Hellers und Schatten

Für jemanden wie mich, der täglich Blogartikel verfasst ist es schön, wenn die Themen nicht ausgehen. Daher möchte ich mich auch gar nicht erst über sich ansammelnde Ideen beschweren — andere wären froh darum. Es erfordert allerdings, ab und an Prioritäten zu setzen. Machen Eisen lassen sich nur schmieden, so lange sie heiß sind, während es auf der anderen Seite egal ist, ob ich ein oder zwei Wochen (wie in diesem Fall) verstreichen lasse, bevor ich über einen bestimmten Restaurantbesuch schreibe.

Dabei ist das Restaurant, wo meine Frau und ich vor genau zwei Wochen waren, gar keins. Sondern ein Brauhaus. Damit einher geht, zumindest wenn es nicht der erste Besuch in einer Einrichtung dieser Art ist, eine gewisse Grunderwartung. Das Bier wird eher überdurchschnittlich frisch und lecker sein, das Essen eher deftig bis mäßig. Aber man geht in ein Brauhaus hauptsächlich wegen des Biers und nicht etwa, um was außergewöhnliches zu essen.

Im Hellers waren wir genau aus diesem Grund. Für mich gehört deren Kölsch, gebraut nach dem Reinheitsgebot und Zutaten aus Bio-Anbau, zu einem der besten Biere hier in der Region. Wenn es nicht sogar das Beste ist. Zudem versteht man es bei Hellers (gebürtige Kölner bitte diesen Satz überlesen) ein trefflich gutes Alt zu brauen. Das Brauhaus in der Roonstraße selber strahlt eine rustikale Gemütlichkeit aus. Die Atmosphäre verführt geradezu, auch schon in kleinen Gruppen „1-Meter-Kölsch“ zu bestellen. Da wir nur zu viert waren, stimmte ich jedoch entschieden dagegen. Ich mag mein Kölsch lieber zapffrisch.

Frisch habe ich es auch gerne beim Essen, aber da waren die Ausgangsvoraussetzungen wie bereits erwähnt eher ungünstig. Speisekarten in Brauhäusern gewinnen keinen Preis für Vielfalt und ähnlichen sich auch verblüffend. Ein paar Alibi-Salate, obligatorisch hier in Köln Halver Hahn und Roggenbrötchen mit Mett so wie Variationen von Schnitzel. Mein bestelltes Schnitzel vom Schwein, in Bierbrotpanade mit Röstiecken und Salatbeilage, überzeugte mich in keiner Weise. Bei den Pilzen hatte ich den Verdacht, sie wären eine Dosengeburt, aber da kann mich mein Eindruck auch Stören. Den TK-Röstieecken hätten ein paar Momente längere in der Fritteuse gut getan, sie wirkten doch arg blass – oder es war ein dezent gesetzter Kontrast zu der doch sehr dunklen Bierbrotpanade. Beim Salat bewies der in der Küche verantwortliche seine ganze Einfallslosigkeit. Grünzeug mit Mais aus der Dose. Für mich ist Mais im Salat immer ein Indikator für Küchenqualität. Mais hat, es sei denn er stammt frisch vom Kolben, im Salat nichts zu suchen. Genauso wie Bohnen aus der Dose. So was macht man nur, wenn man kein Gefühl dafür hat, wie genial Salat sein kann. Wie wunderbar Salat auch als Hauptgericht sein kann, bewies mir am Dienstag diese Woche das Café Goldmund — aber da gibt es halt kein Hellers vom Fass.

Am besten geht man nicht hungrig in ein Brauhaus und bestellt nur eine Kleinigkeit zu essen. Ganz verzichten auf Essen sollte man jedoch nicht, denn in manchen Brauhäusern kassiert man da im günstigsten Fall einen scheelen Blick vom Köbes. Wenn es schlecht läuft wird man gerade auch in den einschlägigen Etablissements am Heumarkt auf die Stehplätze verwiesen.

Trotz des enttäuschenden Essens war das nicht unserer erster und gleichzeitig letzter Besuch bei Hellers. Dafür schmeckt uns deren Bier einfach zu gut. Nur wissen wir beim nächsten Mal Bescheid und greifen beim Essen zu den Dingen, die man meiner Meinung nach auch mit wenig Küchentalent hin bekommt.

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