Scheitern als Prinzip

Scheitern als Prinzip

Seit diese Woche Donnerstag gibt es ein Spiel für iOS, welches einem lehrt, dass Scheitern nicht immer frustrierend sein muss. Man kann trotz einer Niederlage wieder aufstehen, neuen Mut fassen oder erneut kämpfen — obwohl man ahnt, wieder auf die Nase zu fallen. Scheitern hat in gewisser Weise auch etwas meditatives, obwohl unbekannt ist, ob Sisyphos das auch so gesehen hat.

Kommen wir zum Spiel. Bei FTL: Faster Than Light versucht man mit einem Schiff der Föderation, ein wichtiges Datenpaket in Sicherheit zu bringen. Dabei ist man auf der Flucht vor den Rebellen, die nach und nach die gesamte Galaxie übernehmen. Die Flucht führt einem durch insgesamt 8 Sektoren mit unterschiedlichen Subsystemen, in denen zufällige Ereignisse lauern. Ziel ist es in den einzelnen Sektoren, zu den Subsystem zu gelangen, in dem sich eine Sprungmöglichkeit zum nächsten Sektor befindet.

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Flug durch einen Sektor

Im Kampf gegen de Widrigkeiten der Galaxie versucht man, eine fähige Mannschaft zusammen zu stellen, sein Schiff aufzurüsten und vor allem zu überleben. Bedroht wird man nicht nur von Piraten, Energiestürmen sowie Astroidenfeldern, sondern auch durch den knapper werden Treibstoff. Eine Möglichkeit, zwischendurch den Spielstand zu speichern und beim Scheitern auf einen früheren Stand zurück zu greifen, gibt es nicht. Scheitern ist hier immer endgültig. Die einzige Möglichkeit, die man hat, ist erneut von vorne zu beginnen. Laut Statistik habe ich 14 Mal FTL gespielt und mir genau so oft eine blutige Nase geholt. Immerhin bin ich ganze zwei Mal bis zum Endgegner, dem Mutterschiff der Rebellen, gekommen — auf der leichtesten Schwierigkeitsstufe.

Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen ist FTL dabei nicht frustrierend. Scheitert man, beginnt man eben erneut, mit ein paar Erfahrungen reicher und dem festen Ziel, es diesmal zu schaffen. Wenig später ist dann die Mannschaft wieder erstickt, von feindlichen Kräften an Bord ausgeschaltet worden oder aber das gesamte Raumschiff zerbröselt in seine Einzelteile. FTL spielt sich so kurzweilig, dass man die Niederlage auch deshalb gut verkraften kann. Nichts frustriert mehr, als wenn man nach zwei Tagen (Advanced) Civilization, das Brettspiel von Avalon Hill, vor der endgültigen Niederlage steht.

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Kampf gegen ein anderes Raumschiff

Eine kleine Belohnung gibt es nach jeder Partie FTL aber dennoch. Der erreichte Punktestand wird angezeigt und in die Highscore-Liste eingetragen. Ganz so, wie es früher bei den klassischen Arcade-Spielen der Fall war — oder hat jemand jemals den letzten Level von Pacman überlebt? FTL ähnelt in gewisser Weise auch den in Mode gekommenen Endless Runner, die sich ziemlich Beliebtheit erfreuen. Allerdings ist bei FTL doch etwas mehr als links, rechts, springen erforderlich, um in den nächsten Sektor zu gelangen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren