Vom Lob der Disziplin

Auch auf die Gefahr hin, mich schon wie man Großvater anzuhören, muss ich doch in das Loblied auf die Disziplin einstimmen. Sie ist es, die einen durch den November treibt. Ohne geht es nicht, dass zeigt nicht nur meine Erfahrung mit dem Schreiben, sondern es ist auch das, was man in Interviews mit erfolgreichen Autoren immer wieder liest.

Unbestritten ist es hart, morgens extra eine Stunde früher aufzustehen und diese dann am Schreibtisch fleißig tippend zu verbringen. So manch einer wird sich fragen, ob denn es nicht was besseres gäbe. Genau das nicht. Schreiben macht Arbeit, erfordert eine enorme Menge an Selbstdisziplin und ist doch momentan einer der schönsten Dinge, die ich mir vorstellen kann.

Das Ergebnis der Disziplin werde ich am Ende des Monats ausgedruckt in den Händen halten. Der Roman wird zwar noch längst nicht fertig sein, aber ich möchte das Gefühl genießen, die Früchte meines Schreibens in den Händen zu halten. Ganz wörtlich begreifen, was man in einem Monat erreicht hat.

Kommen wir aber noch mal auf die Disziplin zurück. Je mehr man feststellt, wie viel sich damit erreichen lässt, desto empfindlicher reagiert man im Alltag auf Zustände, die ins Chaotische abdriften, weil die Entsprechende Struktur, die Disziplin reagiert. Man hat dann auch bestimmte Momente, wo man darüber nachdenkt, wie lange man Widersprüche in seinem Leben aushalten kann und ob es nicht besser wäre, einen Schlussstrich zu ziehen, um einen anderen Weg einzuschlagen.

Das Schöne am Schreiben ist, man kann jederzeit ausprobieren, was wäre wenn, in dem man seine Figuren ins kalte Wasser wirft, nur um zu sehen, was mit ihnen passiert. Selbst mit Planung gönnen ich mir immer wieder zwischendurch kleine Experimente am Rande meiner Handlung. Ganz ohne vorherige Absicht traf mein Protagonist heute auf eine Bibliothekarin, die ihm einen vielversprechenden Blick zu warf. Alles ist möglich – in der Realität und im Buch. Mal sehen, was sich daraus noch entwickeln wird.

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