Rot-Stifte

Im Wahlprogramm 2012 der SPD in Nordrhein-Westfalen stand etwas von „Priorität für Bildung“. Wahrscheinlich liegt man auch nicht falsch, wenn man sich meint daran zu erinnern, Hannelore Kraft hätte im Fernsehduell mit Norbert Röttgen sinngemäß gesagt, Investitionen in Bildung seien Investitionen in die Zukunft eines Landes.

Das die NRW-Landesregierung sparen muss, lässt sich nicht bestreiten. Wenn aber in einem Bereich gespart wird, bei dem es bereits schon schmerzhaft eng ist, sei die Frage erlaubt, wie  diese denn mit dem eigenen Wahlprogramm in Einklang zu bringen sei.

Im Kölner Stadt-Anzeiger war heute zu lesen, dass für Vertretungsunterricht an Schulen „in diesem Jahr deutlich weniger“ Mittel zur Verfügung stehen würden. Der Lehrerverband Bildung und Erziehung, so der KSTA, brachte zum Ausdruck, dass dies einer Streichung von 500 Lehrerstellen entspräche. Dabei gibt es längst schon viel zu viel Unterrichtsausfall. Und nicht nur das. Die Klassen sind teilweise zu groß, das Personal mit der Umsetzung der politisch gewollten Inklusion überfordert. Ein kleines Beispiel.

Dreißig Kinder. Eines davon mit Asberger, ein vernachlässigtes Kind mit Migrationshintergrund, eine hochbegabte Schülerin, die den Lehrer ständig korrigieren will und mehrere aggressive Jungs. Alltag in einer fünften Klasse an einem Gymnasium

Die selbe Schule. Der Jahresetat 2013 für das Fach Informatik, also für alle Klassen und Schüler, reicht nicht mal aus, um einen Klassensatz Mäuse zu kaufen. Dabei laufen die Rechner noch mit Windows 98, sind altersschwach und in der Robotik fehlen etliche Ersatzteile. Priorität für Bildung, da war doch was.

Lange Zeit stand ich dem Sponsoring von Schulen durch Firmen äußerst kritisch gegenüber. Auch wenn es mir immer noch erhebliches Bauchgrimmen bereitet, sehe ich bei unveränderter Haushaltslage und der Absicht, mit dem Rasenmäher überall drüber zu gehen nur diese eine Chance. Oder aber die Verantwortlichen erklären öffentlich, dass bestimmte Fächer nicht mehr erwünscht seien und Schulen nur noch dazu da sind, eine Grundversorgung mit Bildung zu leisten. Wer mehr will für seine Kinder, wählt eine Privatschule. Bei der Gesundheitsversorgung ist so etwas schließlich auch üblich.

So etwas ist bitter, sehr bitter.

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