Gentrifizierung verhindern – eine laienhafte Erklärung

Gentrifizierung verhindern – eine laienhafte Erklärung

Straßenwahlkampf bedeutet mitunter auch, spontan zu sein. Auf Fragen nicht nur reagieren zu können, sondern auch die passende Antwort parat zu haben. Damit tue ich mich, zugegebenermaßen, immer noch etwas schwer. Am vergangen Samstag im Eigelsteinviertel in Köln wurde mir das wieder peinlich bewusst. Gentrifizierung, klar, hat man gehört, findet man auch, zumal als SPD-Mitglied, weniger prickelnd. Wenn dann aber ein Bürger an den Parteistand kommt und fragt, was denn die SPD in Köln konkret vorhat, um die Gentrifizierung in den Vierteln zu verhindern – tja, mich hat es kalt erwischt.

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Gentrifizierung bezeichnet einen Vorgang, bei denen sich in großstädtischen Vierteln die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung verändert. Durch Neubau und Modernisierung des Bestands an Wohnraum steigen die Mieten, was einkommensschwächere Bewohner aus den betroffenen Vierteln verdrängt. Bezahlbar sind die Mieten (bzw. Kaufpreise) nur noch für den einkommensstärkeren Teil. Dabei beinhaltet der Prozess der Gentrifizierung eine besondere Dynamik. Je mehr besser Verdienenden in das betroffene Stadtviertel ziehen, desto attraktiver wird dieses Viertel für andere Interessenten aus den höheren Einkommensgruppen. Gleichzeitig findet neben der Verdrängung der ehemaligen Bewohner auch eine struktureller Wandlung im Hinblick auf das kommerzielle und kulturelle Angebot des Viertels statt. Ein Szene-Kneipe ist nur dann schön, wenn sie nicht unter der eigenen Altbauwohnung ist. Pessimistisch Perspektive ist die Veränderung eines lebendigen Viertels hin zu einem aufgeräumten, ruhigen Bereich, bei dem abends um 20 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden.

Köln ist voll Beispiele, welche Auswirkungen die Gentrifizierung haben kann. Darunter auch einige wirklich bizarre Situationen, wo die Anwohner der Kranhäuser im Rheinhafen die Schiffer mit Obst bewerfen, weil deren vor Anker liegenden Boote zu laut sind und Dieselabgase ausströmen.

Wie aber lässt sich die Gentrefizierung verhindern? Zunächst sollte man sich darüber klar werden, ob man diesen Prozess überhaupt stoppen will. Dann, ob man ihn komplett verhindern möchte oder allenfalls abmildern.

Mein erster Gedanke heute morgen während der Zugfahrt gibt in Richtung Mietpreisbremse. Recht schnell wurde mir allerdings bewusst, dass dies kein Allheilmittel ist und mit Sicherheit im Falle von Gentrifizierung nur sehr bedingt taugt. Zwei weitere Möglichkeiten kamen mir dann in den Sinn. Förderung des sozialen Wohnungsbaus und Stärkung von Wohnungsbaugenossenschaften. Laienhaft habe ich auch damit viel zu kurz gegriffen. Bezahlbaren Wohnraum zu fördern ist unbestritten wichtig. Nur hilft es nicht beim Bestand, der sich wandelt. Genau der Begriff „Bestand“ führte mich bei der Recherche weiter. So kam ich auf die Erhaltungssatzung. Vereinfacht gesagt ist die ein Mittel, mit denen Städte in die Lage versetzt werden, Aufwertungsprozesse zu bremsen und den Bestand an Wohnraum mit auch für unteren Einkommensgruppen bezahlbaren Mieten zu sichern.

Durch soziale Erhaltungssatzung sorgt für einen so genannten Milieuschutz, da Modernisierungsmaßnahmen ebenso wie die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen genehmigungspflichtig wird. Gleichzeitig kann der Stadt ein Vorkaufsrecht bei Immobilien eingeräumt werden.

4 Replies to “Gentrifizierung verhindern – eine laienhafte Erklärung”

  1. Nun lässt du aber die Frage offen, ob du den Vorgang stoppen willst oder nicht. Wenn nicht, warum nicht? Wenn doch, kann der Milieuschutz wirklich helfen? Über die Mietpreisbremse schweigen wir jetzt am besten einfach mal ;-).

    1. Stimmt, ich halte mich etwas bedeckt. Wer hier im Blog länger liest, kennt vermutlich meine Position ;-) Milieuschutz – ob das ein Allheilmittel ist, schwierig zu beantworten.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren