Telefonisten dort bekommen all den Ärger und die Wut ab und dürfen nur noch, meist in schriftlicher Form und dank Versachlichung eben auch komplett gefiltert, die reine „Anfrage“ weiter leiten.

    Sprich: Jemand, der überhaupt nichts dafür kann, bekomm den ganzen Ärger ab wärend sich die eigentlich zuständigen Mitarbeiter im Backoffice entspannt zurücklehnen und Antwortmails an die Kunden schreiben können – wenn sie es denn tun.

    Ich finde da die Haltung, darauf zu hoffen, dass dies noch deutlich länger geschieht, äußerts fragwürdig. Und selbst wenn es sich hierbei um hauseigene Mitarbeiter vom Herrn Dumont handeln sollte, so können die Call-Center-Agents doch nun wirklich nichts für diese Entscheidung, weil sie diese nicht getroffen haben.

    Vielen Dank fürs Verständnis.

    Freundliche Grüße aus dem Kwartier Latäng,

    Wil

    1. Hallo Wil,

      das die Anrufe bei den Call-Center-Mitarbeiter landen, die im Prinzip nichts dafür können, war mir schon klar (ich kenne Call Center auch von innen, allerdings von der anderen Seite…).
      Das Problem ist jedoch, dass man als Kunde wenig Möglichkeiten hat, seinen Unmut loszuwerden. Es ist wie bei der Bahn. Jeder wälzt die Verantwortung ab und als Kunde steht man im Regen.

      Aus meiner eigene Erfahrung heraus bleibe ich jedoch stets höflich, wenn ich mit Mitarbeitern am Telefon spreche — die sachliche Ebene führt auch in der Regel dazu, dass man mehr erreicht. Anbrüllen hilft nie…

      Was wirklich weiter geleitet wird, kann ich nicht beurteilen. Viel dürfte es wohl nicht sein, denn meine Kündigung habe ich nicht telefonisch, sondern schriftlich vorgenommen. Die Antwort dazu war ausgesprochen mager.

    2. Hallo Thomas,

      Ich als Kunde versuche sogar meistens, die Agents am Telefon zum Lachen zu bringen, damit sie wenigstens mal EINEN Lichtblick am Tag hatten – bisher wurde mir so immer geholfen. :D

      Meiner Erfahrung nach kommt es schwer darauf an, wer an welcher Stelle sitzt und wie man als Agent mit dem Backoffice umgeht. Ich hatte zu denen immer einen hervorragenden Kontakt und habe viel mehr Infos weiter gegeben, als ich eigentlich durfte (weilweise auch tiefer im System gegraben, dadurch natürlich deutlich länger telefoniert aber eben auch Fehler gefunden, auf die keiner kam…) – damit war ich zugegebener Maßen die große Ausnahme dort… leider, aber im Backoffice auch sehr beliebt, weil ich denen natürlich viel Arbeit abgenommen hatte, wofür die dann aber auch sehr dankbar waren. :) Die freuten sich dann schon immer, wenn ich wieder anrief. „Ach der Herr Raubach wieder, was haben Sie denn heute kompliziertes für mich?“ :D

      Prima, das du sachlich und freundlich bleibst, das freut und beruhigt mich sehr. ;)

    3. Die wichtigste Regel vor jedem Telefonanruf — lächeln, am besten den Spiegel oder Monitor anlächeln. Das sorgt bei allem Unmut gleich für ein deutlich entspannteres Gespräch.

  5. Die Berichte des Seiteninhabers decken sich genau mit meinen Erfahrungen. Ja, die haben es nicht verstanden beim KStA, wie man mit langjährigen Abonnenten umgeht. Deshalb habe ich nach 29 Jahren mein Papierabo gekündigt und ksta.de als bookmark gelöscht. Man hat mir noch das e-paper bis Jahresende kostenlos angeboten, wenn ich die Papierausgabe behalte. Mein Stolz hat nein gesagt.

    1. Eben kam der klassische Kündigungsrücknahmeversuch: Ob ich denn verärgert wäre? Ob man etwas falsch gemacht hätte? Ob mich ein Geldgeschenk von 85 € zur Rücknahme meiner Kündigung bewegen könnte?
      zu 1: äußerst!
      zu 2: alles!
      zu 3: nein, ich hatte alle Brücken gebaut, das Thema ist für mich durch.
      Morgen kommt die letzte Zeitung und dann ist Ruhe.
      Kein ärgern mehr über ein Haie-Spiel, über das nicht berichtet wird, weil es am Vorabend „erst“ um 21h45 zu Ende war. Keine ausufernden Berichte mehr über Vizekusen … obwohl man das ja verlagern könnte bei 15 Lokalausgaben :grins:

  6. Ich denke, dass die Verantwortlichen beim Kölner Standtanzünder zuviel Mitteldeutsche Luft geschnuppert haben, denn die schaffen es nicht mehr, kölsch zu denken und ebensolche Lösungen anzubieten. Deshalb ist auch für mich nach zwei Jahrzehnten erst mal KStA-Pause angesagt.

  7. Ich kann fasten. Das wird eine gute Erfahrung werden. Der KStA stiehlt einem die Zeit. Bemerke ich doch zu oft zu spät, was des Artikels Stunde geschlagen hat. Erst gegen Ende wird die gnadenlose Oberflächlichkeit deutlich. Der Lokalteil (hier: Rhein-Erft) ist inzwischen unerträglich dünn in Quantität und Qualität. Ende August hab ich’s dann endlich geschafft. Die Droge Tageszeitung ist dann abgesetzt.

    1. Fasten liet nicht in meiner Natur ;-) Würde ich etwas dörflicher wohnen, ließe sich wohl auch gut auf den Lokalteil verzichten. Aber wenn ich schon mitten in Köln wohne, will ich auch wissen, was läuft.

  8. Ich habe gerade erst voller Unmut bemerkt, dass ich als Vollabonnent kein E-Paper mehr abrufen kann. Dies finde ich gelinde gesagt eine Unverschämtheit – nach x Jahren Vollabo wird man so zurückgestuft.
    In denj letzten 5 Jahren hat der KStA extrem an Quantität (man vergleiche z.B. den Wirtschaftsteil von 2005 mit dem lächerlichen von heute! – gilt für fast alle Teile!) und an Qualität eingebüßt: extrem tendenziöse Berichte – ich rede nicht von den Kommentaren – die mich zweifeln lassen an der journalistischen Profession der Leute dort. Es wird überhaupt nicht mehr kritisch nachgefragt, der Mainstream wird wiedergekaut, die Political Correctness ist dermaßen extrem, dass mir manchmal übel wird. Ich will nicht mehr – hänge aber noch an den lokalen Infos…. aber ich merke dass meine Geduld mit den Weltverbesserern aus dem Hause DuMont zu Ende geht.

    1. Ich habe heute die Abrechnung meines gekündigten Abos enthalten und stelle mir gerade vor, was ich künftig mit fast 400 Euronen jährlich schönes machen kann :-) .

  9. ….ja ich hab’s getan : gekündigt , nach über zwanzigjährigem Bezug !
    Die genannten Kritikpunkte unterschreibe ich in Gänze , füge noch (mitteldeutsche, sorry) Inkompetenz des Kundenservice hinzu und darf jetzt noch bis 30.9. nachmittags -wg. zu später Zustellung – die umfangmäßig und inhaltlich äußerst dürftige Papierversion genießen.
    Ob mich die genauso gehaltlose epaper zu einem Fortsetzungsabo bewegen wird…..? …. die Wahrscheinlichkeit schwindet täglich und wird bis 30.9. hoffentlich von wichtigeren Dingen überlagert sein.

  10. Zum wiederholten Male ist heute am 27.03.15 nur die alte Ausgabe des KStA e paper ladbar. Erst, wenn man schriftlich reklamiert, bekommt man das Geld zurück. Auf Dauer ist dieser Zustand untragbar. Der morgendliche Austräger mit der Papierausgabe war zuverlässiger. Das sind also sogenannte moderne Medien!!!

    1. Jetzt lebe ich fast ein Jahr ohne Zeitung und vermisse sehr, sehr wenig. Habe mir vor ein paar Tagen bei Air Berlin neugierig einen Kölner Stadt-Anzeiger genommen und war erschüttert über dessen Gehaltlosigkeit.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren