Im Land des Todes

Im Land des Todes

Die Art und Weise, wie in den USA mit Leben umgegangen wird, verstört mich. Nicht als Deutscher, sondern als Mensch. Ich reibe mir auch nicht entsetzt die Augen, wenn ich von dem Fall eines deutschen Austauschschülers lese, der heimtückisch in Montana von einem Hausbesitzer ermordet wurde. Dieser Hausbesitzer hat den Schüler erschossen, weil er das Grundstück des Amerikaners und dessen Garage betreten hat. Der Eigentümer hatte zuvor absichtlich die Garagentür aufgelassen und es wurde auch eine Handtasche als Köder präpariert sichtbar in die Garage gestellt.

Insofern macht sich das Tobias Peter in seinem Kommentar zum Vorfall im Kölner Stadt-Anzeiger vom vergangen Mittwoch verdammt einfach. Er schreibt von einer Faszinierenden Vielfalt in den USA. Die, so scheint es mir scheint auch darin zu bestehen, auf möglichst grausame Weise ums Leben zu kommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man unschuldig oder schuldig, wie Clayton Lockett ist, der 40 Minuten mit dem Tod rang. Er sollte als zum Tode Verurteilter mit  „ungetesteten“ Giftcocktail hingerichtet werden, was offensichtlich misslang.

Es ist kein Lamento, wenn man Anstoß nimmt an einem Land, was von sich selber behauptet, eine Demokratie zu sein. Mich lässt der Topf Hühnersuppe, den man dort, wie Peter schreibt, seinem kranken Nachbarn im mittleren Westen bringt, unbeeindruckt. Selbstverständlich gibt es „den Amerikaner“ genau so wenig wie „den Deutschen“ oder „den Europäer“. Dennoch ist Kritik an den USA legitim. Mir hängt es, ehrlich gesagt, auch zum Hals raus, dass jedes, wirklich jedes Mal, wenn in den USA jemand von wildgewordenen Waffenbesitzern erschossen, nein ermordet wird, auf der geschichtlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika herumgeritten wird. Der Wilde Westen ist längst vergangen. Früher haben sich Menschen in Deutschland und Europa duelliert, Waffen wurden ganz offen getragen. Nach früher haben wir Hexen verbrannt. Mittlerweile gelten wir durchaus als zivilisiert.

Viele Amerikaner sind mit einer Waffe im Haus aufgewachsen. Es ist für sie so normal wie für uns die Tatsache, dass es in Deutschland Millionen Verkehrszeichen gibt.
Quelle: Tobias Peter, „Das fremde Land“, KSTA 101 2014, 1./2.05., S. 4

Näher dran an der heutigen Zeit ist nicht der Wilde Westen, sondern die 60er Jahre des vergangen Jahrhunderts. Da hat man in den USA noch farbige Mitbürger ausgegrenzt, ihnen brennende Kreuze vor die Tür gestellt und sie ermordet. In der Hinsicht hat sich einiges getan, mittlerweile haben die USA sogar einen farbigen Präsidenten — wie immer man auch politisch zu ihm stehen mag. Worauf ich hinaus will: es gibt kein Automatismus, der jede Tradition, jede Verhaltensweise legitimiert. Alles muss geprüft und hinterfragt werden, ob es noch in die heutige Zeit gehört und nicht im Widerspruch zu den universellen Menschenrechten steht.

Selbstverteidigung um jeden Preis kann keine Maxime sein. In Deutschland und vielen europäischen Ländern besitzt der Staat das Gewaltmonopol. Wenn man sich das anschaut, ist das auch ganz gut so. Wir alle in Europa können verdammt Stolz auf die letzten 69 Jahre sein, in denen wir gelernt haben weitgehend friedlich miteinander auszukommen, über die Grenzen, Sprachen und Kulturen hinweg. Europa ist nicht ein, sondern der Gegenentwurf zu den USA. Wir benötigen weder die Todesstrafe noch Waffenbesitz von Privatpersonen.

Der mit viel Blendwerk versehen Kommentar von Peter lässt sich auf einen Satz reduzieren: „Das ist da halt so.“ Für so etwas sollte man sich eigentlich zutiefst schämen und vor allem Goethe aus dem Spiel lassen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren