Auf eine Zigarette mit Barlach

Ein kurzes innehalten beim lesen der Schlagzeile „Nordisch, gespenstisch, hexensüchtig“ im Kölner Stadt-Anzeiger. Ein Artikel zum 75, Todestag des Bildhauers Ernst Barlach. Wundern aus zwei Gründen. Zum einen, weil der Todestag erst diesen Donnerstag ist. Zum anderen aber deshalb, weil mir der Name nicht unbekannt ist.

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Ein Buch aus der Schulzeit, „Sansibar oder der letzte Grund“ von Alfred Andersch. Ankerpunkt der Handlung ist die Skulptur „Lesender Klosterschüler“ von Barlach. Zur Veranschaulichung bekamen wir damals ein kopiertes Bild der Skulptur von unserem Deutschlehrer. Mehr noch als die Romanhandlung hatte mich dieses Bild gefangen. Die Linienführung, die Klarheit — einfach alles sprach mich an. Über die Zeit hinweg habe ich dann Barlach wieder vergessen. Bis ich dann nach meinem Umzug nach Köln erneut auf ihn stieß. In der Kölner Antoniterkirche gibt es die Skulptur „Schwebender Engel“. Zu meiner Schande muss ich gestehen, bisher dort noch nicht gewesen zu sein. Etwas, was ich in den Herbstferien nachholen sollte.

Dabei fällt mir auch ein, dass ich evangelisch bin. Im Zusammenhang mit der Affäre um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst sicher keine schlechte Position. Der hatte angeblich in Rom eine „sehr ermutigende Begegnung“ mit dem Papst. Selbstverständlich sind noch keine Inhaltes des 20-minütigen Gesprächs durchgesickert, daher kann man nur darüber spekulieren, wozu er ermutigt wurde. Zum Amtsverzicht? Zum weitermachen? Wie dem auch sei, die Gelegenheit, austretende Katholiken zu ermutigen, bei uns einzutreten. Protestantismus ist anders verortet.

Meinen Standpunkt bestimmt allerdings auch mein iPhone. Ganz nebenbei und völlig ungefragt, wie ich heute feststellen musste. „Derzeit beträgt die Fahrtzeit für die Strecke nach Essen 57 Minuten.“ Mein Smartphone zeichnet im Hintergrund auf, ohne das ich etwas davon mitbekommen. Und dabei zähle ich mich schon zu den technikaffinen Menschen, die auch die Funktionen ihrer Geräte kennen. Die wie bei t3n und heise beschriebene Aufenthaltsorte-Funktion kannte ich jedoch nicht. Das sich die Option zum Ausschalten in den Tiefen der Systemeinstellungen versteckt, kann ich mittlerweile bestätigen. Otto-Normalnutzer wird dorthin wohl nicht gelangen. Daher bietet das iPhone im weiterhin einen „Service“ den er möglicherweise gar nicht möchte.

Ob die Daten wirklich nur auf dem iPhone gespeichert werden, bezweifle ich stark. Mein iPhone kennt die Länge der Strecke nur, weil die Daten woanders verarbeitet wurden. Für einen Unrechtsstaat wäre die Art der Datensammlung wie ein Schlaraffenland. Ins hungrige Maul der Datenkrake fliegen die Informationshäppchen von ganz alleine. Der letzte Grund, über die eigene Gadgets und sein Netzverhalten nachzudenken.

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