Lehramtsstudium in NRW — Folgen der Umstellung auf Bachelor und Master

Bis gestern Abend trug ich die Überzeugung vor mich her, die Lehramtsstudiengänge wäre durch die Umstellung auf einen Bachelor- und einen darauf aufbauenden Masterstudiengang aufgewertet worden. Als ich selber noch auf Lehramt studiert habe, gab es nur nach Abschluss des Studiums das erste Staatsexamen. Damals war eine der Forderungen aus der Fachschaft und dem Arbeitskreis Lehrerbildung, die Lehrerausbildung gleichzustellen mit den anderen Studiengängen. Nicht selten fühlte man sich als Lehramtsstudierender nach Studierender zweiter Klasse (bei Primarstufe: 3. Klasse).

Als ich zum ersten Mal von der Umstellung hörte, befand ich mich im Glauben, damit wäre unsere Forderung erfüllt. Gestern zerplatzte dann diese Illusion. Auf der Rückfahrt vom Büro zum Hauptbahnhof in Essen hörte ich in der U-Bahn ein Gespräch zwischen Studierenden mit. Aufregethema war genau diese Umstellung. Weghören ging da bei mir nicht mehr.

Soweit ich das gestern mitbekam, soll es wohl so sein, dass man erst nach dem Master einen Abschluss hat, der dem ersten Staatsexamen entspricht. Soweit ist das auch noch in Ordnung. Das Problem, so die Mitreisende, sei aber, dass nicht jeder der einen Bachelor hat, zum Masterstudiengang zugelassen wird. Ohne Master kein Zugang zur letzten Ausbildungsphase und dem Abschluss mit dem Staatsexamen, der einen zum unterrichten in der Schule berechtigt. Damit, so wurde ausgeführt, wäre der Bachelor im Lehramtsstudium völlig wertlos. Anders als zum Beispiel bei BWL kann man mit dem „Bachelor of Arts & Master of Education“ nichts anfangen und sich nirgendwo bewerben. Damit wären dann sechs Semester in den Sand gesetzt.

So ganz konnte und wollte ich das nicht glauben. Vor der Umstellung folgt nach dem Grundstudium automatisch der Wechsel ins Hauptstudium, selbstverständlich an der gleichen Universität. Jetzt sieht das tatsächlich anders aus:

Können alle, die einen lehramtsbezogenen Bachelor haben in einen Lehramts-Master-Studiengang wechseln?
Das hängt von den vorhandenen Kapazitäten und der Ausgestaltung der Bachelor-Studiengänge und -abschlüsse (einschließlich ihres berufsqualifizierenden Charakters) an den einzelnen Hochschulen ab. Hochschulen können ihre Bachelor-Studiengänge so gestalten, dass sie für Master-Studiengänge für verschiedene Lehrämter geeignet sind; das erhöht die Anschlussfähigkeit für die Absolventinnen und Absolventen. Unter Umständen müssen aber auch Wartezeiten oder Hochschulwechsel in Kauf genommen werden.
Quelle: Schulministerium NRW

Wartezeiten und Hochschulwechsel. Das ist mindestens bereits eine Verschlechterung. Für mich, der sich mit dem Thema Schule und Lehrerausbildung früher intensiv beschäftigt hat, stellt sich der Eindruck ein, dass in Bezug auf die Lehrerausbildung ein Experiment mit unbekannten Ausgang gestartet wurde. Ein Experiment, dass weder den künftigen Lehrer noch den Schülern zu Gute kommen wird.

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