Alex Woods versus Adrian Mole

Die zweite literarische Blindverkostung im Rahmen der lit.cologne hatte ich gestern bei Gavin Extence mit seinem Debütroman „Das unerhörte Leben des Alex Woods„. Ausgewählt hatte ich die Veranstaltung eigentlich nur wegen der Person, welche die deutschen Texte vortrug: Bjarne Mädel.
Primärziel in diesem Fall war daher, Mädel einmal live zu erleben. Wie schon am Tag zuvor saßen drei Personen im Rampenlicht der Bühne. Der Autor selber, Mädel und der Moderator Philipp Schwenke. Flankiert wurde sie von zwei Damen, die sich darum kümmerten, Vortrag und Gespräch in Gebärdensprache zu übersetzen. Eine löbliche Idee, die hoffentlich im nächsten Jahr auf mehr Veranstaltungen ausgeweitet wird.

Schon in der Vorankündigung wurde das Buch über den grünen Klee gelobt. Die Handlung selber ist schnell umrissen:

Alex Woods ist siebzehn, als er mit 113 g Marihuana und einer Urne von der Polizei festgenommen wird. Rückblickend erzählt er seine ungewöhnliche Geschichte: wie er im Alter von zehn Jahren von einem Meteoriten getroffen wurde und seitdem an epileptischen Anfällen leidet, wie er von seinen Mitschülern gehänselt wurde, wie er den Pott-rauchenden Vietnamkriegsveteranen Mr Peterson kennenlernte, der ihm alles über die Bücher Kurt Vonneguts beibrachte und ihn dann um Sterbehilfe bat.
Quelle: Programmheft lit.cologne

Fangen wir mit dem Positivem an. Im Gegensatz zur Lesung gestern, bei der Johannes Benecke im Deutschen David Peace wenig gekonnt seine Stimme verlieh, verstand es Bjarne Mädel, dem Text lebendig werden zu lassen — aber nichts anderes hatte ich auch von ihm erwartet. Gavin Extence selber ist ein bemerkenswerter Autor, zumindest im Gespräch. Vielleicht ist es einfach auch nur Pech, dass ich den direkten Vergleich zwischen ihm und David Peace ziehe und Extence damit furchtbares Unrecht tue, aber ihm fehlt einfach das Feuer. Der Funke sprang bei mir weder bei den englischen noch bei den deutschen Passagen über.

Möglicherweise liegt es auch dran, dass der Stoff für mich nach wenig Neuem klang. So ist zum Beispiel „Adrian Mole“ von Sue Townsend schon einige Jahrzehnte älter. Wirklich tierschürfendes klang zumindest in der Lesung nicht an. Für mich gibt es keinen Grund, das Buch auf meine Leseliste zu packen. Es wirkt auch mehr wie ein (pardon) Jugendbuch auf mich.

Vielleicht liegt es aber auch ein Stück weit an der Moderation durch Philipp Schwenke, die ich hier natürlich auch im direkten Vergleich zu Bernhard Roben sehe. Jemand, der sich wie Roben im Gespräch Notizen macht, wirkt auf mich einfach schon professioneller. Und vermag es auch, das Gesagt besser zusammen zu fassen. Zudem wirkte Roben besser vorbereitet, so dass es im Gespräch deutlicher in die Tiefe geht. Es mag zwar lustig sein, wenn Schwenke das Publikum ausprobieren lässt, ob man sich mit seiner Zunge am eigene Ellbogen lecken kann, aber von einer Literaturveranstaltung erwartet ich schon etwas mehr.

Mein Fazit: Weder wirkt „Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan“ lustig noch tiefschürfend. Kopfschütteln kann man auch über den extrem langen Buchtitel. Im Englischen heisst es schlicht „The Universe Versus Alex Woods“.

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