Frei von Grundrechten

Frei von Grundrechten

Online seit gestern und in der Print-Ausgabe heute berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger über Ibrahim Abou-Nagie, der hinter der umstrittenen kostenlosen Verteilung einer deutschen Übersetzung des Korans steht.

Dabei geht es in dem Artikel vornehmlich nicht um die Aktion selber, sondern darum, dass Abou-Nagie möglicherweise zu Unrecht Hartz IV bezieht. Lassen wir mal die Polemik, die durch den Artikel durchscheint, beiseite. In den Kommentaren der Onlineversion wird, wie nicht anders zu erwarten war, auf Stammtisch-Niveau diskutiert.

Um nicht falsch verstanden zu werden: der kostenlosen Verteilung stehe ich auch kritisch gegenüber, nicht weil es der Koran ist, der verteilt wird, sondern weil ihn Salafisten verteilen. Ähnlich skeptisch würde ich bei Gratis-Bibelen aus den Händen von Evangelikalen reagieren, aber das nur am Rande.

Das eigentlich brisante des Artikels im KSTA werden die meisten vermutlich überlesen oder es stillschweigen zur Kenntnis genommen haben:

Demnach hätten sich die Ermittler gewundert, wie der dreifache Familienvater seine zum Teil „sehr, sehr hohen Handy-Rechnungen“ begleiche.

Da wird auf die Rechnung, wenn nicht sogar auf die Verbindungsdetails eines Bürgers zugegriffen und niemand scheint sich daran zu stören. Und dann werden noch Details aus einer laufenden Ermittlung von den Sicherheitsbehörden weitergegeben an die Agentur für Arbeit. Egal welchen politischen oder religiösen Hintergrund ein in Deutschland lebender Mensch hat, so was kann man nicht einfach gutheißen.

Absehbar ist, dass durch die Kürzung oder komplette Streichung des Hartz IV Geldes Druck auf Abou-Nagie ausgeübt werden wird. Wen keine andere rechtliche Handhabe gefunden wird, greift man zu solchen Mitteln. Auch politisch Unliebsamen Menschen gilt sowohl Datenschutz als auch die Unschuldsvermutung. Welcher Details mittlerweile über Abou-Nagie in der Presse zu lesen sind, lassen einen nur noch mit dem Kopf schütteln.

One Reply to “Frei von Grundrechten”

  1. … irgendwie reagiere ich auf alle ‚Buchverteilungen‘ allergisch.
    Ich bin Nicht-Gläubiger und nehme mir das Recht raus von niemandem mit seinem ‚Glauben‘ behelligt zu werden. – Schließlich renne ich auch nicht durch die Straßen und brülle ‚Verbreitet den Unglauben!‘.

    Mir als Naturwissenschaftler hat sich noch nicht die Leibhaftigkeit Gottes erschlossen – und bis *dieses* geschieht wundere ich mich, warum sich Leute über die Existenz eines ‚eingebildeten Freundes‘ die Köppe einschlagen wollen…

    ich verbleibe staunend
    JBJ

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren