Zeitverschiebung im NaNoWriMo

Während sich der November unaufhaltsam seinem Ende nähert, fallen auch die Temperaturen draußen. Der übliche Gang der Welt, keine Meldung wert, also weiter zum Tagesgeschäft. Aber halt, so einfach ist das für einen Autor im NaNoWriMo nicht. Insbesondere dann nicht, wenn man über eine ganz andere Jahreszeit als die aktuelle schreibt.

Bei meinen bisherigen NaNoWriMo-Romanen hatte ich es recht einfach in Bezug auf die Jahreszeit. Sie spielen alle im Herbst, was es im November noch recht gut möglich macht, sich nicht ganz so furchtbares Wetter vorzustellen. Mein dreijähriger „Eifelclub“ jedoch spielt Anfang der Sommerferien. Zu Beginn ist es recht warm. Kann man sich mit etwas Phantasie auch noch vorstellen. Richtig herausfordernd wird es allerdings, wenn man eine Szene schreibt, die in einem Freibad spielt während einem selber gerade die Füße abfrieren. Mein Vorstellungsvermögen erreicht die Grenze, als es darum ging, sich halbnackte sonnengebräunte Körper vorzustellen. Einfach geht es wohl, wenn man bei so was den nächsten Flieger irgendwo hin nimmt, wo tatsächlich dies Sonne vom Himmel knallt.

Allerdings fehlt dann garantiert das restliche Setting. Unter Palmen sieht man nicht nur auf dem Display des iPads wenig, sondern ist auch in einer ganz anderen Stimmung, als wenn man in Köln wäre. Möglicherweise strenge ich mich einfach nicht genügend an. Mag sein, aber in diesem besonderen Fall lag es nicht ausschließlich am Wetter. Abends im Zug sitzend musste ich mich in die Perspektive eines Spanners hineinversetzen, der im Freibad eine Gruppe Mädchen beobachtet. Dabei als Autor selber das Gefühl zu haben, in einem übervollen ICE selber beobachtet zu werden, gehört eher weniger zu den angenehmen Dingen. Das volle Freibad konnte ich mir noch ganz gut vorstellen. Auch die Rempelei vor der Kasse.

Manchmal frage ich mich, der beinah 80 Prozent seines Krimis bisher im Zug geschrieben hat, was die Mitreisenden von einem denken, wenn sie zufällig Sätze auf dem Display aufschnappen. Man trägt schließlich kein Schild um den Hals „Bin harmlos, schreibe nur Krimis“. Spannend wäre es insbesondere, wenn man seinen Unmut über einen Sitznachbarn, der sich besonders breit macht, freien Lauf lässt und den Kerl in einer Szene fachgerecht zersägen lässt — und das im vollen Bewusstsein, die Textgröße so eingestellt zu haben, dass es auch wirklich für Halbblinde lesbar ist.

Wo war ich gleich noch mal? Ach ja, beim Wetter, wo sonst. Es soll Autoren geben, die im Hochsommer über einen Wanderung im tiefen Schnee schreiben können. Einfach finde ich es, wenn es wirklich kalt ist.

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