Eine Firma nach ihrem Kaffee beurteilen

Eine Firma nach ihrem Kaffee beurteilen

„Kann ich einen Kaffe anbieten?“ — Eine scheinbar harmlose Frage, in Firmen und Büros täglich gestellt, wenn Kunden, Besucher oder Gäste zu einem Termin gekommen sind. Dabei ist die Formulierung an sich schon unglücklich.

Ob man jemanden etwas anbieten kann, ist für denjenigen, der mit dieser Frage überfallen wird, schlichtweg gar nicht korrekt zu beantworten. Weder weiss der Gast, ob überhaupt Kaffee vorhanden ist noch wie es um die Talente des Fragenden hinsichtlich der Zubereitung eines Kaffees aussieht. Einfacher wäre es daher zu fragen, ob man einen Kaffee anbieten darf, oder ob der Besucher einen Kaffee möchte (was, zugegeben, Teetrinker diskriminiert).

Bleiben wir aber, statt auf sprachlichen Feinheiten herum zu reiten, beim Können. Wird jemanden ein Kaffee angeboten, geht er zumindest vor dem ersten Schluck davon aus, dass der Fragende grundsätzlich erstmal in der Lage ist, einen Kaffee zu zubereiten. Das mag oberflächlich vielleicht sogar zutreffen, denn die Bedienung einer Kaffeemaschine sollte recht einfach sein. Falsch. Es ist ein einfache und verkürzte Sicht auf das, was Kaffee sein könnte.

Kaffee ist weit aus mehr als nur ein paar zu Pulver gemahlene Bohne, die auf irgendeine Weise mit heißem Wasser in Kontakt kommen und auf eine andere Weise wieder davon getrennt, also gefiltert werden. Kaffee ist wie seine Zubereitung Kunst. Um dazu zu verstehen, muss man lediglich einen Automatenkaffee (zum Beispiel aus der DB Lounge) mit dem vergleichen, was einem ein talentierter Barista servieren kann.

Es kommt nicht nur auf die Bohnen an. Röstung, Mahlgrad, Menge, Wassermenge, Temperatur des Wassers und einige weitere Faktoren mehr. Selbst bei Kaffee-Maschinen gibt es Faktoren, die Qualität und Geschmack des damit zubereiteten Kaffees beeinflussen. Kalkgehalt des Wassers, Kaffeesorte und vor allem aber, wie häufig und gründlich die Maschine gereinigt wird. Je länger man sich mit Kaffee und seiner Zubereitung beschäftigt, desto mehr wird einem bewusst, wie viel schief gehen kann, bis die dampfende Flüssigkeit in der Tasse ist und einen hoffentlich verführerischen Geruch verbreitet.

In den meisten Firmen und Büros gibt es irgendeine Kaffeemaschine. Mittlerweile recht häufig dürfte das eine sein, die mittels Pads oder Kapseln eine an Kaffee erinnernde Substanz erzeugt. Bei entsprechender Mitarbeiterzahl oder Wertschätzung des Getränks befindet sich vielleicht sogar ein Vollautomat im Besitz des Unternehmens — was aber wiederum das Risiko steigert, denn dieser Bedarf mehr Aufmerksamkeit bei der Pflege.

Zumindest meiner Erfahrung nach, aus vielen Terminen in den letzten 15 Jahren, liegt die Wahrscheinlichkeit eines wirklich guten überzeugenden Kaffees bei 12 Prozent. All zu häufig bekommt man etwas vorgesetzt, was man nur auf Grund von gutem Willen und Höflichkeit herunter bekommt, vielleicht auch deshalb, weil man sich gegen seine Gewohnheit Milch und Zucker in den Kaffee rührt. Rückstände von Spülmitteln, metallischer Geschmack, zu hoher Kalkgehalt im Wasser — nur ein paar der „Highlights“.

Im Grunde genommen müsste man den Kaffee zur Entscheidungsgrundlage erheben. Wenn ein Unternehmen schon an der Zubereitung eines akzeptablen Kaffees scheitert, ist es vielleicht sogar mit größeren Aufgabenstellungen völlig überfordert. Oder aber ist bei der Projektabwicklung genauso nachlässig wie bei der Wartung der Kaffeemaschine.

Vielleicht sollte man die einleitende Frage zu Beginn eines Meetings mit einer Gegenfrage beantworten: „Können Sie mir Ihren Kaffee wirklich anbieten?“ Und dann lässt man sich die Kaffeeküche und Maschine zeigen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren