Ausländer hassen

Ausländer hassen

Ab und an treffe ich in Essen morgens in der U-Bahn eine Mitbürgerin aus Liberia, die mit mir an der gleichen Haltestelle aussteigt. Man unterhält sich, vornehmlich über das Wetter, verabschiedet sich. Heute bekam ich etwas erzählt, was ich vermutlich selber so nie erlebt hätte.

Meine Mitfahrerin erzählte mir von dem, was einem als Ausländer Angst macht in Deutschland. Rassismus ist nicht ungewöhnlich, gerade wenn man eine andere Hautfarbe hat. In letzter Zeit, so meinte sie, seien die Deutschen in dieser Hinsicht zurückhaltender geworden. Dafür aber nimmt der Hass der Ausländer untereinander zu. Ganz konkret hat sie auch erleben müssen, wie sie von einem anderen Ausländer, auch mit dunkler Hautfarbe, auf der Arbeit regelrecht geschnitten wurde. Solidarität unter Ausländern oder Mitbürgern ausländischer Herkunft über die Grenzen der eigenen (ehemaligen) Solidarität ist nur eine Annahme, jedoch keine Realität.

Auf dem letzten Stück zum Büro hingen mir dann viele Dinge durch den Kopf. Erklärungsversuche, Gründe und Uraschen für dieses Phänomen. Zuerst dachte ich, es würde eventuell an unterschiedlichen Religionen liegen. Ich glaube, das greift aber zu kurz. Vielleicht ist es so, dass diejenigen, die in einer Gesellschaft ganz unten stehen, untereinander einen härteren Verteilungskampf austragen.

Eine erste Suche im Internet brachte mich keinen Schritt weiter. Wenn es um Ausländerhass in Deutschland geht, stößt man immer wieder auf den von Deutschen gegenüber Ausländern. Über Ausländerhass unter Ausländern in Deutschland findet sich nichts. Das ist merkwürdig, wo es ihn doch gibt gibt. Möglicherweise handelt es sich um ein Thema, über das weder gesprochen noch geforscht wird.

11 Replies to “Ausländer hassen”

  1. Spontan fällt mir dazu nur folgendes eins:
    Warum geht man denn automatisch davon aus, dass alle Menschen dunkler Hautfarbe untereinander solidarisch sein sollten? Sind alle Rothaarigen das untereinander? Oder alle Leute aus einem Veedel?
    Die Ausgrenzung von einigen Deutschen schützt doch nicht unbedingt vor der Ausgrenzung von anderen Nicht-Deutschen.

    1. Da ist was dran. Wobei es nicht nur um Ausgrenzung ging heute morgen im Gespräch, sondern auch um offenen Rassismus. Ich glaube, dass ist in meinem Text oben nicht ganz so gut rüber gekommen.

      Unabhängig davon denke ich, dass sich sich über Zugehörigkeiten nicht unbedingt Solidarität ergibt, aber fehlende Solidarität ist nicht direkt Ausgrenzung oder gar Rassismus. Den Meisten Bewohnern eines Veedels sind die anderen schlichtweg egal.

  2. Ja, jeder hat seine Leiche im Keller beziehungsweise seine eigene bekloppte Weltanschauung.
    Mein Onkel, ein kleiner dicker Mexikaner wie ausm Klischeebilderbuch, nur ohne Schnurbart, hat meiner Cousine damals den Umgang mit ihrem schwarzen Freund verbieten wollen. Jeder guckt auf irgendwen runter, warum auch immer. Leider.

  3. Ich glaube auch, dass Tanja ganz richtig liegt. Warum sollte n Ausländer untereinander sich solidarischer verhalten als die anderen? Vorurteile und Rassismus sind keine spezifische Eigenart, die auf bestimmte Landsmannschaften zu begrenzen wären. Was mich traurig macht, ist, dass unter dem wirtschaftlichen Druck alte Ressentiments innerhalb Europas wieder aufzuerstehen drohen.

  4. Also. Ich bin zwar nicht in Deutschland geboren, bin aber gegen viele Ausländer!!! Ich meine man kann seine rechte und Religion frei zeigen aber nicht in Deutschland. Zumindest solte es nicht propagandiert sein und keiiiiiiiine Kopftücher, das geht schon mal gar nicht. Ich meine in meiner Religion müssen die Köpfe der Frauen in der Kirche bedeckt sein, aber das stört keinen. HAAAAAAALLLLLLLOOOOOO
    willst du in dem Land leben das dir gefällt pass dich an!!!
    Was anderes akzeptiere ich nicht, eine Diktatur wäre mal wieder schön!!!! Aljona die Judin

    1. Das kann ich so nicht stehen lassen. Ich für meine Teil würde mein Leben geben, um eine Diktatur in Deutschland zu verhindern. In dem Zusammenhang gefällt mir auch ein Zitat von Voltaire sehr gut:

      „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“

      Fangen wir aber von vorne an:

      „Religion frei zeigen aber nicht in Deutschland“ – gerade das. Die Religionsfreiheit steht im Grundgesetz. Kopftücher mag ich persönlich nicht, aber es ist eher eine Befindlichkeit. Hier ist entsprechend Toleranz geboten.

      „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“, meinte schon Rosa Luxemburg.

      Und letztendlich hast du mit der Aussage „Ich bin zwar nicht in Deutschland geboren, bin aber gegen viele Ausländer!!! “ genau das belegt, was ich im Artikel beschrieben habe. Traurig, finde ich.

  5. @aljona „die jüdin“. als deutscher muss man sehr vorsichtig sein wenn man eine aussage über juden trifft. man wird sofort als antisemit abgestempelt und die jüdische gemeinde zeigt mit dem finger auf dich und sagt: ah die deutschen! damals.. 3. reich, nazi vergangenheit… und zack meldet sich auch schon der gemeinderat der juden. das beste bsp ist das gedicht von günther grass. aus dem keller wurde sofort seine nazi jugendfotos ausgepackt und ihn als antisemit beschimpft. papst benedikt war in seiner jugend auch in der ss-jugend. ich finde dass diese „schublade“ der jüdischen gemeinde immer dann aufgemacht wird, wenn sich einer kritisch (ohne antisemitischen aussagen) gegenüber juden äussert. ich kann nur sagen armes deutschland, sich jedesmal in die ecke treiben zu lassen. was soll man tun?! es waren die opas und omas der deutschen und heute leben noch wenige, was mein opa damals gemacht hat oder zu was er als 15 jähriger gedrängt wurde, dafür muss ich nicht gerade stehen.

    1. Als ob es „die jüdische Gemeinde“ geben würde – die gibt es genau so wenig wie „die Deutschen“. Aber es ist halt schön einfach, undifferenziert zu denken. Wer von „den Juden“ redet, muss sich nicht darüber wundern, wenn man ihm Antisemitismus vorwirft, zeigt er doch selber durch seine Ausdrucksweise, wie wenig er sich tatsächlich mit der Materie auseinander gesetzt hat.

      Zu Grass muss ich an der Stelle keine weiteren Kommentare abgeben, ich habe das schon hier in anderen Artikel getan. Ein alter Mann, der bewusst provoziert, um nicht in Vergessenheit zu geraten.

      “ was mein opa damals gemacht hat … dafür muss ich nicht gerade stehen“ Ganz falsch. Lassen wir mal die moralische Sicht weg. Wenn du das Erbe deiner Eltern oder Großeltern antritts und sie hinterlassen dir bei der Bank 200.000 Euro Schulden, dann stehst du dafür sehr wohl gerade. Werden deine Eltern zum Pflegefall, darfst du auch dafür aufkommen. Will sagen: man kann sich nicht einfach aus seiner Verantwortung stehlen. Und die haben wir, ob wir es wollen oder nicht, für das, was unsere Eltern un Großeltern getan oder unterlassen haben.

      Unsere Aufgabe als Nachkriegsgeborene besteht darin, dafür Sorge zu tragen, dass das angerichtete Grauen niemals in Vergessenheit gerät.

  6. Ich weigere mich absolut Verantwortung zu übernehmen für Dinge, die mein Opa in der Nazizeit getan hat!
    Deine Vergleiche sind schön rausgesucht, aber was ist damit, wenn Deine Eltern ein „normales“ Verbrechen begehen, z.B. einen Mord. Die gehen dafür ins Gefängnis, aber Du musst dann nicht automatisch auch ins Gefängnis wegen Sippenhaft.

    Meiner Meinung nach besteht unsere Aufgabe als „Nachkriegsgeborene“ auch nicht darin, dafür Sorge zu tragen, dass das Grauen nicht in Vergessenheit gerät. Unsere Aufgabe muß es in meinen Augen sein dafür Sorge zu tragen, dass so etwas nie wieder bei uns passieren kann!

    1. „Meiner Meinung nach besteht unsere Aufgabe als “Nachkriegsgeborene” auch nicht darin, dafür Sorge zu tragen, dass das Grauen nicht in Vergessenheit gerät. Unsere Aufgabe muß es in meinen Augen sein dafür Sorge zu tragen, dass so etwas nie wieder bei uns passieren kann!“

      Beides. Es bedingt einander.

      Sicher waren meine Beispiel stark vereinfachend, genauso wie dein Mord und der Bezug zur Sippenhaft. Es git er etwas, für das tatsächlich eine Verantwortung besteht – angesichts der Millionen von Toten. Dieser Begriff einer kollektiven „Schuld“ (losgelöst von dem, worüber wir heir gerade diskutieren), gibt es in vielen Religionen und Kulturen.

      Ganz entschieden lehne ich, um das zu verdeutlichen, auch den Begriff der „Stunde Null“ ab – also die Abgrenzung von allen Nachkriegsereignissen von dem, was davo geschehen ist. Es gabe keine Stunde Null und keinen so genannten „Neuanfang“, lediglich gut gemeinte Versuche.

  7. @tboley: ohne dir nahe tretten zu wollen aber wie kann man(n) 200,000 euro mit nazi-verbrechen vergleichen?! nehmen wir doch mal die „erbsünde“ d.h adam (der erste Mensch) begeht eine sünde und für diese sünde müssten wir alle zahlen bzw. tausende jahre auf jesus warten, dass er sich für uns opfert damit unsere sünden uns vergeben werden?! klingt genau so logisch.

    mit jüdische gemeinde sind die in deutschland lebende juden gemeint, wenn ich „juden“ geschrieben hätte, würde ich als antisemit bezeichnet und frau knoblauch würde mich für meine texte tadeln.

    genau dass ist das problem, dass jeder meint er müsse was gegen das „vergessen“ tun. du spendest geld für eine initative gegen das verbechen der nazis, d.h du übeweist monatlich einen betrag X und damit ist es für dich schon getan. oder kommentierst jeden beitrag und meinst damit wäre es wieder getan. besuchst kz lager und sagst: ich habe was gegen das vergessen getan. alles nur kreidegekritzel auf einer schultafel die nach jedem unterricht gewischt wird.

    zitat: …zeigt er doch selber durch seine Ausdrucksweise, wie wenig er sich tatsächlich mit der Materie auseinander gesetzt hat.

    meine antwort: das gute am schreiben ist das „ausdrucksweisen“ und gefühle nie über einen zahlencode (damit meine ich den rechner) den leser nie erreichen werden, daher fand ich deinen satz eher oberflächlich und arrogant und da ich dich nicht zu meinen freunden zählen kann und du mich überhaupt nicht kennst, kannst du auch nicht schreiben, dass ich mich mit der materie nicht befasst habe.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren