An jenem verdammten Sonntag

Der dritten Sonntag in diesem November. Diesmal mit einem leicht anderen Ablauf meines Tages. Statt mich mit den anderen Schreibenden zu treffen, war ich heute auf dem Herbstempfang meines Ortsvereins. Mit dabei das Kabarett von A bis Z. Die ganzen zwei Jahre über, in denen meine Frau und ich im Agnesviertel in ziemlicher Nähe zum Kabarett von A bis Z haben wir es nie geschafft, uns auch nur ein einziges Mal dort eine Aufführung anzusehen. Jetzt weiß ich zumindest, welche Art von Humor mir gefällt und welche nicht.

Wie dem auch sei, mein Hauptproblem heute ist der NaNoWriMo, beziehungsweise die Arbeit an meinem Wordcount. Zweit Tomaten (ich bin ein Anhänger der Pomodoro-Technik) habe ich bereits geschafft, zwei muss ich noch, um zumindest das Tagesziel zu erreichen. An den vergangen Sonntagen um diese Uhrzeit konnte ich mich bereits entspannt zurück lehnen und den zweiten oder dritten großen Milchkaffee genießen. Statt dessen habe ich eben durch die Wohnung gesaugt. Musste auch mal sein. Etwas Haushaltsarbeit zählt auch im NaNoWriMo nicht als Prokrastination, sondern will einfach erledigt werden. Es lässt sich auch einfacher Arbeiten, wenn man nicht im eigenen Dreck erstickt.

Damit können wir mit Holzhammer überleiten zu einem wie ich finde leicht gruseligen Erlebnis heute von mir. Mag sein, dass ich komplett falsch liege, aber wenn man sich bereits seit 17 Tagen damit beschäftigt, einen Krimi zu schreiben, läuft die Phantasie auf Hochtouren. Auf dem Weg heute morgen zur U-Bahn bin ich quer durch Nippes gelaufen. Die übliche Strecke zur Haltestelle Florastraße. Sie führt mich vorbei an der Kaffeerösterei Kaffeebaum, in der wir des öfteren Kaffee einkaufen. Kurz vor dem Geschäft blickte ich auf die Fenster einer Wohnung im Erdgeschoss. An den Scheiben tummelten sich dicke Schmeißfliegen. Im Sommer hätte ich mir dabei nichts gedacht. Bei den aktuellen Außentemperaturen jedoch gibt es nur wenige Gründe, warum sich die Fliegen in der Wohnung befinden. In Köln gibt es viele alleinstehende ältere Menschen.

Lassen wir das. Für das Schreiben ist so was immer ein gefundenes Fressen. Man nimmt als Autor so was auf wie ein Schwamm, speichert es um es zu einem späteren Zeitpunkt verfremdet wieder zu geben. Das als Szene angereichert und in die Richtung ausgebaut, die ich mir vorstelle, macht mindestens 500 Wörter mehr. Makaber, aber was soll es. Schließlich schreibe ich keine Liebesromane.

Ableiten für alle angehenden Autoren (und damit bekommt dieser Beitrag so etwas wie Allgemeingültigkeit) lässt sich daraus die Aufforderung, seine Umwelt genau zu betrachten, Augen und Ohren ständig offen zu halten — und auf jeden Fall immer etwas dabei zu haben, womit man sich Ideen notieren kann. Sensibilisiert für das, was um einen herum passiert, stößt man dabei auf Sachen, die man selbst mittels Google nie erfahren hätte. Weil es einem gar nicht in den Sinn gekommen wäre, da nach zu suchen. Hand hoch, wer wusste, dass man nach einer Schwangerschaft durchaus mal längere Zeit ohne Geruchssinn dastehen kann. Ich hätte es nicht gewusst.

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