Servicesturm über Deutschland

Quer durch den Amazonas-Dschungel, zu Fuß durch die Antarktis — die letzten großen Abenteuer liegen vor der Haustür. Vollbepackt über den Weihnachtsmarkt ist eine Herausforderung, der man sich einmal im Leben stellen sollte. Während die Einen die Reste von Xaver beseitigen, stürmen Andere die Geschäfte in den Innenstädten auf der Suche nach Geschenken. Wie jedes Jahr ist das Verkaufspersonal dem nicht gewachsen und greift auf bewährte deutsche Reaktionsmuster zurück: Unfreundlichkeit

In dieser Hinsicht waren die Erfahrungen am gestrigen Abend durchwachsen. Nach einem Halt zur obligatorischen ersten Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt am Dom in Köln ging es zuerst in die Nespresso Boutique. Zu den Traditionen im Hause Boley gehört es, sich zusammen ein gemeinsames Weihnachtsgeschenk zu gönnen. Etwas, von dem beide profitieren. In diesem Jahr fiel die Wahl auf die Aeroccino3, der Milchaufschäumer zu unserer neuen Espressomaschine. Wenn man schon mal im Laden ist, füllt man bei der Gelegenheit seinen Kapselvorrat auf. Wie auch bei ersten Mal hinterließ der Einkauf in der Nespresso Boutique Spuren bei uns. So und genau so, sollte Service sein. Man hat als Kunde das Gefühl eines besonderes Einkaufserlebnis. Daher zahlt man auch gerne etwas mehr für den Kaffee und vor allem, man kommt wieder. Solche Selbstverständlichkeiten haben sich aber längst nicht herumgesprochen im Einzelhandel.

Nächste Station, Ecco-Schugeschäft. Die positiven Erfahrungen im Rhein-Center wiederholten sich leider nicht in der Innenstadt. Es gibt einen feinen Unterschied zwischen freundlich-zuvorkommend und aufdringlich. Wenn ich nach Produkt X frage, möchte ich auch genau das. Und nicht noch zusätzlich einen neuen Gürtel oder, wenn ich gerade mit meinem neuen Portemonnaie bezahle, darauf hingewiesen werden, dass man auch schöne Portemonnaies im Angebot habe. Ein guter Verkäufer sollte auch drauf achten, wo der Kunde zuvor eingekauft hat. Wer mit einer größeren Tasche aus der Nespresso Boutique herein kommt — aber das kann jetzt jeder selber ausfüllen wie er mag. Zum Service gehört es meiner Meinung nach auch, sie von Kunden korrekt zu verabschieden und ihm nicht sofort nach dem bezahlen den Rücken zu zudrehen.

Tiefpunkt gestern jedoch war die zweite Chance. Dazu sollte man die Vorgeschichte kennen. Nach dem meine Frau und ich in Deutz bei Vapiano keine besonders tolle Erfahrungen bei unserem ersten Besuch gemacht hatten, war das Restaurant eigentlich für uns gestorben. Nach dem Kauf der Nespresso Pixie vor zwei Wochen gaben wir der neu eröffneten Filiale im Mediapark eine Chance (und Vapiono eine zweite). Wir waren positiv überrascht und sehr zufrieden. Nach dieser guten Erfahrung gaben wir unserem Herzen gestern einen Ruck und ging in die bento box, Breite Straße. Das was wir zuletzt bei Sushi essen im Agnesviertel dort erlebt hatten, hielt uns bisher von jedem weiteren Besuch ab.

Leider war es auch gestern Abend nicht wirklich gut. Allenfalls eine vier minus bekommt Personal und Service dort. Es fing schon damit an, dass wir uns an einen Tisch setzten, der erheblich wackelte. Nun, so was kann passieren, aber im Normalfall sollte man die Bedienung nicht extra darum zu bitten, für Abhilfe zu sorgen. Zumal bereits vorher andere Gäste am Tisch gesessen hatten. Und damit sind wir dann schon beim nächsten Problem. Ein freier Tisch sollte für den nächsten Gast vollständig freigeräumt und sauber gemacht werden. Das an unserem Tisch bis zum Schluss noch dreckige Servierten von den Vorgängern und ein völlig versifftes Platzset her lagen, ist keinesfalls in Ordnung. Entsprechend mein Hinweis beim bezahlen:

BEDIENUNG: Hat es geschmeckt?
ICH: Mit einem sauberen Tisch hätte es besser geschmeckt.

Was dann folgte, war eine halbherzige Entschuldigung, man wäre ja nicht mehr dran gekommen, denn wir hätten uns zu schnell gesetzt.
Abgesehen davon, dass vorher genügend Gelegenheit bestanden hatte, kann man auch den Gast höflich fragen. Das es genau so geht, merkt man zum Beispiel in Fast Food Restaurants wie Mc Donalds. Man kann über den Burger Bräter denken was man will, aber da wird zügig ein Platz sauber gemacht. Am Rande erwähnt sein noch eine weitere Kleinigkeit bei der bento box, die ich auch hasse. Eine Gastronomie verantwortungsbewusst zu führen, bedeute auch, nicht vor der Klotür halt zu machen. Die Toiletten im Restaurant sagen viel, sehr viel über den Rest des Betriebes aus. Wer es nicht mal schafft, einen Seifenspender regelmäßig aufzufüllen, ist auch wahrscheinlich in anderer Hinsicht nachlässig.

Man kann es gar nicht oft genug wiederholen. Nachlässigkeit im Service führt lediglich dazu, dass die Ware zurückkommt, nicht aber der Kunde. Für uns war es jetzt der definitive letzte Besuch bei bento box. Zudem ist es auch nicht so, als würde Köln unter einem Mangel an Alternativen leiden.

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