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Nehmen wir an, eine Partei würde in ihr Grundsatzprogramm schreiben, dass sie sämtliche Auslandseinsätze des Deutschen Roten Kreuzes ablehne. Eine der Führungsfiguren dieser Partei würde zudem noch persönlich garantieren, keine Helfer mehr in Krisengebiete zu schicken.

Es würde mindestens ein Gefühl der Befremdung in der Bevölkerung auslösen, zumindest, wenn die Partei noch von jemanden ernstgenommen wird. Tauscht man dagegen Krisengebiete gegen Kriegsgebiete aus, wäre ein vereinzeltes, zustimmendes Kopfnicken durchaus denkbar. Wenn dann noch nicht vom Roten Kreuz sondern von der Bundeswehr die Rede wäre, ist so ein Beschluss zwar nicht mehrheitsfähig, würde aber auf deutlich größere Zustimmung stoßen.

Dabei wird übersehen, wie sich die Aufgabe der Bundeswehr in den letzten Jahrzehnten geändert hat. Wer ernsthaft behauptet, die Soldaten würden Krieg zur Wahrung deutscher, gar kapitalistischer Interessen im Ausland führen, ist in Sichtweise mehr als nur eingeschränkt. Gerne dürfen sich solche Totalverweigerer mit der Zivilbevölkerung in den Ländern unterhalten, wo auch deutsche Soldaten einen lebenswichtigen Puffer zwischen den Konfliktparteien darstellen. auch als ehemaliger Zivildienstleistender kann ich den Bürger in Uniform, die ihr Leben in Afghanistan riskieren, nur Respekt zollen. Der alte Spruch, Soldaten seien Mörder ist genauso mittlerweile falsch. Zudem enthält er eine Pauschalisierung, eine Einteilung der Welt in Gut und Böse. Genauso ließe sich sagen, dass alle Linken wirre Spinner sind, die den Staat in seiner jetzigen Form abschaffen wollen und für eine völlige Freigabe von Drogen sind.

Dummerweise treffen die letzten beiden Punkte tatsächlich auf die Linkspartei zu. In deren neuen Grundsatzprogramm sprechen sie sich nicht nur gegen den Einsatz der Bundeswehr und für eine Freigabe aller Drogen aus. Sie fordern ernsthaft einen Systemwechsel in der Bundesrepublik. Den so genannten demokratischen Sozialismus.

Es gibt so ein Sprichwort, dass man aus Fehlern lernen würde. Das ist wohl wieder so eine pauschale Annahme, die nicht auf jeden zuzutreffen scheint. Natürlich sagt Gregor Gysi, dass man nicht doof sei und die DDR zurück haben wolle. Logisch man denke auch in größerem Rahmen und möchte ganz Deutschland.

Ich übertreibe. Aber seien wir ehrlich. Teile des Grundsatzprogramms der Linkspartei muten merkwürdig anachronistisch an. Es ist schlicht nicht möglich, auf neue Fragen und Probleme immer mit den gleichen alten Antworten und Reflexen zu reagieren. In dieser Hinsicht jedoch ähnelt sich die Linkspartei erschreckend den anderen Parteien im Bundestag, die gleiches versuchen. Das Ergebnis dabei wird auf Dauer sein, dass sich insbesondere jüngere Wählerinnen und Wähler den Parteien zuwenden, die in ihren Augen eine wirkliche Alternative darstellen. Politikverdrossenheit sollte nicht verwechselt werden mit Politikmüdigkeit. Gerade OCCUPY DEUTSCHLAND zeigt, dass den Menschen nicht einfach alles egal ist in der Gesellschaft.

Parteien wie die Linkspartei können versuchen, auf diesen Zug aufzuspringen und sogar eine Weile mitfahren. Auf Dauer haben sie jedoch nur Bestand, wenn sie nach neue Antworten suchen. Die gibt es weder links noch rechts, sondern nur einem gesellschaftlichen Konsens. Und um den zu erzielen, muss man genau hinschauen, Vor- und Nachteile abwägen und vor allem eigene Denkblockaden überwinden.

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