Benzin im künstlichen Hafen

Von wegen, der Geist war willig, aber das Fleisch war schwach. Gestern hatte ich nicht nur den Vorsatz gefasst, lokal zu kaufen, sondern war auch dabei, dies in die Tat umzusetzen — eigentlich.

Aber der Reihe nach. Nach dem Update meines Mac minis auf Mavericks arbeitet sich mit dem Rechner gefühlt langsamer. Wobei ich nach wie vor die gleichen Applikationen geöffnet habe und sich mein Worklflow auch in keinster Weise geändert hat. Mein Eindruck gerade im Hinblick auf Apple Mail wird auch von anderen Usern geteilt. Irgendwas ist faul im Staate Cupertino. Sekundenlang nach dem Öffnen einer reinen Text-E-Mail auf deren Anzeige zu warten, ist alles andere als normal. Vorher war das anders.

Das meine kleine Alu-Dose mit 5 GB Speicher möglicherweise etwas zu knapp bestückt ist, war mir eigentlich schon von Anfang an klar. Groß beeinträchtigt hat mich das bis zum Update auf Mavericks nie. Nach ein paar Tagen und Versuchen, so wie früher mit dem Rechner zu arbeiten, reifte daher der Entschluss, endlich den Speicher aufzurüsten. So teuer kann das ja nicht sein, schließlich habe ich vor etwas mehr als einem Jahr 20 Euro für 4 GB bezahlt — dachte ich.

In der Absicht, eben nicht über das Internet und bei einen Versandhändler zu bestellen, der Arbeitsplätze zur Umgehung von Mindestlöhnen nach Osteuropa verlagert, nahm ich mir gestern vor, Händler vor Ort in Köln aufzusuchen. Dabei würde ich Attribute wie „kompetent“ und ähnliches im Zusammenhang mit Saturn oder MediaMarkt vermeiden. Beide sind meiner Ansicht nach keine wirklichen Fachhändler. Aber sie haben Filialen vor Ort und zahlen, zumindest soweit mir bekannt ist, artig ihre Steuern.

Den Speicher fand ich dort leider nicht, hatte aber schon mal eine ungefähre Vorstellung vom zu zahlenden Preis. Etwas über 30 Euro müsste ich schon investieren. Kann ich auch nachvollziehen. Üblicherweise breche ich auch nicht Gejammer, früher wäre alles günstiger aus — denn früher ist vergangen und vor allem war ich dort als Angestellter auch günstiger.

Eine Chance wollte ich der Sache noch geben. Trotz Nachwirkungen der Erkältung lief ich noch mal zur Ehrenstraße um dort bei einem Händler nach dem Speicher zu fragen. Ganz bewusst entschied ich mich gegen die grüne Apotheke, denn das es dort teurer sein würde, ahnte ich schon.

Im Laden, den ich dann aufsuchte, konnte man mir dann tatsächlich weiterhelfen. Allerdings erst, nach dem ich haargenau gesagt hatte, was ich wollte. Das ganze Sprüchlein: PC3-10600 Arbeitsspeicher 4 GB (SO-DIMM, 204-polig 1333 MHz) DDR3 RAM — Luft holen nicht vergessen. Die Angabe von „für einen Mac mini Mitte 2011“ reichte dem Verkäufer nicht. So viel also schon mal zum Thema Fachhandel.

Kingston Value RAM (besonders hochwertig, wie der Verkäufer bemerkte) sei noch vorrätig. Zu einem Preis von 44,95 Euro. Das erschien mir dann doch etwas zu teuer, worauf hin ich meinte, das ich vor etwas über einem Jahr 20 Euro dafür bezahlt habe (gut das war eben nicht „Value“-Ram sondern „One“ von Saturn, der tadellos seine Dienste verrichtet).

Den Preisunterschied hätte man mir vernünftig erklären können. Da mir niemand als Kind mehrfach eine Dachlatte auf den Kopf gehauen hat, hätte ich das sogar verstanden, akzeptiert und mit hoher Wahrscheinlichkeit den Speicher auch gekauft, denn schließlich wollte ich ihn haben.

Es mischte sich aber der „Storemanger“ oder was auch immer ein, und meinte mit einem frechen, belehrenden Unterton, „das sei wie bei Benzin, da würde der Preis auch immer steigen“. Lasen wir das mal mit den Ferien außer acht, denn am liebsten hätte ich ihm geantwortet, dass ich in diesem Fall in einer Woche, nach den Herbstferien wieder kommen würden. Denn dann müsste nach seiner Logik der Preis wieder gefallen sein. Nein, auf so ein Niveau wollte ich mich nicht begeben. Nach dem ich noch mal mit Nachdruck zum Ausdruck brachte, dass mir das zu teuer sei und ich entsprechend keinen Speicher kaufen würde, verließ ich den Laden wieder. Im Rücken spürte ich dann, welche Wertschätzung das Personal Kunden entgegenbringt, die kein Geld in der Kasse lassen.

Eine Stunde später zu Hause bestellte ich dann genau den gleichen Speicher, also Kingston ValueRAM PC3-10600…(Schnick Schnack) bei amazon. Bedenken hin oder her, bei einem Preisunterschied von mehr als 10 Euro fällt es mir leicht, über meine eigenen Vorsätze zu springen. Besonders dann, wenn man vorher die Kundenbetreuung vor Ort genießen durfte.

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