Dem Kölner sein Sankt-Florian

Dem Kölner sein Sankt-Florian

Heilige spielen in Köln eine besondere Rolle. Die Reliquien der „Heiligen Drei Könige“, welche der wohl wertvollste Schatz des Kölner Doms sein dürfte. Die heiligen Jungfrauen (elftausend und ein paar gequetschte) und vermutlich noch eine ganze Menge mehr. Als Protestant kenne ich mich da nicht so sehr aus, wenn ich ehrlich bin.

Bekannt ist mir allerdings der heilige Sankt Florian und das Sankt-Florian-Prinzip — darüber hatte ich schon mal vor über einem Jahr hier im Blog geschrieben. Hauptsache, es trifft mich nicht, lässt es sich zusammenfassen. Uns begegnet das Sankt-Florian-Prinzip überall. Natürlich sind wir dafür, dass Asylsuchende aufgenommen werden, aber als Nachbarn, das muss doch wohl nicht sein. Klar wollen wir jederzeit kulturelle Veranstaltung und Kneipen besuchen, aber die sollten schon ausreichend Abstand zur eigenen Wohnung haben, schließlich möchte man hinterher auch seine Ruhe haben. Wie die Locations dann gleichzeitig auch wieder gut erreichbar sein können, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Wechseln wir mal das Schlachtfeld. Die meisten von uns wollen Strom, der günstig ist. Am besten, er stammt auch noch aus regenerativen Energiequellen, versaut also weder Luft noch Umwelt noch sorgt er für Hinterlassenschaften, die Millionen von Jahren überdauern. Zur Gewinnung von so genannten Öko-Strom gibt es viele Möglichkeiten. Die Gewinnung von Strom durch Windräder ist eine davon. Am Niederrhein stehen davon mittlerweile einige herum. Auch in der Eifel, wenn ich das richtig beobachtet habe. Ein Windrad ist eine Energiequelle, die gerade bei schlechtem Wetter gut sprudelt.

Im Gegensatz zu einer Photovoltaik-Anlage benötigt ein Windrad weniger Fläche, dafür aber, so das Gerücht, sollen sie sehr laut sein. Dabei sind moderne Windkrafträder bei normalem Wind leise. Wenn es wirklich stürmt und das Windrad noch in Betrieb sein sollte, dann hört man auch eher den Sturm als das Windrad (sofern man sich dann in geschlossenen Räumen aufhält). Da Worte manchmal doch nicht ausreichen, einen Eindruck zu vermitteln, kann man sich bei Youtube auch Videos anschaue und anhören, zum Beispiel das vom Nord-Ostsee-Magazine mit dem treffenden Titel „Wie laut sind Windkraftanlagen?„. Ein anderes „Problem“ ist im Video auch gut zu sehen, die so genannte Verschattung. Wohin der Schatten fällt, hängt, wie bei jedem Schatten von der Position der Lichtquelle ab. Jemand aus dem Ruhrgebiet, der noch qualmende Schlotte kennt und in der Nähe gewohnt hat, würde die Schatten von Windkrafträdern im Vergleich als lächerlich bezeichnen. Aber gut, andere Generationen, andere Empfindlichkeiten.

Kommen wir wieder zurück zum Sankt-Florian-Prinzip. Gestern im Kölner Stadt-Anzeiger gab es im Lokalteil einen Artikel mit der Überschrift „Stürmischer Protest gegen Windrad“. In Langel könnte ein Windkraftrad gebaut werden, was Anwohner auf den Plan ruft, die dagegen sind. Sie fürchten Lärm und Schatten. Ein Zitat bringt es auf den Punkt:

Wir haben nichts gegen Windenergie, aber hier oben möchten wir das nicht haben.

Dieter Metz, Vorsitzender des Bürgervereins

Ähnliche argumentieren auch Homophobe und Rassisten. „Ich hab nichts gegen Ausländer, aber…“. Ein Windkraftrad ist sehr viel besser als ein Atomkraftwerk oder ein Braunkohlekraftwerk. Geplant war wohl auch kein ganzer Park mit Windkrafträdern, sondern nur ein einzelnes, unschuldiges Windkraftrad. Interessanterweise sind Parteimitglieder der Grünen auch gegen das Windkraftrad — wundert mich nicht, wenn sie auch Anwohner sind, denn Sankt Florian hat viele Anhänger.

Wie dem auch sei, es war im KSTA zu lesen, dass das Windkraftrad (vorerst) nicht gebaut wird. Die Stadtentwässerungsbetriebe halten es mittlerweile für unwirtschaftlich, da sie durch die Reform des Gesetzes für Erneuerbare Energien (EEG) ab August auch eine EEG-Umlage zahlen müssten. Merkwürdigerweise findet man Bundesministerium für Wirtschaft und Energie folgendes zum EEG:

Mit der anstehenden Reform des Erneuerbare-Energie-Gesetzes wird der Ausbau der erneuerbaren Energien konsequent fortgesetzt und planvoll gesteuert […]

Im Fall der Stadtentwässerungsbetriebe wird da wohl eher etwas konsequent verhindert.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren