Das letzte Rennen

Es gibt Situationen, in denen ist mir nach offenen und ehrlichen Worten. Selbst auf die Gefahr hin, missverstanden zu werden oder ordinär zu klingen. Sei es drum. Michael Schuhmacher geht mir am Arsch vorbei. Ganz ehrlich. Für das Ausmaß der derzeitigen Berichterstattung habe keinerlei Verständnis. Natürlich gibt es so etwas wie Mitgefühl. Selbstverständlich wünscht man Schumacher gute Besserung. Fakt ist aber, dass ein alternder ehemaliger ziemlich erfolgreicher Rennsportfahrer sich unnötig in Lebensgefahr begeben hat, als er abseits der ausgewiesenen Piste unterwegs war. Das Ergebnis ist bekannt.

Ein schwerer Sturz gegen einen Fels, geborstener Helm und Schädeltrauma. Zu berichten gäbe es aus meiner Sicht darüber wenig. Allein im Kölner Stadt-Anzeiger von heute wird darüber auf der zweiten Seite auf fast 2/3 der Fläche geschrieben. Über einen Rennfahrer, der nicht mal mehr in Deutschland lebt, weil er sich dafür zu schade ist, hierzulande Steuern zu zahlen.

Dagegen wurde in der selben Ausgabe vom KSTA in gerade einmal zwei Sätzen über den sich verschlechternden Gesundheitszustand von Ariel Scharon berichtet. Jeder mag selber beurteilen, wer von beiden, Schumacher oder Scharon relevanter für die Zeitgeschichte ist.

Besonders fragwürdig finde ich im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Schumacher die Rolle, die der Focus einnimmt. Insbesondere der Online-Auftrtitt des Magazins toppt alles an Berichterstattungen in den sonstigen Medien. Es gibt sogar ein Live-Ticker zu Schumacher, abgesehen davon dominiert die Berichterstattung über den Formal 1 Rennfahrer die gesamte Startseite — so was kennt man sonst nur von der Yellow Press.

Es gibt wirklich wichtiger Themen im neuen Jahr. So besoffen von den Feiertagen kann man eigentlich gar nicht sein, um nicht zu erkennen, wie deplatziert das Thema Schumacher ist. Unfall hin oder her, er ist, um es mal in Poltikersprache auszudrücken, alles andere als systemrelevant. Jeder, der wie ein Trittbrettfahrer auf den Themenzug springt, muss in seiner Absicht hinterfragt werden. Geht es um wirkliche Anteilnahme, die man auch in aller Stille der Familie Schumacher zukommen lassen könnte, oder aber um eine Instrumentalisierung von Schumacher für ganz andere Zwecke?

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