Tiefenentspannung mit Tatortreiniger

Die erste freie Woche. Nicht ganz, denn einerseits habe ich noch einen Brot & Butter Beruf und andererseits ist mein Krimi noch nicht zu Ende geschrieben. Ich lass es gerade zwar nicht schleifen, aber etwas lockerer angehen. Wenn man wie ein totes Kaninchen über dem Sofa hängt vor Erschöpfung, weiss man vermutlich warum.

Wenn man den Kopf dann etwas frei bekommt, kann man auch einen ersten Blick zurück auf den bisher geschrieben Text werfen. Auf die Liste der von mir am häufigsten verwendeten Wörter schaffen es auf jeden Fall „hatte“, „war“ und auf Platz eins „nicht“. Bei letzterem sollte ich auf jeden Fall künftig aufpassen und bereits beim schreiben andere Formulierungen wählen. Wobei, vielleicht bin auch zu anspruchsvoll. Nach einem wieder sehr spannenden Krimi einer Autorin aus Nippes, den ich regelrecht verschlungen habe, lese ich gerade ein extremes Gegenbeispiel. Aus dem Stoff hätte man mit Sicherheit mehr machen können. „Rassenwahn“ von Jörg Gutmann greift ein wichtiges Thema auf, scheitert aber auf ganzer Linie an sprachlichen Unzulänglichkeiten. Streckenweise liest sich der Krimi wie der erste, nicht überarbeitete Entwurf. Die Kunst, einen passenden Vergleich zu finden, beherrscht Gutmann leider nicht:

Ein Gedanke, schneller als der Neuronenbeschuss in einem Reaktor, fand Zugang zu seinem Bewusstsein. Hatte Vater nicht auch so eine Prothese bevor er starb?
Quelle: „Rassenwahn“ von Jörg Gutmann

An allen Ecken und Ende holpert es. Entspannen kann ich mich bei solcher Lektüre nicht, auch wenn die Beschreibung einer Autofahrt über eine halbe Seite schon sehr einschläfernd ist.

Abhilfe verschaffe ich mir mit einer kleinen Serie vom NDR, bei der ich nicht verstehen kann, warum ich sie mir bisher nicht (schon wieder ein nicht) angesehen habe. Dabei folge ich dem „Tatortreiniger“ sogar auf facebook. Bjarne Mädel füllt die Figur so gut mit Leben, dass es für mich ein Grund war, gestern Karten für eine Veranstaltung der lit.cologne 2014 mit ihm zu kaufen. Besonders gelungen sind auch die Dialoge.

Wie heisst das Zauberwort?
Trinkgeld.

In der Folge „Spuren“ (1. Staffel, Folge 2) geht es um einen Schriftsteller mit Schreibblockade — ich hatte Tränen in den Augen vor lachen. Die Kunst besteht beim Tatortreiniger darin, Dinge weg zu lassen, Redundanz zu vermeiden. Da macht es auch nichts, wenn eine Folge bereits nach 25 Minuten zu Ende ist. In der Zeit wird alles erzählt. Zurück bleibt das Gefühl, ein etwas sehr rundes gesehen zu haben, ganz ohne Neutronenbeschuss und quälende Autofahrten.

Kommentar verfassen