Karne Wahl — nicht Fleisch, nicht Fisch

Das Schöne am Karneval ist, dass man tatsächlich die Wahl hat. Ob man feiert oder eben nicht, bleibt einem ganz allein selber überlassen. Zumindest solange kein Nachwuchs im Haus ist, der eine ganz eigene Befindlichkeit in Bezug auf die dollen Tage hat. Achtzehn Jahre Ostwestfalen, Bielefeld, haben bei mir auf jeden Fall ihre Spuren hinterlassen. Trotz rheinischer Gene, wie man schön sagt, kann ich mit Karneval wenig anfangen.

Das war nicht immer so, denn bis zur Pubertät sah es etwas anders aus. Selbstverständlich feierten meine Eltern zusammen mit ihrem Kegelclub am Wochenende vor Rosemontag, während mein Bruder und ich zu Haus in der Obhut der Großeltern vor Fernseher saß. gemeinsam wurde dort der Sitzungskarneval verfolgt. Besonders mochten wir das Colonia Duett — Zimmernann, du Ei!

Am Rosemonatag selber gingen wir dann mit allen zu Zug in Wesel, sammelten die Kamelle auf und wetteiferten darum, die meisten zu haben. Nach dem Zug, der in einer Kleinstadt selbstverständlich nicht die Dimensionen wie in Köln, Düsseldorf oder Mainz hatte (und vermutlich immer noch hat) ging es an zur Wohnung meiner Großeltern, um dort im Fernsehen die Übertragung der großen Umzüge zu sehen und die Beute zu begutachten.

Rund um Karneval gingen mein Bruder und ich (gelegentlich auch mit Schulfreunden) „Gröschken oder Wöschken“. Wir klingelt an den Türen in der Nachbarschaft, sagten unser Sprüchlein auf und warteten darauf, dass ordentlich was in den Beutel gegeben wurde. Woher das kam und ob das eine Tradition am Niederrhein ist, weiß ich nicht. Mittlerweile kennen diese Art des von Tür zu Tür Ziehens die meisten wohl nur von Halloween. Und das wiederum gab es in meiner Kindheit nicht in der Form in Deutschland.

Irgendwo in der Pubertät ist mir wohl, lange vor dem Umzug nach Bielefeld, ist mir dann wohl die Lust auf Karneval abhanden gekommen. Ob es Schulfeiern lag, bei dem meine Kostüme nicht originell genug waren oder aus anderen Gründen, weiß ich nicht mehr. Ich bin nur froh darüber, dass ich mittlerweile nach dem Motto „Jeder Jeck ist anders“ zumindest anderen den Spaß gönnen kann. Zumindest solange mir niemand direkt auf die Nerven mit seinem Frohsinn fällt. Die unrühmlich Einstellung Anfang der 90er Jahre verschweige ich lieber,

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