Twitter und der Zwang zu Vollnamen

Twitter und der Zwang zu Vollnamen

Nach massiver Kritik am Nachrichtendienst Twitter aus Ländern wie Russland und der Türkei sieht es so aus, als ob bei Twitter künftig andere Regelung für die Auswahl des (Benutzer-)Namens gelten würde. In einer ersten Stellungnahme bestreitet das Unternehmen jedoch, dass die Änderungen der Allgemeine Geschäftsbedingungen mit den aktuellen Vorfällen zusammenhängen würden. Der Pressesprecher des Unternehmens dazu:

Due to the increasing usage of our service we are short on new user names soon.
via Twitter

Bisher konnten sowohl der Vollständige Name als auch der Benutzername frei gewählt werden. Im Zuge der Neuregelung wird diese Möglichkeit künftig nicht mehr bestehen. Auch entfällt die Erstellung eines Accounts durch die Angabe einer gültigen E-Mail Adresse. Künftig wird eine beglaubigte Authentifizierung nötig sein. So wird zum Beispiel in Deutschland auf das bewährte Postident-Verfahren verwendet.

Auf Grund des bevorstehenden Mangels an Benutzernamen, so das Unternehmen, werden sich diese dann aus Vor- und Nachname zusammen setzen. Zusätzlich wird dann noch von Twitter automatisch die Top-Level-Domain des Herkunftslandes angefügt. Für Erika Mustermann aus Deutschland sähe der neue Benutzernamen bei Twitter wie folgt aus: Erika_Mustermann.de

Komplizierter wird es bei verheiratetet Paaren, denn in diesem Fall greift eine weitere Neuerung. Beide müssen sich einen gemeinsamen Account teilen, um auf diese Weise Ressourcen zu schonen. Es twittern dann Maximilian Mustermann, der mit Erika Mustermann verheiratet ist unter dem Benutzernamen: Maximilian_Mustermann.de_und_Erika Mustermann.de

An einer Lösung bei Re-Tweets, wo auf Grund der Länge der Benutzernamen die eigentliche Nachricht selber auf Grund der 140-Zeichen Beschränkung verkürzt würde, wird derzeit noch fieberhaft gearbeitet.

In jeden Fall ist zu befürchten, dass die Länderkennung künftig eine einfache Identifizierung der Twitetr-Benutzer ermöglicht. Unmittelbar nach Bekanntgabe der neuen Geschäftsbedingungen kündigte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan bereits an, unter diesen Umständen den Twitter wieder in seinem Land frei zugänglich zu machen.

3 Replies to “Twitter und der Zwang zu Vollnamen”

  1. ZITAT: „In jeden Fall ist zu befürchten, dass die Länderkennung künftig eine einfache Identifizierung der Twitetr-Benutzer ermöglicht. Unmittelbar nach Bekanntgabe der neuen Geschäftsbedingungen kündigte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan bereits an, unter diesen Umständen den Twitter wieder in seinem Land frei zugänglich zu machen.“

    Nu ja, liebe Leute, wenn die Twitterei politisch wird bzw. sich aktuell politische Prozesse sich einmischt, dann muss man eben die Spielregeln des Systems akzeptieren, und die erste Regel lautet: sei auf Kröten gefasst, die du schlucken musst. Politik ist Kompromiss, und vorgeschrieben wird vom Mächtigen.
    Von wegen: das geduldige Bohren dicker dicker dickster Bretter.

    btw: ich halte twitter für eine oberflächliche, die Verantwortungslosigkeit provozierende und nur zwischen candy und shit taumelnde Form, sich (mal für ein paar Minuten, so lange es eben dauert, seine 100, 120, 140 Zeichen einzutippen) politisch zu „engagieren“. Leider ist die Einstiegsschwelle so niedrig, dass jeder Hinz und Kunz in D über alles mögliche in RUS oder TK schwadronieren, polemisieren, hetzen kann – ohne jede fundierte Beschäftigung mit den Vorgängen, Hintergründen dort und den kulturell-sozialen Begebenheiten.

    1. Über Sinn oder Unsinn von Twitter kann man sicher kontrovers diskutieren. Fest steht dagegen, dass gestern der 1. April war ;-)

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren