Ein Zug nach Nirgendwo

Es gibt Momente, wo mir im Zusammenhang mit dem Kölner Stadt-Anzeiger nur der Begriff „süß“ einfällt. Zum Beispiel heute beim lesen der ersten Seite, der Bericht über die Deutsche Bahn. Wieder einmal seien Bahnhöfe übersehen worden. So sei ein ICE einfach an Gütersloh vorbeigefahren, obwohl er dort einen planmäßigen Halt habe. Lieber Stadt-Anzeiger, wenn ihr wie ich Gütersloh kennen würdet, könntet ihr den Lokführer verstehen. Gütersloh ist wirklich keine Stadt, wo man gerne halt macht, obwohl dort Miele und Bertelsmann samt Arvato ihren Sitz haben. Gütersloh liegt in Ostwestfalen und als Redakteure einer rheinländischen Stadt wie Köln sollte man wissen, was es mit dem Landstrich besonderes auf sich hat.

Von außen betrachtet wird aus dem angeblichen Skandal, den die Neue Westfälische aufgedeckt hat, reine Notwehr — ich weiß wo von ich spreche, schließlich musste ich 18 Jahre in Bielefeld, 15 Kilometer hinter Gütersloh, leben.

Auf der gleichen Seite der heute Ausgabe des KSTA wird berichtet, in Nordrhein-Westfalen gäbe es zu wenig Lehrer. Statt irgendwelcher Studien heranzuziehen brauche ich einfach nur jemanden zu fragen, der sich auskennt. Meine Frau zum Beispiel, denn die ist Lehrerin. Was sie so erzählt, ergibt ein erheblich differenzierteres Bild. Bei Deutschlehrer besteht zum Beispiel kein Mangel, im Gegenteil. Das wäre schon eine richtige Schwemme. Bei den naturwissenschaftlichen Fächern sieht es dagegen anders aus, was aber niemanden wundern sollte. Gleichzeitig wird die Hürde für einen Quereinstieg ins Lehramt so hoch gesetzt, dass man schon erhebliche Motivation aufbringen muss, um die Prozedur über sich ergehen zu lassen. Naturwissenschaftler finden einen besseren, und besser bezahlt Job in der freien Wirtschaft.

Wer meint, Lehrer hätten es doch gut und würden auf hohem Niveau jammern – ich kann gerne einen Gesprächstermin mit meiner Frau vereinbaren. Bei einem 25 Stunden-Tag wird das allerdings etwas dauern. Beim Thema Schule fällt mir gerade im Herbst noch etwas anderes ein. Herbst ist auch die Zeit, in der Erkältung und Grippe kursieren. Bester Ort für die Verbreitung ist unter anderem die Schule. Im Magazin des KSTA Anfang der Woche wurde als Tipp gerade für Schüler empfohlen, sich regelmäßig mit Seife richtig die Hände zu waschen. Wieder ein „süß“ meinerseits. An vielen Schulen fehlt nämlich die Seife auf den Schülerklos, weil dafür kein Geld da ist. Missstände fallen dann ins Auge, wenn man einfach mal Leute vor Ort fragt.

Die Mängel im Bildungssystem wirken sich auch an anderer Stelle aus. Es fehlen in NRW nicht nur Lehrern, sondern auch Polizisten. Die CDU im Land fordert daher, auch Realschüler für den Polizeidienst zuzulassen. Konsequenter wäre es jedoch, auch Hauptschüler einzustellen. Schließlich können die mit Erfahrungen im Umgang mit der Zielgruppe im Bereich Kriminalitätsbekämpfung punkten.

Gut, das war jetzt wirklich gemein und unfair. Vielleicht ließen sich die Probleme beim Polizei- und Lehrernachwuchs auch auf anderer Art und Weise lösen. Vorreiter ist hier der Kölner Zoo, der die Nachwuchssorgen bei Tigern durch Inzucht gelöst hat. Übertagen wäre das, wenn Polizisten mit Polizistinnen und Lehrerinnen mit Lehrern — wir müssen das nicht weiter ausführen an dieser Stelle. Das Lehrer gerne unter sich bleiben, ist ein offenes Geheimnis.

Wenn in naher Zukunft weniger Lehrer und Polizisten in NRW beschäftigt sind, werden die Züge möglicherweise sogar noch an ganz anderen Bahnhöfen einfach durchfahren. Zur Verbesserung der Sicherheit für Personal und Reisende, die so effektive vor dummen Kriminellen geschützt werden.

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