Die Macht von Google

Die Macht von Google

Der Aufschrei Vieler, der gestern durch das Internet ging, dürfte auch bei Google nicht ungehört geblieben sein. Gerade Blogger und Journalisten würden den Google Reader nutzen – mitunter eine Gruppe, mit der es Google sich nicht verscherzen sollte, wie bei netzwertig.com zu lesen ist.

Für viele Menschen ist Google das Internet.

Möglicherweise ist es Google aber auch egal, was Menschen über das Unternehmen denken. Wie dominant die Firma ist, wurde mir gestern in einem Gedankenspiel deutlich. Was, so fragte ich mich, würde passieren, wenn Google für ein oder zwei Tage alle seine Dienste komplett abschalten würde? Viele Menschen würde hilflos auf die leere Adresszeile in ihrem Browser starren, nicht wissen, wie sie jetzt an die Informationen kommen. Sie wären nicht mal in der Lage, eine andere Suchmaschine zu nutzen, der Namen sie nur ungefähr kennen.

Keine Seitenstatistiken, keine Kunden, die über Werbung kommen, kein Google Kalender mehr und auch keine Mails vom großen G. Alles abgeschaltet. Je länger man darüber nachdenkt, desto bedrohlicher erscheint einem das Szenario. So viel Abhängigkeit von nur einer Firma ist absolut ungesund. Aber wir haben das so gewollt, mit jeder früheren Entscheidung, die wir freiwillig getroffen haben.

Dabei ist Google nicht mal alles, was viele von uns nutzen. Wir hören Musik über spotify, speichern Daten in der Dropbox und verwalten unser ganzes Wissen mit Evernote. Und die Bilder liegen selbstverständlich bei flickr. Fällt auch nur einer dieser Dienste weg, haben wir ein Problem. Während flickr sich gut ersetzen lässt, wird es bei anderen schon schwerer.

Ein Export der Playlisten bei spotify ist nicht vorgesehen. Alternativen zu Dropbox gibt es zahlreiche, was aber witzlos ist, wenn iOS-Applikationen überwiegen nur mit Dropbox arbeiten. Bei Evernote liegen die Daten zwar auch auf dem eigenen Rechner lokal, der Wert des Dienstes liegt ab in der nahtlosen Synchronisierung mit mobilen Geräten.

Ohne das wir es gewollt haben, machten wir unseren heimischen Computer zum Netzwerk-Rechner. Oder anders gesagt zu einem dummen Terminal. Anwendungen und vor allem Daten liegen längst woanders. Das merke ich immer dann, wenn ich am Wochenende ausschließlich am iPad unterwegs bin, ohne dass ich einen Unterschied in meinem Workflow feststelle.

Mittlerweile gehören Strom, Internet und bestimmte Dienste im Internet zu einer wichtigen Infrastruktur. Störungen machen sich empfindlich bemerkbar. Eigentlich fehlt ein gesellschaftlicher Vertrag, der den Fortbestand dieser Infrastruktur gewährleistet.

3 Replies to “Die Macht von Google”

  1. Ein Gesellschaftlicher Vertrag wäre bei vielen Dingen nur möglich, wenn diese Dienste in öffentlicher Hand lägen und nicht in Privaten. Ich bin schon lange dafür, dass Stromwerke und das Netz wieder in die öffentliche Hand kommt, genauso wie die öffentlichen Verkehrsmittel, die Telekommunikation (auch wenn das derzeit Funktioniert) und der Wohnungsmarkt. All das sind Dinge, die der Mensch unbedingt braucht und die nicht von der Profitgier privater Unternehmer abhängig gemacht werden dürfen.

    Und beim Internet sind wir selbst auch ein wenig in der Verantwortung. Speichern wir unser Webseiten zum Beispiel auf Serverfarmen, die jederzeit auch verschwinden können, oder dezentralisieren wir das Internet, indem wir uns einen Server ins Wohnzimmer stellen. Wer VDSL hat, kann dies durchaus tun, vorausgesetzt natürlich, dass die Seite nicht von mehreren 10.000 Menschen am Tag aufgerufen wird.

    1. Das war die Richtung, in der ich auch weitergedacht habe, ohne es explizit zu schreiben.
      „Ein Gesellschaftlicher Vertrag wäre bei vielen Dingen nur möglich, wenn diese Dienste in öffentlicher Hand lägen“ – genau das. Aber man bekommt ja direkt einen Stempel aufgedrückt, wenn man so was laut denkt.

  2. Den Stempel, von dem du da sprichst, habe ich mir schon längst abgeholt ;-). Ich kann damit aber Leben, denn ich werde meine Meinung und meine Gedanken zu diesem Thema nicht verstecken.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren