Reclaim my data

Reclaim my data

Über das Wochenende konnte ich mich weiter an fever gewöhnen. Zwischendurch warf ich immer mal wieder einen Blick auf meine Feeds bei feedly (inzwischen scheint der DoS-Angriff abgewehrt worden zu sein). Einfach um zu schauen, ob fever auch wirklich alles abholt. Etwas Misstrauen in eine neue Lösung ist durchaus angemessen, wie ich finde.

Wenn man dann aber feststellt, wie zuverlässig die selbstgehostete Lösung arbeite, beginnt man sich Gedanken zu machen. Vor ganz langer Zeit hatte ich eine Galerie-Plugin für WordPress entwickelt, auch aus dem Grund heraus, weil meine Bilder meine Bilder bleiben sollten. Aus gutem Grund läuft diese Blog auch auf einer eigenen WordPress-Installation. Nach und nach machte ich mich aus freien Stücken immer abhängiger von externen Diensten. Evernote, spotify, watchever, Dropbox und viele andere Dienste nutze ich täglich — alles läuft dabei über das Netz, die so genannte Cloud. Überall kennen sie mein Nutzerverhalten. Bequemlichkeit macht einem zum gläsernen Nutzer.

Im März nahm ich einen Artikel von Florian Blaschke auf t3n.de zur Kenntnis. Unter dem Titel „Doppelklick: Reclaim your data oder warum ich meinen Facebook-Account gelöscht habe“ ging zwar primär um den Facebook-Account, im weiteren Verlauf des Textes nahm sich Florian jedoch vor zu hinterfragen, welche Dienste er zukünftig nicht mehr nutzen will. Gleichzeitig findet man dort im Artikel ein paar Alternativen aufgelistet. Wie gesagt, ich nahm den Artikel nur zur Kenntnis — es gibt einfach Sachen, die zwar wichtig sind, die man dann aber vor allem auch aus Bequemlichkeit vertagt.

Und dann kam die Sache mit feedly. In erster Linie ging es mir bei dem Umstieg auf eine selbstgehostete Lösung nicht um Datenschutz und ähnliches, ich wollte einfach nur, dass ich wieder RSS-Feeds lesen kann. Das führt dann wieder zu den Gedanken, die ich erwähnte. Wenn ich Dienste wie feedly temporär nicht nutzen kann, mag das ärgerlich sein. Etwas Stille im täglichen Informationsstrom kann aber auch erholsam wirken. Abends kein Film anschauen zu können, weil es bei watchever klemmt oder vorübergehend auf Musik zu verzichten, weil spotify Probleme hat, geht auch noch in Ordnung. Kritisch wird des jedoch, wenn es um wichtige Daten geht. Viele meiner Workflows hängen mit Evernote, Dropbox und noch ein paar anderen Diensten zusammen. Wenn dort etwas klemmt, bekomme ich schon leichte Schweißausbrüche. Würde Evernote wie Ende der letzten Woche feedly mehre Tage klemmen, würde mich das stark bremsen. Eine Menge für wichtiger Informationen lege ich in Evernote ab. Eigentlich keine gute Idee, so viel einen externen Anbieter anzuvertrauen.

Das Problem für mich an dieser Stelle ist nicht, etwas zu finden, was meine Daten auf verschiedenen Geräten synchron hält. Es fehlt vielmehr an Applikationen, die gerade unter iOS mit einer selbstgehosteten Lösung zusammenarbeiten. Dropbox kann man leicht ersetzen. Das bring jedoch herzlich wenig, wenn viel Apps zwar in iCloud und Dropbox speichern können, aber nicht in einer eigenen Cloud. So setzt zum Beispiel Editorial ausschließlich auf Dropbox — und befindet sich damit in guter Gesellschaft.

Die eigenen Daten zurück zu holen, ist zwar eine nette Idee. Es erfordert aber entweder ein völliges Umdenken oder aber Freiheit bei den Programmen und Applikationen, die man verwendet. Für Evernote sehe ich derzeit noch keine Möglichkeit einer Alternative. Schließlich müsste es etwas sein, was es sowohl als iOS als auch als Desktop-Applikation gibt. Hinzu kommt dann noch die Anforderung, mit anderen Applikationen auch etwas in der eigenen Wolke speichern zu können. Cloud-Dienste werden mit jeder 3rd-Party Applikationen mächtiger, ist mein Eindruck an dieser Stelle.

Auf jeden Fall werde ich dran bleiben bei diesem Thema und mich künftig mit Artikel dazu auch auseinandersetzen. Der nächste Schritt ist schon geplant, ein selbstgehosteter Später-Lesen-Dienst namens wallabag.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren