Weihnachten wie früher

Weihnachten wie früher

Weihnachten gehört für mich zu der Zeit im Jahr, wo ich mich auch gerne an Früher erinnere. Das besondere Gefühl, wenn man als Kind noch an das Christkind glaubt. Die Geschenke unter dem geschmückten Tannenbaum in Esszimmer, welches vorher für ein paar Tage zugesperrt wurde. Die Stunden am Heiligabend, die einfach nicht vergehen wollten. Warten vor zweiten Fernseher, der nur Schwarz-Weiß konnte.

Genauso wie der Heiligabend selber ist aber die Adventszeit bei mir mit starken Eindrücken verbunden. Die erste Stunde in der Grundschule mit Kerzenlicht. Weihnachtsschmuck basteln, für mich immer verbunden mit dem Geruch von Klebstoff (UHU) und der rot-goldenen Folie, aus der Mann dann Sterne machte. Spritzgebäck, auch fester Bestandteil. Es schmeckt eigentlich nur im Dezember richtig gut und auch nur dann, wenn es wirklich selber gemacht wurde. Von der Mutter oder der Oma.

Schnee gab es manchmal, manchmal auch nicht. Die Erinnerungen daran sind zwar vorhanden, aber eher blass. Ein paar Schlittenfahrten, verbotene Schneeballschlachten auf dem Schulhof, Schlittschuh laufen auf überfluteten und zugefrorenen Auewiesen. Dann gab es noch die Weihnachtsfeiern in der Schule, meisten am oder um den letzten Schultag vor den Ferien herum. Selbstverständlich auch in der Oberstufe ohne Glühwein.

Die ganze Erinnerungen versucht man, so gut und so lange es geht zu bewahren. Sich dieses besondere Gefühl zu erhalten. Je älter man wird, desto schwer gelingt es. Die eigenen Wünsche an das Christkind verändern sich. Aus den strahlenden Kinderaugen von damals sind erwachsene Augen mit abgeklärten, im schlimmsten Fall abgestumpften Blick geworden. Gegen die Nüchternheit versucht man mit billigem Glühwein anzukämpfen und weiss doch längst, dass es nicht gelingen kann.

Mit zunehmenden Alter werden die Geschenke praktisch. Es fehlt der besondere Moment, den man beim Spielzeug früher hatte. Lego, was zusammengebaut werden wollte. Man rettet sich und seine Erinnerungen in Ritualen. Hat eine festgelegte Menüreihenfolge über die Feiertage, eine bestimmte Art, den Baum zu schmücken oder die Krippe aufzustellen. Räuchermännchen in der Wohnung sollen einen in die richtige Stimmung bringen und der Schnee draußen wird immer wichtiger. Wenn es nur richtig kalt ist und ordentlich geschneit hat, dann ist Weihnachten. Dabei ist die Kälte längst woanders.

2 Replies to “Weihnachten wie früher”

  1. Und wenn es Menschen sind die diese Vergangenheit und das Weihnachtsgefühl ausgemacht haben und diese nicht mehr da sind dann hilft es, sich eben nicht an diesem ganzen Weihnachtsgetue zu beteiligen (oder nur so minimal wie es geht) um keine Wunden aufzureißen die eh nicht wirklich verheilen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren