Tödliche Weihnachten (16)

Der Strohalm war richtig voll, als Knutsen eintrat. Von Verena Böckel fehlte allerdings jede Spur. Seine Enttäuschung ertränkte Knutsen in reichlich Bier, was er beim Aufstehen bitter bereute. Zu einer gänzlich unpassenden Zeit holte ihn der Wecker aus dem Schlaf. Fluchend schleppte Knutsen sich unter die Dusche. Grönen wollte sich mit ihm in der Firma von Bergmann treffen, damit sie der Buchhaltung dort etwas auf den Zahn fühlen konnten. Wobei Knutsen sicher war, dass Grönen die Fragen stellen und er selber nur daneben stehen würde. Völlig verkatert, mit eiskalten Füßen und leeren Magen schaffte es Knutsen zur von Grönen vorgegeben Uhrzeit zur Firma zu gelangen. Er blickte sich um. Grönen stand nirgends. Dann sah er den Dienstwagen. Gemächlich stieg Grönen aus dem Wagen.

„So eine Standheizung ist schon was feines. Hast dir Zeit gelassen, was.“

Knutsen zog die Schultern nach oben. Für einen Streit fühlte er sich zu müde.

„Las uns reingehen, mir ist verdammt kalt.“

An der Tür mussten sie über die Gegensprechanlage ihr Anliegen vortragen. Die Stimme aus dem Lautsprecher kam Knutsen bekannt vor. Als Frau Böckel herunterkam, um ihnen die Tür aufzumachen, traf ihn fast der Schlag.

„Sie, äh du hier?“

„Stört dich das?“

„Ihr kennt euch?“, mischte sich Grönen ein.

„Flüchtig.“ erwiderte Böckel. Sie ließ die beiden Polizisten herein.

„Darf ich noch mal nachfragen, was sie hier her führt?“ Herr Bergmann ist nicht in der Firma.“

„Das wissen wir bereits.“, entgegnete ihr Grönen, „Genau genommen wollen wir sie sprechen.“

Knutsen fiel wieder auf, wie nervös Verena wurde.

„Mich? Aus welchem Grund?“

„Es geht um Herrn G., denn kennen sie doch sicher.“

„Sollte ich wohl, da er hier in der Firma gearbeitet hat.“

Grönen wusste, dass er einen Volltreffer gelandet hatte, noch bevor Knutsen stutzig wurde. Grönen ließ es sich nehmen, an der Stelle nachzuhaken.

„Wie kommen sie darauf, dass er hier gearbeitet hat?“
Erst jetzt wurde Böcken der Fehler, den sie gemacht hatte, bewusst. Sie versuchte so gut es ging zu reagieren.

„Nun, er war in den letzten Wochen nicht mehr in der Firma und ich bin angewiesen worden, ihm keine Gehalt mehr zu zahlen.“

„Von wem kam denn die Anweisung?“

„Von Herrn Bergmann.“

„Merkwürdig nur, dass er Bergmann sich nicht daran erinnern kann, Herrn G. gekündigt zu haben.“

Noch immer standen sie im Eingangsbereich der Firma. Verena fühlte sich zunehmend in die Enge gedrängt. Am liebsten wäre sie einfach weggelaufen. Statt dessen versuchte sie es mit einem Themenwechsel.
„Darf ich ihnen etwas zu trinken anbieten? Ihr Kollege sieht ja schon ganz erfroren aus.“

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