Das Netz der kleinen Dinge

Seit dem ich mich intensiv mit der Integration von „Wolken“ in meinen Alltag beschäftige, mach ich mir auch Gedanken darüber, wie sich Softwarefirmen aufstellen müssten um zukunftsfähig zu sein. Die Zeit der Dinosaurier ist längst vorbei. Gilt das gleichermaßen auch für Firmen wie Adobe, Microsoft und andere?

Wie sich Strukturen in Unternehmen wandeln werden, kann ich nicht beurteilen. Lediglich über die Veränderungen bei Privatanwendern vermag ich etwas fantasieren. Im Zusammenhang mit den vielen Anbietern und Dienstleistungen rund um die sogenannte Cloud ist mir aufgefallen, wie sich in den letzten Jahren mein Bewusstsein gewandelt hat. Es ist noch nicht lange her, da erschien der Gedanke, seien Daten und Programme im Internet zu haben, abwegig. Sehr gut kann ich mich noch an die ersten Java basierenden Netzcomputer (sie selber ja nur eine Weiterentwicklung der Thin clients waren) erinnern. Die waren ein Flop. Insbesondere Privatanwender wollte alles auf der eigene Festplatte haben – besser noch eine Sicherheitskopie auf Diskette, später CD und DVD. Viel später kamen dann Computer auf den Markt, die hatten kein Diskettenlaufwerk mehr. Mittlerweile kann man vom gleichen Hersteller Rechner erwerben, die nicht mal über ein CD-ROM Laufwerk verfügen. Eine Horrorvorstellung? Eher nicht. Das Datenvolume ist enorm gewachsen. Ein Bild, von einem Smartphone geschossen, passt nicht mal mehr auf eine 3,5″ Diskette. Im Gegenzug wurden Festplatten immer größer (und hoffentlich auch verlässlicher). Als Medium zum Austauschen von Informationen haben die klassischen Datenträger längst ausgedient. Beliebt sind USB-Sticks. Aber ich ihre Speicherkapazität hat ihre Grenzen. Zudem muss man sie physikalisch austauschen, um die Daten darauf jemand anders zur Verfügung zu stellen.

Bequemer und praktischer geht es über einen der zahlreichen Internetdienste wie zum Beispiel Dropbox. Wer zu Hause einen stationären Rechner hat, unterwegs sein Smartphone nutzt und im Büro oder sonst wo an einem anderen Rechner arbeite, möchte von überall auf seine Daten zugreifen können. Ohne sich Gedanken machen zu müssen, wie er die Daten synchronisert. Immer online – da wo es möglich ist, kann man sich komfortabel im Netzt einrichten. Bilder, Texte, Musik, Wissen – wird alles in der Wolke gespeichert. Für jeden speziellen Zweck findet sich eine Firma, die etwas anbietet. Und wo ein spezifisches Angebot fehlt aber Nachfrage vorhanden ist, entstehen schnelle neue Dienste (selbst ohne eigene Hardware mittels Amazon S3).

Benötigt man als Privatanwender daher noch die großen Sofwarepakete, für die man immer wieder eine neue Lizenz kaufen muss, wenn es ein größeres Update gibt? Es ist es nicht vielmehr so, das SAS, Sofware as Service schon längst in die Wohnzimmer eingezogen ist, ohne das wir es als solches erkennen? Das Netzt der kleinen Dinge kann uns helfen, unser Leben und unseren Alltag zu organisieren. Viele kleinere Lösungen, die genauer zu unseren Bedürfnissen passen als große Universalpakete, an die wir uns anpassen müssen.

Das Thema Datenschutz steht dabei auf einem anderen Blatt. Je mehr wir von uns ins Internet stellen, desto dringender sollte wir uns selber fragen, was dort mit unseren Daten passiert. Für mich selber habe ich die Faustregel, dass mir kostenpflichtige Angebote lieber sind als kostenlose – einfach deshalb, weil ich dann Kunde bin und nicht das Produkt selber.

Noch mal zurück zu dem, was ich einleitend geschrieben habe. Die großen alten Softwarefirmen mit ihren Paketen. Von meinem Rechner habe ich Microsoft Office längst verbannt. Ich brauch es einfach nicht. Für den seltenen Fall, dass ich Dokumente in einem solchen Format erhalte, nutze ich LibreOffice. Für alles andere habe ich je nach Bedarf eine Anwendung, die genau zu dem Verwendungszweck passt. Vor allem aber nutze ich Programme und Dienste, die in der Lage sind, untereinander Daten (über das Internet) auszutauschen. Mein neues Leben in der Wolke. Ich habe lange benötigt, um für mich selber den Nutzen des Netzes der kleinen Dinge zu erkennen. Verloren habe ich dabei nur Zeit. Die Dinosaurier aber werden nicht nur Zeit, sondern viel Geld verlieren. Insbesondere Microsoft hat in den letzten Jahren häufig gezeigt, dass man zu spät erkennt, welcher Wandel sich vollzieht.

Für Firmen dürfte es interessant sein zu beobachten, wie die Bereitschaft der Privatanwender in Bezug auf die Bezahlung von Diensten aussieht. Im Netzt der kleinen Dinge zahlt man nicht einen großen Betrag für eine große Lösung, sondern viele kleinere Beträge für genau das, was man gerade benötigt und zwar genau so lange, wie man es benötigt. Streaming von Musik, speichern von Bildern und Daten, Verwaltung von Aufgaben oder Wissen. Dabei kommen schnell Summen zusammen, gegen die ein Microsoft Office Paket wie ein Schnäppchen aussieht. Und die Kunden bezahlen diese Beträge jeden Monat. Für die Anbieter ein sicheres Geschäft, vor allem, weil es keine Raubkopien gibt. Die Software, sofern welche benötigt wird, verschenkt man, für den Dienst selber zahlt der Kunde.

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