Ey, Lisum — Insel der Dusseligen

Etwa ein halbes Jahr nach Kinostart erscheinen die meisten Filme auf DVD, Blueray und in den diversen Online-Leihportalen. Wenn man sich also nur etwas in Geduld übt, kann man den Film zu einem Bruchteil des Eintrittspreises sehen — ganz legal, versteht sich.

Man man dabei einwenden, dass zu Hause Sehenden das typische Kinofeeling fehlt. Also Person hinter einem, die mit den Füßen ständig gegen die Rückenlehne treten, Nachbar zur linken, die laut Popcorn essen und zur rechten, die im Kino nur deshalb sitzen, weil sie sich mal gerne wieder in Ruhe unterhalten wollen. Ganz zu schweigen von der Reihe vor einem, in der eine Gruppe Teenager die ganze Zeit über auf dem Smartphone herum tippt. Kleine Irrlichter, die den Blick nach unten statt nach oben zur Leinwand ziehen. So viel Geselligkeit muss einem schon mal 16 Euro für zwei Personen wert sein. Oder auch nicht.

Wie dem auch sei, bei meiner Frau und mir gibt es ein paar Gründe, warum wir es häufig nichts ins Kino schaffen — obwohl es mittlerweile extra für uns ein Seniorenkino in Köln gibt. Garderobe, Tapas statt Popcorn und ein paar weitere Annehmlichkeiten. Bei „Elysium“ waren wir gestern ganz froh, im Sommer nicht im Kino gewesen zu sein. Dunkel in Erinnerung hatte ich noch beim ausleihen auf dem Apple TV die positiven Kritiken. Entweder haben wir gestern Abend eine ganz andere Fassung gesehen oder aber der Film ist wirklich schlecht und wurde einfach nur gehypt.

Uns beiden hat Elysium nicht gefallen. Der Film entwickelt seinen gemächlichen Plot vergleichsweise langsam und hinterlässt am Ende einen schalen Beigeschmack. Ursache dafür sind die vielen Handwerklichen Fehler beim erzählen einer guten Geschichte. Alles ist vorhersehbar, schlimmer noch, manche Elemente im Film sind völlig sinnfrei. Die Handlung kann man soweit ganz gut bei Wikipedia nachlesen. Dabei stolpert man dann ausgerechnet darüber, dass von Regisseur Neill Blomkamp auch der hervorragende Film „District 9“ stammt. Den Vergleich dazu kann Elysium nicht standhalten.

Die Figur des Max DeCosta folgt dem klassischen Muster der Heldenreise. Am Ende erkennt er, welche Besondere Aufgabe im leben ihm von Beginn an zugedacht worden ist. Nett. Weniger nett ist sein Gegenspieler Kruger. Ein Antagonist sollte im Rahmen der Handlung eine Berechtigung haben und nicht wie in diesem Fall an den Haaren herbeigezogen werden. Man stelle sich eine Zivilisation vor, die in der Lage ist, einen Halo-Ring zu bauen, auf dem die Reichen im Elysium leben. Man hat Schildtechnologie für Personen, die Kugel abwehren. Medizinische Geräte, mit der jede Krankheit geheilt werden kann, Raumschiffe, Roboter. Und dann werden gefährliche illegale Einwandererschiffe von einem Undercover Agenten mit einer Art Stinger-Rakete abgeschossen, weil die riesige Raumstation anscheinend keine andere Form der Verteidigung hat. Im Film passiert das im ersten Drittel. Genau das war der Moment, wo ich ausgestiegen bin. Der Rest zog nur noch an mir vorbei und wurde zu Kenntnis genommen.

Die Figur des Krugers ist dermaßen lächerlich und unglaubwürdig, dass dadurch der gesamte Film ruiniert wird. Zudem lässt man ihn nicht mal in Ruhe tot sein, sondern an der Stelle, wo man als Zuschauer denkt, jetzt hat es ihn aber ordentlich und verdient erwischt, bekommt er wenig später eine zweite Chance, frisch renoviert und gefährlicher als vorher. So was fand ich schon bei den Endgegnern bei Final Fantasy regelmäßig zum kotzen.

Kommentar verfassen