Messen in Essen zum vergessen

Auf „Essen“ lässt sich wunderbar reimen. In Essen liegt nicht nur mein Arbeitsplatz an den Homeoffice-freien Tagen, sondern dort findet auch jährlich die weltweit größte Messe für Brett- und Gesellschaftsspiel statt. Warum das so ist und die Messe ausgerechnet in Essen stattfindet, konnte ich mir noch nie erklären. Jedenfalls, um genau die Messe findet derzeit wieder statt. Wo dürfte klar sein.

romolo-2013

Auf der „Internationale Spieltage SPIEL„, wie die Veranstaltung offiziell (ergänzt durch eine Millenium Bug konforme Zeitangabe) bin ich nahezu jedes Jahr. Gut, es gab mal ein paar Jahre Pause, auch bin ich nicht mehr früher an allen Publikumstagen dort, aber zumindest ein Tag gönnen ich mir. Die SPIEL ist einfach anders als die Messen, die man sonst so kennt. Anders ist auch das Stichwort in diesem Jahr.

Bisher fand die SPIEL immer in den gleichen Hallen der Messe Essen statt. Die Aufteilung der Fläche für die Aussteller war auch immer ähnlich, so dass man als regelmäßiger Besucher zielsicher durch die Hallen laufen konnte. Derzeit wird jedoch die Messe umgebaut, so dass die SPIEL verlegt wurde. Das durften dann auch zahlreiche Besucher feststellen, die gewohnt aus der U 11 an der Haltestelle Messe/Ost ausstiegen und dann zu Fuß zwei Stationen weiter Richtung Messe/Süd laufen mussten — wobei so ein Fußmarsch einigen stark übergewichtigen Spielern sicher gut getan hat.

Wie dem auch sei, meine Frau und ich sind nicht mit der U 11 gefahren, denn wir können dem „Sardinen in der Dose“ Gefühl nicht besonders viel abgewinnen. In der 107 ist es schon leer gewesen und wenn man etwas Vertrauen in seine Orientierungsfähigkeit hat, kommt man auch von der Haltestelle Florastraße zum Messegelände. Nur sollte man an der richtigen Florastraße aussteigen, denn von Nippes nach Essen zu Messe wäre es doch etwas zu weit.

Positiv in diesem Jahr fand ich die Möglichkeit, mir die Tickets bequem zu Hause ausdrucken zu können. Das ging direkt über die Messe Essen. Damit ersparte ich mir den Weg über Eventime, deren Tickets nicht nur teurer sind, sondern auch noch per Post verschickt werden. Rein gekommen sind wir mit diesem Ticket, mussten uns aber zweimal anstellen, da man nicht jeder Mitarbeiter am Einlass über ein Gerät zum scannen der Tickets verfügte. Selbstverständlich hielt man es nicht für nötig, das mit Schild vorab deutlich zu machen. Aber sei es drum, drin ist drin.

Drin war trotz des längeren Ansehens diesmal auch ungewohnt früh, nämlich um 10 vor 10. Sonst wurde immer peinlich genau drauf geachtet, keinen Besucher vor 10 Uhr in die heiligen Hallen zu lassen. Von denen standen diesmal nur drei zur Verfügung. Angeblich mehr Fläche, dennoch gefühlt kleiner. Und ungewohnter (Wort des Tages). Die bereits vorhanden Orientierung nützte diesmal nichts. Stände mit Gebraucht-Spielen zwischen Ausstellern und Händlern, merkwürdige Lichtverhältnisse und meiner Meinung nach doppelt so viele Fressstände.

Das schlimmste jedoch war das Gedränge. So viele Besucher am ersten Tag sind mir nicht in Erinnerung. Das gefühlte Gedränge kann jedoch an der schlechteren Verteilung der Menschen auf weniger Hallen liegen. Oder an engen Gängen. Oder an den Herbstferien in Nordrhein-Westfalen. Jedenfalls versetzte das meiner Laune bereits zu Beginn einen gehörigen Dämpfer. Aus dem Strom retteten meine Frau und ich uns kurz nach vor 10 in Halle 1 an den Stand von giochix, einem italienischen Spieleverlag. Frisch aus der Folie wurden für uns Stühle ausgepackt und aufgestellt. Wir saßen dann mit zwei weiteren Spielern aus den Niederlanden an einem Tisch und ließen uns von einem Deutschen auf englisch die Spielregeln erklären. Wie gesagt, es sind die internationalen Spieletage.

Mit dem Spiel, Romolo o Remo, verbrachten wir dann den gesamten Vormittag. Dabei hat es uns so gut gefallen, dass es samt Erweiterung mit nach Hause nahmen. Nach dem durchpflügen durch Halle 2, Rollenspiele, weniger interessant, strandet wir in Halle 3. Dort versuchten wir, erstmal die Toiletten zu finden. Von denen standen weniger zur Verfügung, was dazu führte, dass auch ich als Mann mich anstellen musste. Einer der selten Momente im Leben. Nach der anschließenden Verzehrpause ging es zu Pegasus, um „Die Zwerge“ zu spielen, in der feste Absicht, das kooperative Spiel zu kaufen. Die Runde in der wir spielten, war zwar lustig und erfolgreich, jedoch zeigten sich ein paar Schwächen am Spiel. Die Bindung an das Buch führt zu einem komischen Gefühl gegen Ende, wenn alle Spielfiguren auf magischen Weise zu Ort des Showdowns teleportiert werden.

Besonders viel Zeit blieb dann nicht mehr, so dass wir mehr oder weniger im Schnelldurchlauf den Rest versuchten uns anzusehen und gleichzeitig bemüht waren, meine Liste mit interessanten Spielen abzuarbeiten. Diese Liste führte uns dann auch zu Qwixx, einem Spiel, welches auch auf der Nominierungsliste für den Spielpreis 2013 gestanden hatte. Fazit nach 15 Minuten: kurzweiliges Würfelspiel, gekauft samt Ersatzblöcke.

Kurz vor Ende der Öffnungszeit machten wir uns wieder auf dem Weg zur Linie 107, um damit zum Bahnhof und Richtung Köln zu fahren. Den Kopf voller Eindrücke und der Hoffnung, dass die SPIEL nächste Jahr wieder in den gewohnten Hallen stattfindet. Alternativ kam uns noch die Idee, den Veranstaltungsort zu wechseln. Köln hat schon die games.com da würde die SPIEL auch gut ins Messe-Profolio passen. Außerdem könnten wir dann auf Grund der Nähe an allen Tagen auf der SPIEL sein.

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