NRW Bildung 2012, Teil V

Anhand einer direkten Gegenüberstellung lassen sich am besten die bildungspolitischen Aussagen der Parteien vergleichen. Der hier gewählte Fokus liegt dabei fast ausnahmslos auf der Primarstufe
so wie der Sekundarstufe I und II.

Es wurde nur solche Aussagen herangezogen, für die es bei der Mehrheit der Parteien eine eigene Position gibt. Es entfallen daher individuelle Schwerpunkte, die sich die Parteien gegebenenfalls gesetzt haben. Diese Beschränkung dient der unmittelbaren besseren Vergleichbarkeit. Sofern zum einem Thema bei einer Partei „impliziert“ steht, fehlt zwar eine konkrete Aussage im Wahlprogramm, der Standpunkt leitet sich jedoch aus anderen Aussagen ab.

Studiengebühren
SPD, Grüne, Die Linke, Piraten:  Ablehnung
FDP: Wiedereinführung
CDU: vorerst Verzicht
Klassengröße
FDP „kleinere Klassen“
SPD, CDU, Grüne: keine Aussage
Piraten, Die Linke: maximal 15 Schüler
Sekundarschule
FDP, Die Linke: Ablehnung
CDU, SPD, Grüne: Befürwortung
Piraten: Abschaffung (impliziert)
Integration / Inklusion
FDP: verstärkte Integration
SPD: inklusive Schule
Die Linke: vollständige Inklusion
CDU: Lebensräume inklusive gestalten
Grüne: von Anfang an
Piraten: konsequente Inklusion
Förderschulen
FDP: Beibehaltung
SPD, Grüne: keine konkrete Aussage
Die Linke: Abschaffung (impliziert)
CDU: Beibehaltung (impliziert)
Piraten: Rückbau
Noten
FDP,SPD,CDU:  keine Aussage
Die Linke: Abschaffung
Grüne: neue Feedbackkultur
Piraten: Verzicht zugunsten eines Kompetenzsystems
Ganztagsschulen
FDP: keine Aussage
SPD: Ausbau der Ganztagsplätze
Die Linke: von der 1. bis zur 10. Klasse
CDU: flexibler Ausbau des Angebots
Grüne: Ausbau des gebunden Ganztags
Piraten: Ganztagsbetreuung
Auswahl der Grundschule
FDP: keine Aussage
SPD: wohnortnahe Grundschule
Die Linke: kein Wahlrecht für Eltern
CDU: freie Schulwahl
Grüne: wohnungsnahes Schulangebot
Piraten: keine Aussage
Schulformen
FDP: starke Gymnasien
SPD, CDU, Grüne:  keine Aussage
Die Linke: eine Schulform (1.-10. Klasse)
Piraten: eingliedriges Schulsystem

Gesamteindruck

Am besten lassen sich die Aussagen vergleichen, wenn es um grundsätzliche Rahmenbedingungen des Lernens geht. Klar erkennbar in den unterschiedlichen Wahlprogrammen sind verschiedene Gewichtungen. Die Schnittengen zwischen CDU und FDP sind verhältnismäßig hoch. Viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede gibt es bei SPD, Grünen und Piraten. Außen vor bleiben Die Linken mit zum teil völlig illusorischen Forderungen. Allein ihre Wortwahl scheint auch möglichen Kompromissen im Weg zu stehen.

Allen Parteien durchweg gemeinsam ist die Einsicht, dass eine Erhöhung der Bildungsausgaben unvermeidbar ist. Ernsthaft würde wohl auch keine Partei damit für sich werben, Kürzungen vornehmen zu wollen. Die tatsächliche Erhöhung steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Beim Thema Inklusion besteht ein gewisser parteiübergreifender Grundkonsens, nicht jedoch darüber, wie weit die Inklusion gehen soll.

Das die Gemeinsamkeiten zwischen Grünen und SPD recht hoch sind, verwundert nicht. Im Bezug auf die Bildungspolitik erscheint es angebracht, die Forderungen der Piraten nicht grundsätzlich abzulehnen. Viele Aussagen der Neulinge im politischen Geschäft sind es zumindest wert, dass man über sie diskutiert und prüft, in wie weit eine Umsetzung wirklich realistisch ist. Wohlgemerkt, diese Aussage bezieht sich explizit nur auf das Thema Bildung, nicht auf die anderen parteipolitischen Aussagen der Piraten, bei denen zum Teil nicht nur die Schnittmengen fehlen, sondern eine auch nur ansatzweise Umsetzung der Forderungen völlig unrealistisch ist.

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