Die Leiden des jungen Mediums

Vorweg erstmal eine Klarstellung. Als Pendler schätze ich E-Books auf Grund ihres Gewichts. Genau so gut mag ich aber gedruckte Bücher im Regal stehen habe.Für mich gibt es kein entweder Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Es kommt auf Buch, Titel, Autor, Bequemlichkeit und Ästhetik an kurz gesagt, ich mag beide Varianten.

Wenn ich ein gedrucktes Buch kaufe, gehe ich in die Buchhandlung meines Vertrauens und erwerbe das Buch dort. Alternative Formen sind auch vorstellbar, also entweder die Bestellung über das Internet, vorbestellen und ähnliches. Gleiche Vielfalt gibt es dann bei den Bezahlmöglichkeiten. Ich könnte, nur um das deutlich zu machen, auch in eine ganz andere Stadt gehen, dort eine mir bis dahin unbekannte Buchhandlung aufsuchen und das Buch anonym mit Bargeld bezahlen.

Alle Variante führen dazu, dass ich am Ende des Tages ein physikalisches Werk in den Händen halte, welches kein weiteres Zubehör benötigt. Habe ich das Buch ausgelesen, kann ich damit machen was ich will. Ins Regal stellen, verschenken, ausleihen, wieder verkaufen. Wechselt das Buch auf diese Weise mehrfach den Besitzer, lässt sich, ohne sofern ich keine Markierung vorgenommen habe, nicht mehr zurück verfolgen, dass ich es ursprünglich gekauft habe.

Bei einem E-Book sieht das vollständig anders aus. Geworben wird oft damit, man könne neue Bücher rund um die Uhr einfach und bequem erwerben. Das geht allerdings nur, wenn man seine Daten preisgibt. Gleichzeitig entscheidet man sich auch noch beim Einkauf auf Grund dessen, wo man einkauft, womit man das Buch später ausschließlich lesen kann. Wer sein Buch bei Amazon erwirbt, kann dies nur auf einem Gerät von Amazon lesen (oder einer Kindle-App). Kaufe ich bei Apple, bin ich damit gebunden an iOS-Geräte oder ein Rechner mit Mac OS X und iBooks. Wer sich für Onlinebuchhandlungen wie Thalia, Mayersche und andere entscheidet, hat zunächst einmal mehr Auswahl bei der Hardware.

In allen Fällen sind die elektronischen Bücher geschützt. Der Schutzmechanismus verhindert dabei genau das, was ich bei einem physikalischen Buch machen kann: verschenken, ausleihen, wieder verkaufen. Eigentlich, und in einigen Nutzungsbedingungen wird das so formuliert, erwirbt man nicht das Buch, sondern nur eine eingeschränkte, widerrufliche Nutzungslizenz. Bisher konnte ich damit gut leben, schließlich ist mir bewusst, worauf ich mich einlasse. Selbst wenn meine digitalen Bücher eines Tages in der Wolke verschwinden, wäre das keine Katastrophe. Bei einem Preis zwischen acht und 18 Euro muss man einfach die Relationen sehen. Ein Buch unterhält mich über mehr als zwei Stunden. Einen Film im Kino anzusehen, der rund zwei Stunden dauert, kostet mindestens acht Euro (plus Zuschläge). Rechnet man so, relativiert sich einiges.

Zurück aber zum Buch. Bei Amazon habe ich noch kein E-Book gekauft, würde das im Normalfall auch nicht tun. Mein E-Books kaufe ich entweder bei Apple oder aber online bei Thalia oder der Mayerschen. Das wird sich allerdings in Zukunft wohl ändern. Zumindest wenn der neu eingeführte „Kopierschutz“ DRM 3 Bestand haben wird. Mehrfach habe ich in den vergangene Tagen darüber gelesen, zum Beispiel bei e-book-news.de, welche Schwierigkeiten Nutzer mit DRM 3 haben. Schlimmer als die, sagen wir mal Startschwierigkeiten, dass es angeblich mit DRM 3 einen Rückkanal zu Adobe gibt. Damit ist jedes mit DRM 3 geschützte Buch eine potentielle Hintertür für die NSA — zumindest wird das behauptet.

Sofern DRM 3 nicht Anlass für die Buchbranche ist, künftig auf einen Kopierschutz zu verzichten, wie es bereits die Musikindustrie vorgemacht hat, wird zumindest bei mir DRM 3 ganz klare Konsequenzen haben. Ich werde vorerst ausschließlich bei Apple Bücher kaufen (oder eben die gedruckte Versionen). Onlinehändler wie Thalia und Mayersche, welche DRM 3 verwende, haben damit dann das Nachsehen. Zusätzlich denke ich ernsthaft über ein Kindle von Amazon nach. Bisher bin ich dem ausgewichen, aber das wäre dann notwendig, um das kleinere Angebot von Apple aufzufangen. Mit Sicherheit bin ich derzeit nicht der Einzige, der in diese Richtung denkt. Für den deutschen Markt mit digitalen Bücher wäre das extrem ungesund, wenn somit nur noch zwei Anbieter überbleiben

Buchhandel und Verlage in Deutschland sollten sich zusammen setzen und überlegen, wie sie sich die Zukunft des E-Books vorstellen. Das junge Medium leidet derzeit, aber es wird überleben. Die Frage ist nur, in welcher Form.

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