Das Scheitern von G8

Das Scheitern von G8

Allein schon in der ursprünglichen Idee, Schülerinnen und Schülern ein Abitur nach der 12. Jahrgangsstufe aufzuzwingen, damit diese schneller für den Arbeite(losen)markt zur Verfügung stehen, steckt der Kern des Problems von G8. Zumindest für Nordrhein-Westfalen hat die Aussage, die achtjährige gymnasiale Ausbildung sei gescheitert, ihre Berechtigung.

Die Schülerinnen und Schüler werden laut Aussage vieler betroffener Eltern, durch die enge Taktung schlichtweg überfordert. Auf der Strecke bleiben die Entfaltung der Persönlichkeit, zu der auch Freizeitaktivitäten und Hobbys gehören.

Non vitae, sed scholae discimus.
(Quelle: wikipedia)

Es mag ein Trost sein, dass der allseits bekannte Ausspruch, „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“ ein verdrehtes Zitat des römischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca ist. Im oben zitierten Original heisst es: „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir“. Seneca verwendet es im Zusammenhang einer Kritik an Schule und Bildung. Probleme mit der Bildungspolitik scheint es zu allen Zeiten gegeben zu haben.

G8 stellt für die Landesregierung aus der Sicht nicht weniger Eltern ein Einsparprogramm auf Kosten ihrer Kinder da. Ein komplettes Schuljahr entfällt, was eben auch zur Streichung benötigter Lehrerstellen führte. Kritik am G8 perlte bisher von der NRW-Bildungsministerin Silvia Löhrmann (Grüne) ab. Mittlerweile scheint auch sie erkannt zu haben, wie stark der Gegenwind geworden ist. Es wird über eine Reform der G8 nachgedacht. Im Herbst sollen erste Vorschläge vorliegen. Wie immer werden in der Bildungspolitik ungewisse Experimente auf dem Rücken der Schülerinnen und Schüler ausgetragen. Denjenigen, die aktuell unter G8 zu leiden haben, bringt das Sammeln von Reformvorschlägen für den kommenden Herbst herzlich wenig.

Wie dramatisch die Situation an den Schulen aktuell in Köln ist, kann man bereits an Kleinigkeiten erkennen – wenn man denn entsprechende Mitteilungen in der Presse genau liest. Gestern wurde im Kölner Stadt-Anzeiger über die offizielle Eröffnung der neuen Mensa des Leonardo-da-Vinci Gymnasiums in Nippes berichtet. Im Text stand auch etwas vom so genannten „Schnellen Teller“:

Schnellen Teller – Nudeln mit Soße. Das macht satt und schmeckt. Erfinderin ist Heidi Pangraz, Leiterin der Mensa. „Den Teller haben wir uns ausgedacht für hungrige Schüler unter Zeitdruck.“
Quelle: „Viel Raum zum Wohlfühlen“, KSTA 20.05.2014, S. 36

Genau betrachtet ist der schnelle Teller alles andere als etwas, auf das man stolz sein könnte, kaschiert er doch einen offensichtlichen Mangel. Schüler, denen nicht mal genügend Zeit bleibt, um in Ruhe zwischen den Unterrichtsstunden zu essen. Inwieweit ein Teller mit Nudeln Soße eine angemessen und ausgewogenen Form der Ernährung ist, ist dabei noch mal ein ganz anderes Thema.

Hört man sich um an anderen Gymnasien, sieht es bei einigen anderen mit einer eigenen Mensa ähnlich aus. So gibt es eine weiterführende Schule, an der für über hundert Schüler, die gleichzeitig in die Mittagspause gehen, nur zwei Servicekräfte, die Essen austeilen. Wer Pech hat, muss sein Essen in 15 Minuten herunterschlingen.

Das G8, so heißt es unter Politikern, sei auf Grund des herrschenden Zeitgeistes, Jugendliche früher in Ausbildung und Studium zu bringen, eingeführt wurde. Treibende Kraft dabei waren sowohl Wirtschaftsverbänden als auch FDP und CDU. Manchmal muss man sich ganz deutlich gegen den „Zeitgeist“ stellen.

Die Kölner SPD spricht gerne davon, über G8 neu nachdenken zu wollen. Stundenplänen sollen entrümpelt, der Schulalltag entzerrt werden. Der richtige Weg wäre, G8 in Frage zu stellen und dann zu versuchen, ob sich überhaupt Argumente aus pädagogischer Sicht finden lassen, die für ein Beibehalten der achtjährigen Gymnasialzeit sprechen.

Wie relevant das Thema Bildungspolitik den Wählerinnen und Wähler ist, zeigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag des KSTA. Mit deutlichem Abstand lag „Schule und Bildung“ mit 56 Prozent auf dem ersten Platz bei der Frage, welches die derzeit wichtigsten Probleme in NRW seien. Offensichtlich reicht es nicht, G8 zu reformieren oder abzuschaffen, sondern Schule muss neu gedacht werden. Das ist unbequem und erfordert mit Sicherheit viel Geld, wir sind es aber unseren Kindern und deren Zukunft schuldig.

2 Replies to “Das Scheitern von G8”

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren