Das Hohelied des Exposé

Angehende Autoren sollte sich auf jeden Fall mit dem Thema Exposé auseinandersetzen. Exposé? Nur kurz gibt Wikipedia einen Eindruck davon, was damit gemeint ist. Bei näherer Beschäftigung, zum Beispiel über entsprechende Büchern, stößt man auf eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen, bis am Ende nur noch ein riesiges Fragezeichen über bleibt.

In der zweiten Annäherungsphase an das Exposé wird eine Metamorphose durchlaufen. Unwissenheit weicht Angst und Panik. Schließlich fängt man an, bewusst oder unbewusst das Exposé zu hassen, es als Blödsinn abzutun. Die häufigste Meinung bei angehenden Autoren ist die, dass ein Exposé erst dann nötig sei, wenn man sein Manuskript an einen Verlag schickt. Genau damit liegt man jedoch falsch.

Ein Exposé ist keine lästige Pflicht am Ende des Schreibprozesses, sondern im Gegenteil. Das Exposé steht am Anfang und hilft dem Autor dabei, seine Geschichte überhaupt erst strukturiert schreiben zu können. Durch das Exposé gliedert man die zu Grunde liegende Idee und gewinnt vor dem ersten Satz seines Romans einen Eindruck davon, was einen als Autor erwartet. Man kann sich ein Exposé auch wie die einem IKEA-Regal beiliegenden Anleitung vorstellen. Ohne dauert der Aufbau länger und man wird das Gefühl nicht los, irgendwas falsch gemacht oder vergessen zu haben.

Grau ist alle Theorie. Soviel es auch über das Exposé zu lesen gibt, richtig hilfreich ist nur die Praxis. Für mich war der Moment, als endlich Licht ins Dunkel braucht in meinem Fall das Krimiseminar von Myriane Angelowski. Satt eines ausführlichen Exposé ging es dort unter anderem um das so genannte 4-Satz-Exposé: Ein solches umfasst nur vier Sätze, die folgendes beinhalten:

  1. Satz: Anfang der Geschichte
  2. Satz: Plot-Satz
  3. Satz: Plot-Satz oder schon Schlusssatz einläuten
  4. Satz: Schlusssatz

Verdeutlichen lässt sich das an einem konkreten Beispiel. Wiederum bei Wikipedia findet man die Zusammenfassung von Star Trek Into Darkness. Viel Text, um die Handlung zu beschreiben. Daraus kann man ein 4-Satz-Exposé machen:

1: Bei einer Mission auf einem wenig zivilisierten Planten setzt sich Kapitän Kirk über die oberste Direktive der Föderation hinweg und rettet Spock das Leben, woraufhin Kirk bei seiner Rückkehr zur Erde des Kommandos über die Enterprise enthoben wird.

2: Nach einem Anschlag auf die Admiralität der Sternenflotte durch John Harrison erhält Kirk von Admiral Marcus den Auftrag, den Attentäter zur Strecke zu bringen und bekommt dafür kommissarisch die Befehlsgewalt über die Enterprise zurück.

3: John Harrison enthüllt seine wahre Identität, nach dem Admiral Marcus mit einem neuartigen Raumschiff die Enterprise angreift um einen Krieg mit den Klingonen anzuzetteln.

4: Kirk rettet die abstürzende Enterprise unter Einsatz seines Lebens, wird aber durch eine Bluttransfusion mit dem Übermenschen Kahn alias John Harrison wiederbelebt und erhält das vollständige Kommando über die Enterprise zurück für eine Fünf-Jahres-Mission in die Tiefen des Weltraums.

Für die Planung des eigenen Romans ist so was enorm hilfreich. Meinen diesjährigen NaNoWriMo werden ich mit einem 4-Satz-Exposé und dem sich daraus ableitenden Stufendiagramm (ein Thema für sich) bestreiten.

Aus der eigenen Erfahrung noch eine kleine Wahrung. Die vier Sätze für sein eigenes Exposé schreibt man nicht einfach so runter. Mitunter benötigt man für diese grade mal vier Sätze mehrere Stunden. Schlimm ist das nicht. Es wie in der Küche, wenn man sich an einer Reduktion versucht. Und genau das ist eben auch ein 4-Satz-Exposé. Reduktion auf das Wesentliche.

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