Bei Orkan neu würfeln

Bei Orkan neu würfeln

Der Tag gestern fühlte sich vom Wetter her etwas drückender an als Pfingstsonntag und der Samstag davor. Gegen Mittag fielen ein paar Regentropfen — nichts worüber ich mir Sorgen gemacht hätte. Meine Frau und ich saßen gerade beim Abendessen, als sie der Himmel zuzog. Das restliche Licht wirkte fast unwirklich draußen. Ein Nachbar von gegenüber zückte sein Smartphone und fotografierte etwas am Himmel. Ein zeitlang sah ich mir das an, aß dabei weiter vom Tortellini-Spinat-Auflauf. Schließlich dachte ich mir, es wäre wohl auch interessant, wenn ich selber auf den Balkon gehen und ein Foto machen würde. tat ich dann auch. Zwei Bilder, dann war der Akku leer. Nicht weil ich vergessen hatte, das iPhone aufzuladen, sondern weil das UBS-Kabel nicht im Ladegerät selber steckte. Das iPhone war zwar angeschlossen, hatte aber keine Chance an Strom zu kommen.

orkan_juni_2014

„Eigentlich blöd, wenn man es denn mal braucht, ist es leer“, dachte ich mir. Dann schlugen die Fenster in der Wohnung, die noch auf Kipp standen, zu. Wir schlossen die, dann wendeten wir uns weiter dem Essen zu. Schließlich wollten wir später noch Fernsehen (live!) gucken — so was passiert bei uns extrem selten. Mittlerweile klatschen draussen dicke Regentropfen runter, der Wind nahm zu. Vorsichtshalber stand ich noch mal auf und nahm den Sonnenschirm mit rein.

Um 21.44 Uhr war die Unwetterfront zum größten Teil über Nippes hinweg gezogen. Ein Blick auf den Balkon. Lediglich ein Blumentopf war umgekippt. Dann sahen wir und den dritten Teil von Sherlock Holmes „Sein letzter Schwur“ an. Ziemlich verwirrend, wie ich fand. Und wenn ich ganz ehrlich bin, wäre Charles Magnussen auf jeden Fall der besser Jim Moriarty gewesen (der dann, aber das sollte ich hier wohl nicht verraten…).

Als wir zu Bett gingen, war vom Sturm nichts mehr zu merken. Weder habe ich Nachrichten geschaut, gehört noch gelesen. Von dem, was im Rest von Nordrhein-Westfalen passierte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Um 0:53 Uhr dann eine SMS (davon werde ich nicht wacht, aber da ich ja nachtwandle, lese ich so was mitunter sogar). Homeoffice am Dienstag, lautet die Prognose. Zum ersten Mal begriff ich, wie schwer das Unwetter NRW getroffen haben musste. Sofort blätterte ich durch meine RSS-Feeds. Beim WDR stieß ich auf einen Artikel mit einem Bild, welches meinem ähnelte. Von Orkanböen war die Rede.

Dann ging ich wieder schlafen, stellte den Wecker auf eine Stunde später. Homeoffice bedeutet immer auch etwas länger schlafen, wenn ich nicht mit der Bahn fahren und meine Frau zudem nicht zur ersten Stunde Unterricht hat.

Der nächste Morgen. In der Zeitung (handelsübliche Printausgabe des KSTA) standen weitere Informationen zum Orkan. Zu den Toten, die es leider gegeben hat. Zu den Folgen für zahlreiche Menschen. Auf der Seite der Bahn wurde mir dann klar, dass es möglicherweise nicht bei einem Homeoffice-Tag bleiben würde. Ein Kollege, der sich morgens ins Büro gewagt hatte schickte mir ein paar Bilder aus Essen. Dagegen sah das hier in Nippes verdammt harmlos aus. In Essen waren riesige Bäume entwurzelt. Selbst die vor unserem Büro hatte es arg getroffen.

bahn_juni_2014

Dabei könnte man es jetzt belassen. Aber es gibt noch den Artikel „Fünf Tote und der WDR: Treten Sie zurück, Tom Buhrow“ von Jörg Kachelmann. Es fällt schwer zu sagen, was man davon halten soll. Vor allem im Hinblick auf rechtliche Konsequenzen. Belassen wir es daher dabei, dass Herr Kachelmann bedenkenswerte Punkte anspricht. Der größte Teil des Artikels von ihm ist jedoch, vorsichtig formuliert, sehr polemisch und wirkt etwas wie Nachtreten, wie ich finde.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass ich mich in so einem Zusammenhang mit KATWARN beschäftigt. In Berlin und anderswo wurde so was bereits eingeführt — warum geht das bitte schön nicht in Nordrhein-Westfalen? Wenn Herr Kachelmann schon etwas zu meckern hat, dann wäre das aus meiner Sicht ein Thema. Vorwürfe zu machen ist aus der bequemen Warte heraus und ohne Verantwortung immer besonders leicht. Was Herr Burhow angeht, so wurde in einem Kommentar in Kachelmanns Artikel dazu bereits etwas gesagt:

Ziemlich genau 19:00 Uhr saß Buhrow eben nicht gemütlich auf seiner Terrasse, sondern hielt einen Redebeitrag auf der Birlikte-Veranstaltung.
otlapinnow

Man sollte immer schön fair bleiben, finde ich.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren