Baden im Rhein

Wenn mir früher als Kind Dinge verboten wurden, dann geschah das aus unterschiedlichen Gründen. Zum eigenen Schutz, weil die Eltern gerade keine Lust hatten, für etwas Geld auszugeben oder aber weil das letzte Stück Kuchen für die Oma sein sollte. Jedenfalls so ähnlich. Anders gesagt war nicht alles, was verboten war, potentiell gefährlich. Umkehrt hätten meine Eltern mir nie Dinge erlaubt, die gefährlich gewesen wären. Auch wenn das damals vielleicht aus meiner Sicht langweilig war, hat es doch rückblickend auf jeden Fall das Schlimmste verhindert.

In Köln ist an vielen Stellen das Baden im Rhein erlaubt, was aber keineswegs bedeutet, dies wäre ungefährlich. Baden im Rhein erfolgt daher auf eigenes Risiko. Nur an einigen Stellen ist es, wie der Kölner Stadt-Anzeiger in seiner Ausgabe vom vergangen Freitag berichtete, expliziert verboten. Das führte in der Vergangenheit immer wieder zu tragischen Unfällen.

Eine Fahrradfahrt am gestrigen Sonntag Abend entlang des Rheins in Niehl. Zahlreiche Familien am Ufer, Kinder und Erwachsene im Wasser, kein besonders großer Abstand zur Fahrrinne, nicht mal eine Buhne oder Sandback dazwischen. Trotz der sommerlichen Grade läuft es mir bei solchen Anblicken kalt den Rücken runter. Es kommt einem Wunder gleich, dass nicht noch mehr passiert. Mit Strömung die von einem Gewässer wie dem Rhein ausgehen, ist grundsätzlich nicht zu spaßen.

Was ich dabei einfach nicht verstehen will, ist die fehlen Einsicht der Menschen für die Gefahr, der sie nicht nur sich, sondern auch ihre Kinder aussetzen. Insbesondere dann, wenn sie,wie der in der letzten Wochen verunglückte 23-Jährige, nicht schwimmen können. Selbst an Stellen, an denen der Rhein scheinbar harmlos wirkt, setzt man sich auch als geübter Schwimmer einem hohen Risiko aus.

Unverständlich ist mir hier auch die Kölner Mentalität. Früher in Wesel ist niemand, wirklich niemand auf die Idee gekommen im Rhein baden oder schwimmen zu gehen. Jetzt ließe sich einwenden, dass dies mit der angenommen Verschmutzung des Flusses zusammenhing. Aber auch schon damals wurde im Rhein gebadet – in Kön. Von Wesel aus gesehen war der Rhein stromaufwärts nicht unbedingt sauberer. Unsere Eltern verboten uns das Baden im Rhein. Gleichzeitig gab es in meiner Klasse niemanden, der nicht schwimmen konnte. Für mich ist es undenkbar, nicht schwimmen zu können. So was sollte man spätestens in der Grundschule genau so lernen wie das Lesen.

Man brauchte uns auch bei, welche Tücken in stehenden und fließenden Gewässern lauern können. Neben dem bereits erwähnten Rhein gibt es in Wesel und Umgebung eine Baggerseen. Unterschiedliche Temperaturen in den Wasserschichten, sind genauso wenig harmlos wie mangelnde klare Sicht. Zu weites rausschwimmen, weit entfernt vom Ufer, ein plötzlicher Krampf – so was blieb im Hinterkopf.

Das wirklich Wichtigste was uns auf den Lebensweg mitgegeben wurde, war der Respekt vor dem Element Wasser. An eben diesem Respekt scheint es einige Kilometer rheinaufwärts in Köln zu fehlen. Mit Sicherheit wären Verbotsschilder entlang am Rheinufer der Domstadt auch keine Lösung, denn was Schilder angeht, hat der Kölner seine ganz eigene Umgangsweise damit. Auf jeden Fall muss bis zum Abschluss der Grundschule die Schwimmfähigkeit jedes Kindes sichergestellt werden. Darüber hinaus muss in den weiterführenden Schulen Aufklärungsarbeit erfolgen. Prädestiniert hierfür ist die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG), die sich wie kein anderer Verein mit der Rettung von Ertrinkenden auskennt. Die bisherigen Bemühung scheinen nicht auszureichen – zumindest ist das mein Eindruck, denn sonst würde der Rhein nicht zum baden benutzt.

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