Abenteuer Wahlhelfer — Der Wahlsonntag

Abenteuer Wahlhelfer — Der Wahlsonntag

Heute ist er also, der Tag der Entscheidung. Beziehungsweise eigentlich ein ganz normaler Sonntag, an dem zufälligerweise vier Wahlen stattfinden. Gewählt wird für das Europaparlament, den Rat der Stadt, die Bezirksvertretung und auch der Integrationsrat — hier dürfen lediglich unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger wählen, die über eine andere Staatsbürgerschaft verfügen.

Für mich, der sich freiwillig als Wahlhelfer gemeldet hatte, begann der Sonntag für einen Sonntag erheblich früher als üblich. Aufstehen um 6:20 Uhr, das ist nichts, was ich zu meinen sonntäglichen Lieblingsbeschäftigungen zähle. Da das Wahllokal lediglich 10 Minuten zu Fuß von unserer Wohnung liegt und die Wahlvorstände um 7:30 Uhr dort sein sollten, kann ich mit der Uhrzeit, um die ich heute aufgestanden bin, eigentlich noch ganz zufrieden sein.

Etwas überrascht war ich, als ich den Wahlraum für den Stimmbezirk 50111 (in dem bin ich Wahlhelfer) sah. Kein Klassenraum, sondern eine Turnhalle, die sich vier Stimmbezirke teilen. Das kann Vor- und Nachteile haben. Genaueres werde ich am Nachmittag wissen, wenn meine Schicht anfängt. Wie erhofft konnte sich unser Wahlvorstand problemlos auf eine Einteilung in eine Vormittags- und eine Nachmittagsschicht einigen. Erst gegen 17:45 Uhr müssen wir alle wieder vollzählig sein.

Daher konnte ich, nach dem Einrichten des „Wahllokals“ wieder nach Hause gehen, die Zeilen hier schrieben und bis kurz vor 13 Uhr die Sonne auf dem Balkon genießen. Der Rest meiner Mitbürgerinnen und Mitbürger genießt das Wetter hoffentlich mit gutem Gewissen nach dem sie gewählt haben.

Zwischenstand, 11:50 Uhr. So früh habe ich in den letzten Jahren weder sonntags noch an einem anderen Tag der Woche zu Mittag gegessen. Nach den Erfahrungen mit der letzten Europawahl, bei der ich auch Wahlhelfer gewesen bin, bot sich das zeitige essen jedoch an. Wer weiß schließlich, wann ich heute Abend zu Hause sein werde. Pasta mit Rindfleisch, Bohnen, und Pesto rosso kann schon mal schwer im Magen liegen. Dafür haben wir den Wein zum Essen weg gelassen, um ein Alkohol bedingtes verzählen zu vermeiden. Der bleibt dann für hinterher. Entweder zum Anstoßen oder Frust begraben. Man ist ja nicht nur Wahlhelfer, sondern auch Mitglied einer Partei (auch wenn die politische Einstellung und Meinung außerhalb des Wahllokals bleibt).

Nicht-Wählen ist keine Lösung. Nicht-Wählen ist ein Problem.
Peter Pauls, KSTA

Endstand um 20:35. Wieder zu Hause, nach einem anstrengenden Nachmittag. Von der gesamten Wahl bekommt man als Wahlhelfer weniger mit. Während andere bequem zu Hause die ersten Hochrechnungen verfolgen konnte, begann unsere eigentliche Arbeit erst. Zählen der Stimmzettel, Sortierung nach Parteien, auszählen der Stimmen. Für die Europawahl, Kommunalwahl und Bezirksratswahl.

Eindeutiger Sieger im Stimmbezirk 50111 sind die Grünen, auf welche die meisten Stimmen entfielen. An zweiter Stelle liegt die SPD. Von der Wahlbeteiligung her lag der Stimmbezirk etwas über 60 Prozent, sofern ich richtig überschlagen habe. Persönlich Eindruck: in 50111 zieht es vor allem jüngere Menschen an die Wahlurne — was aber wohl auch dem gesamten Altersdurchschnitt in Nippes entspricht, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.

Gelernt habe ich heute eins: Wer Europäer ist, darf nicht automatisch in Deutschland wählen, solang er noch über eine andere Staatsbürgerschaft verfügt. Dann muss er, sofern er es nicht anders beantragt, für die Europawahl in dem Land seiner Staatsbürgerschaft wählen, auch wenn er hier in Köln für die Kommunalwahl wahlberechtigt ist.

Was die Wahlergebnisse insgesamt angeht, werde ich mich morgen in aller Ruhe damit auseinander setzen. Jetzt lege erstmal die Füße hoch und öffne die bereits erwähnte Flasche Wein.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren