Kein Engel kein Schnee, Teil II

Kein Engel kein Schnee, Teil II

Sabrina Böttcher befand sich in dem einzigen Raum in Haus, der ihr ganz alleine gehörte. In dem sie nicht gestört wurde. Ihr würde sich auch weigern die Küche zu betreten, wenn sie dort mit einem Herzinfarkt auf den Fliesen liegen würde. In dieser Hinsicht glich er seinem Vater, denn die Schwiegermutter fand man genau hier in der Küche. Der Braten, den sie noch versucht hatte aus dem Ofen zu holen, lag auf dem Boden, der schwere Bräter hatte den Brustkorb eingedrückt und der ganze Bratensaft sich in der Küche verteilt. Sabrina erinnerte sich, es waren gut drei Jahren seit dem vergangen. Dem Schwiegervater hatte damals nur interessiert, wer jetzt die Küche putzen würde und vor allem, was denn mit dem Weihnachtsessen sei. Sie hielt es für ausgleichende Gerechtigkeit, dass er am zweiten Weihnachtsfeiertag auf dem spiegelglattten Bürgersteig ausgerutscht und seiner Frau gefolgt war.

Jörn hatte der Vorfall nachhaltig beeindruckt. Vor dem von den Schwiegereltern geerbten Haus musste fortan Leon, ihr Sohn, schon bei dem geringsten Schneefall für einen freien Gehweg sorgen. An Salz durfte dabei nicht gespart werden.

Sabrina drehte die Temperatur am Herd zurück, so dass die Rindfleischsuppe nur noch leise vor sich hin köchelte. Eine Küche, deren Einrichtung Sabrina verhasst war. Selbstverständlich bekam sie beim Einzug keine neue Küche, sondern sie musste mit dem Vorlieb nehmen, was zum Zeitpunkt, als ihre Schwiegermutter die Küche einbauen ließ, modern war. Modern, wie die marode Heizungsanlage oder die Fassade des Hauses, in dem sie freiwillig nicht eingezogen hätte.

Der Geruch der Suppe zog angenehm durch den Raum. Beim abschmecken stellte Sabrina fest, dass es noch etwas Salz bedurfte. In dem Moment, wo der Schrei ihres Mannes von draußen an ihre Ohren drang, ließ sie den Salzstreuer vor Schreck in den Topf fallen. Sie fürchtet, Leon und ihr Mann wären wieder aneinander geraten und er wäre bei dem Schrei kurz davor, seinen eigenen Sohn umzubringen. Mit Küchenschürze um und einem Geschirrhandtuch auf der linken Schulter stürzte sie ins Wohnzimmer und von dort aus durch die Terrassentür nach draußen.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren