The Philosophers

Es gibt Filme, die fallen für mich in die Kategorie „Popkorn-Kino“. Reine Unterhaltung, am besten schaltet man das Gehirn vor dem Konsum in den Ruhezustand. Darüber hinaus gibt es noch Werke, die bewusst anspruchsvoll daher kommen. Und es gibt die Missverstanden Filme. Zu letzteren Kategorie gehört mit Sicherheit „The Philosophers – Wer überlebt?“ von John Huddles. Das erste Mysterium dabei ist bereits der Titel, dem im Original heisst der Film „After the Dark“. Warum man daraus dann „The Philosophers“ für den deutschen Markt gemacht hat, ist schwer zu begreifen.

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Dabei geht es im Film um Philosophie. Genauer gesagt um eine Abschlussklasse einer internationalen Schule in Jakarta, deren Lehrer sie in der letzten gemeinsamen Stunde zu einem Gedankenexperiment einlädt. Den Film als Science-Fiction-Film zu bezeichnen, ist bereits das erste Missverständnis. Eine atomare Apokalypse, die lediglich in der Vorstellung der Schülerinnen und Schüler abläuft, ist kein Science-Fiction. Schauspieler, Handlungsort, Effekte und alles andere sind Nebensächlich bis irrelevant, denn es geht einzig und allein um das Gedankenexperiment (auch wenn es am Ende des Films eine mittelmäßige Eifersuchtsgeschichte wird).

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Ein Bunker, der für genau ein Jahr Schutz bietet und so die Katastrophe überleben lässt. Das Einzige Problem daran ist nur, dass er für genau 10 Menschen Platz bietet. Jede Person mehr würde die Überlebenschance aller gefährden. In der Klasse jedoch sind 21 Schüler. Jeder von ihnen bekommt eine Rolle für das Experiment zugewiesen. Bauingenieurin, Tischler, Öko-Bauer, Immobilienmakler, Opernsängerin, Dichter usw.
Basierend auf der Rolle sollen alle gemeinsam entscheiden, wer in den Bunker darf oder nicht. Nur vom Lehrer, der als Joker funktioniert, wissen sie nicht, was für eine Rolle er spielt und ob er wichtig ist oder nicht.

In der ersten Runde scheitern sie (warum, wird hier nicht verraten), für den zweiten Anlauf gibt es eine Verschärfung. Jeder erhält zu seiner Rolle noch bestimmte Eigenschaften und weitere Parameter. Gleichzeitig soll für den Bunker innerhalb des Jahres eine Schwangerschaft sichergestellt werden. So ist der an sich nützliche Öko-Bauer Schwul, die zuvor nützliche Ärztin hat sich möglicherweise bei einer Reise mit dem Ebolavirus infiziert. Eine vorher nutzlose Eigenschaft für das Überleben wird ergänzt durch die Fähigkeit, als Hebamme agieren zu können.

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Auch in der zweiten Runde scheitern die Schülerinnen und Schüler, so dass es eine dritte und letzte Runde geben wird, für die nach ganz anderen Maßstäben ausgesucht wird, wer in den Bunker darf.

Entscheidend bei „The Philosophers“ ist die Grundidee, die einen selber über den Film hinaus beschäftigt. Wie würde man selber entscheiden und auf was für Grundlagen würde man seine Entscheidung stützen? Für den Einstieg kann man sich auch mit dem im Film zitierten Trolley-Problem auseinander setzen:

Eine Straßenbahn ist außer Kontrolle geraten und droht, fünf Personen zu überrollen. Durch Umstellen einer Weiche kann die Straßenbahn auf ein anderes Gleis umgeleitet werden. Unglücklicherweise befindet sich dort eine weitere Person. Darf (durch Umlegen der Weiche) der Tod einer Person in Kauf genommen werden, um das Leben von fünf Personen zu retten?
Quelle: wikipedia.de

Auch die Variante mit dem „fetten Mann“ hat es in sich, besonders dann, wenn man versucht, einen Unterschied zu finden in der Argumentation. Die zu Grunde liegen frage bleibt auf jeden Fall zeitlos aktuell: Darf oder muss man den Tod Weniger in Kauf nehmen um die Mehrheit zu retten? Der Abschuss eines mit Passagieren besetzten Flugzeuges, an dem sich möglicherweise Terroristen befinden, die mit dem Flugzeug einen Anschlag verüben wollen, ist einer der Anknüpfungspunkte an unsere Gegenwart.

Der große Verdienst von „The Philosophers“ ist es, zum nachdenken zu verführen, uns ganz praktisch zu zeigen, wie wichtig die Philosophie als Disziplin ist. Ob man allerdings wie Platon die Herrschaft durch Philosophen daraus ableiten sollte, steht auf einem ganz anderen Blatt.

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