Ausländer hassen

Ab und an treffe ich in Essen morgens in der U-Bahn eine Mitbürgerin aus Liberia, die mit mir an der gleichen Haltestelle aussteigt. Man unterhält sich, vornehmlich über das Wetter, verabschiedet sich. Heute bekam ich etwas erzählt, was ich vermutlich selber so nie erlebt hätte.

Meine Mitfahrerin erzählte mir von dem, was einem als Ausländer Angst macht in Deutschland. Rassismus ist nicht ungewöhnlich, gerade wenn man eine andere Hautfarbe hat. In letzter Zeit, so meinte sie, seien die Deutschen in dieser Hinsicht zurückhaltender geworden. Dafür aber nimmt der Hass der Ausländer untereinander zu. Ganz konkret hat sie auch erleben müssen, wie sie von einem anderen Ausländer, auch mit dunkler Hautfarbe, auf der Arbeit regelrecht geschnitten wurde. Solidarität unter Ausländern oder Mitbürgern ausländischer Herkunft über die Grenzen der eigenen (ehemaligen) Solidarität ist nur eine Annahme, jedoch keine Realität.

Auf dem letzten Stück zum Büro hingen mir dann viele Dinge durch den Kopf. Erklärungsversuche, Gründe und Uraschen für dieses Phänomen. Zuerst dachte ich, es würde eventuell an unterschiedlichen Religionen liegen. Ich glaube, das greift aber zu kurz. Vielleicht ist es so, dass diejenigen, die in einer Gesellschaft ganz unten stehen, untereinander einen härteren Verteilungskampf austragen.

Eine erste Suche im Internet brachte mich keinen Schritt weiter. Wenn es um Ausländerhass in Deutschland geht, stößt man immer wieder auf den von Deutschen gegenüber Ausländern. Über Ausländerhass unter Ausländern in Deutschland findet sich nichts. Das ist merkwürdig, wo es ihn doch gibt gibt. Möglicherweise handelt es sich um ein Thema, über das weder gesprochen noch geforscht wird.

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