Ich hab Freunde mitgebracht

Die Lebenskrisen von vier Freunde, alle im mittleren Alter. So was hört sich prinzipiell wie die Sorte Bücher an, welche ich in der Regel (oder auch im Regal) links liegen lasse. In diesem Fall war mein „Pech“ jedoch eine Leseprobe. Drei Jahre ist es nunmehr her, dass ich auf diese bei vorablesen.de stieß. Genauso lange dauerte es letztendlich auch, bis ich das Buch schließlich geschenkt bekam. Irgendwas ist ja immer, und oft schwanke ich bei Bücher zwischen U und E. Bei „Ich hab Freunde mitgebracht“ von Lucy Fricke fiel mir die Zuordnung schwer.

Direkt die ersten Sätze zogen mich jetzt, beim erneuten lesen, in den Bann.

„Wir müssten gleich da sein“, hörte sie Jon sagen, der seit Stunden nicht gesprochen, sich nur blutverschmiert auf der Rückbank gewunden hatte.
[…]
Essen hätte sie sollen, das wäre eine kluge Entscheidung gewesen, doch Betty füllte nur den Becher voll und ließ den Rum die Kehle runterrauschen. Sie trank eigentlich nie Rum, wusste nicht, wie diese Flasche in ihre Küche gelangt war, machte sich darüber nicht allzu viele Gedanken.
Auszug aus: Fricke, Lucy. „Ich habe Freunde mitgebracht.“

Gerade mal einen Tag dauerte es, bis ich mit den 192 Seiten fertig war. Man liest den Roman von Fricke in einem Rutsch. Allein ihr sprachliches Talent macht Freude, eine Wohltat nach so manch anderer Lektüre. Die Sprach ist es auch, die eine Sogkraft entwickelt und in eine Handlung reinzieht, von der man, siehe oben, eigentlich gar nichts wissen möchte.

Im Kern geht es um das Leben, scheitern, einen Hoffnungsschimmer, der Großes verspricht — und der Absturz danach, wenn sich die Hoffnung in Luft auflöst. Reduziert auf das Wesentliche erkennen die Figuren schließlich, was ihnen im Leben bleibt: die Freundschaft zueinander. Scheitern als Chance zur Selbsterkenntnis; dabei kommt diese Botschaft so leicht daher, dass man das Buch gar nicht anders als lieben kann.

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