Erinnerung an Maximilian Schell

Am Wochenende ist der Schauspieler Maximilian Schell gestorben. Als ich die ersten Meldungen darüber las, stieß ich mich als erstes an der Art und Weise, wie er verstarb. Nach dem, was zu erfahren war, verstarb er nach einer Rückenoperation. Wachte einfach nicht mehr aus der Narkose auf. Mich schockiert das deshalb so, weil ich noch gut den Artikel, er vor wenigen Wochen in der Zeitung stand, in Erinnerung habe. Es ging dort um den Krankenhausreport einer gesetzlichen Krankenkasse (genauer gesagt der AOK). Unter anderem hieß es in der Meldung, dass man als Patient eine gewisse Portion Glück benötigt, um ein Krankenhaus nicht in einem schlechteren gesundheitlichen Zustand zu verlassen als man es betreten hat (oder als man rein gerollt wurde). Auf den Punkt gebracht, wurde es wie folgt formuliert: „In Deutschland gibt es pro Jahr mehr Tote durch Behandlungsfehler als im Straßenverkehr“. Vermutlich erwischt es jeden, unabhängig ob man ein großer Schauspieler ist oder nur Heinz-August, der kränkliche Hausmeister einer Gesamtschule in Köln-Porz.

Womit selbstverständlich dem Krankenhaus, in dem Maximilian Schell operiert wurde, keinerlei Behandlungsfehler unterstellt werden sollen (traurig, dass man so was auch noch mal extra erwähnen muss). Wie dem auch sei, nach dem dieser Gedanke wieder an mir vorüber gezogen war, fing ich an zu grübeln, was ich eigentlich über Maximilian Schell weiß. Ehrlich gesagt, ist das nicht viel. Würde ich jetzt an dieser Stelle etwas über ihn schreiben, wäre das meiste wohl aus anderen Quellen. Was für ein toller Schauspieler / Mensch / Künstler er doch war, welche Preise er gewonnen hatte und das man ihm sogar das Bundesverdienstkreuz verliehen hatte. Solches zeug halt aus vorgefertigten Nachrufen, die für den Fall der Fälle bei den Zeitungen und Magazinen in den Schubladen (oder in einem virtuellen Ordner) liegen.

Auch wenn ich mich intensiv bemühe, fällt mir immer wieder nur ein Film ein, in dem Maximilian Schell mitgespielt hat und an den ich mich tatsächlich eigenständig erinnern kann. Für die meisten war der kein besonders Highlight. Damals (keine Ahnung genau wann), als ich ihn zum ersten Mal sah, beeindruckte er mich genau so stark wie beim erneuten ansehen. „Das schwarze Loch“, ein Science Fiction Film, in dem Schell Dr. Hans Reinhardt, den Kapitän eines ansonsten von der Mannschaft verlassenen riesigen Raumschiffs am Rande eines schwarzen Lochs, spielt. Der Film ist recht düster, besonders wenn man zusammen mit der Besatzung eines anderen Raumschiffs Stück für Stück hinter die Wahrheit kommt. Die angeblichen humanoiden Roboter sind keine, sondern willenlos gemachte Mitglieder der ehemaligen Besatzung, die in einer Art Mönchskutte herumlaufen und vor dem Gesicht ein verspiegeltes Visier haben.

Reinhardt, so erfährt man, ist wahnsinnig und hat vor, in das schwarze Loch zu fliegen. Einer der Gründe, warum seine Mannschaft versucht hatte, gegen ihn zu meutern. Das Ende soll hier nicht verraten werden, aber die letzte Einstellung mit Reinhardt (alias Maximilian Schell) und seinem Roboter Maximilian (der tatsächlich so heisst wie der Schauspieler) werde ich nie vergessen. Das ist es dann vermutlich auch, woran ich mich noch in einigen Jahren erinnern werde. Maximilian Schell als verrückter Befehlshaber auf einem Raumschiff. Selbst wenn ich mir jetzt noch andere Sachen von ihm ansehen würde, es bleibt dieser eine Film aus meiner Kindheit, der prägend ist. Alles andere verschwindet im schwarzen Loch der sekundären Erinnerungen.

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