Eindrücke aus Frankfurt

Einen Tag auf der Buchmesse. Wie im letzten Jahr war mir schon vorher klar, dass es eigentlich viel zu wenig Zeit ist. Man bekommt nur einen Eindruck, nimmt Stimmungen auf. Lässt sich hier und da inspirieren. Zu viel mehr ist kaum Zeit.

Als ich zum ersten Mal wieder draußen an der frischen Luft war, war so viele Stunden vergangen, ohne dass ich es gemerkt hatte. Um so mehr merke ich jetzt meine Beine. Die Anstrengung vom stundenlangen Laufen. Dennoch hat sich er Besuch gelohnt. Den Kopf voller Bücher haben. Ein starke Motivation von den nächsten Monat, wenn es wieder darum geht, selber zu schreiben, viel zu schreiben.

Was mir diesmal bewusst auffiel, war die Präsens der Zuschuss-Verlage. Die Sprüche, mit denen versucht wird, ahnungslose Autoren zu ködern, sind haarsträubend. Man fragt sich dabei, warum Menschen sich davon locken lassen. Wem es nur darum geht, gedruckt zu werden, ist seriöser und besser mit den Print on demand Dienstleistern bedient.

Neugierig habe ich die Chance ergriffen, bei vielen bekannten und unbekannten Büchern die erste Seite anzulesen. Gerade bei den bekannteren Krimis bekommt man starke Zweifel. Die Kriterien, nach dem ein Buch auf den Markt geworfen wird, erscheinen willkürlich, zufällig. So lasen sich Texte einiger bekannter Autoren sterbenslangweilig, währen es andere Krimis gab, die ich am liebsten mitgenommen hätte (was leider nicht ging, da erst am Sonntag Bücher verkauft werden dürfen). Zwei Autoren möchte ich besonders erwähne. Rose Gerdts-Schiffler, in deren Krimis Gedankenmörder, Brandgefährte und Ehrenhüter ich reingelesen habe. Ihre Art zu schreiben hat mich überzeugt. Genauso war es bei der Autorin eines Jugendbuches. Vom Thriller Erebos können sich andere gerne ein paar Scheiben abschneiden. Ein starke Geschichte, die in den Bann zieht.

Auch über den Tellerrand Krimi hinaus gab es viel spannendes zu entdecken. Ganz oben aufmeinen Wunschzettel hat es Das kaputte Knie Gottes von Marc Degens geschafft. Wer die ersten Sätze ließt, wird verstehen, warum:

Wir standen an einem Stehtisch in der „Schnitze-Zentrale“, einer der ranzigsten Imbissbuden des Ruhrgebiets, und stocherten in unserem Essen. „Ein Leben als vierundzwanzigjähriger Bildhauer in Bochum-Wattenscheid ist ebenso traumhaft wie der Aufstieg eines Armlosen in die Top Ten der Tennisweltrangliste“,

So ein Buch muss man einfach lieb haben. Auch wenn mich als Autor das Konzept hinter bilandia.de nicht überzeugt hat, so fand ich doch den Aufkleber, den man sich mitnehmen konnte sehr schön. Ich hätte ihn gerne als Poster:

Ich will ein Buch von Dir!

Was das Thema eBooks und Reader angeht. Das ist fast komplett an mir vorbei gegangen. Oder ich war in den falschen Hallen. Hängen geblieben ist bei mir nur die Präsentation des neuen OYO. Das Gerät ist so langsam, dass man da lieber zum Buch greift (kein Vergleich zum Kindle, den ich an einem anderen Stand ausprobieren konnte). Auch wenn die Software des OYO sich noch in der Entwicklung befindet, wie man mir eiligst versicherte. Ich für meinen Teil glaube nicht, dass das Gerät ein Erfolg wird. Geradezu omnipräsent war das iPad. Zweifellos ein tolles gerät, aber zum lesen von eBooks ungeeignet. Man fragt sich wirklich, wo vor die Verlage eigentlich Angst haben.

Neben viel Prospektmaterial befand sich am Ende des Tages in meinem Beutel auch ein Supermarkt-Weinführer, der am Stand des Verlages von der Autorin verschenkt wurde. Der ist nicht nur praktisch, sondern auch noch witzig geschrieben. Mit dem Schreiben möchte auch meine Sammlung von Eindrücken beenden. Auf dem Sektor der Schreibratgeber gibt es drei etwas ungewöhnliche Neuerscheinung. Ungewöhnlich auf Grund des Verlages, der sie herausbringt. Der steht eigentlich eher für die Zweifelsfälle im Bereich der Rechtschreibung und nicht für einen dreibändige Schreibwerkstatt zum Thema Kreatives Schreiben. Mit Schreiben Tag für Tag., Schreiben dicht am Leben. und Schreiben unter Strom. betritt der DUDEN meiner Meinung nach neues Land. Inhalt und Präsentation der Bände machen aber Lust, dieses zu entdecken. Wieder etwas für die Wunschliste. Ich meine mich zu erinnern, dass in einem Jahr, wo man einen runden Geburtstag hatte, die Geschenke größer ausfallen dürfen – oder man sich mehr wünschen darf.

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