Reformnachschlag

Die Sekundarschule halte ich, wie gestern beschrieben, nicht für einen großen Wurf. Eher für ein Eingeständnis des Versagens in Sachen Schulpolitik. Verbunden damit sind nicht nur eigene Erfahrungen, sondern auch die meiner Frau.

Im Gegensatz zu mir, der sich gegen den Schuldienst entschieden hat, ist DER CHEF Lehrerin an einem Kölner Gymnasium. Gestern Abend, nach dem ich meinen Artikel zu Sekundarschule geschrieben hatte,habe wir uns noch lange über das Thema unterhalten. Dabei kamen wir auch auf die letzte größere Reform in den Schule zu sprechen, das achtjährige Gymnasium. Waren es zu meiner Zeit noch neun Schuljahre, gibt seit der schwarz-gelben Regierung in NRW die Schulzeitverkürzung auf besagte acht Jahre.

Während die letzte Schulministerin, Barbara Sommer (CDU), in einer Broschüre des Landes noch von einem Erfolg sprach, sieht die Realität doch etwas anders aus.

Noch immer besteht das Problem darin, den gesamten bisherigen Stoff der G9 auf die G8 zu verteilen. Dabei wird das Kürzen des Stoffes den Schulen überlassen. Das ist aus zweierlei Gründe wenig zielführend. Zum einen wird somit ein Umzug innerhalb von Nordrhein-Westfalen problematisch, da in zwei verschiedenen Gymnasien der durchgenommen Stoff unterschiedlich ist. Zugespitzt muss man nicht unbedingt in eine andere Stadt ziehen, sondern es reicht, wenn man als Schülerin oder Schüler innerhalb einer Stadt (wie zum Beispiel Köln) das Gymnasium wechselt. Jedes Schule entscheidet für sich, ob sie G8 oder G9 anbietet. Ebenso ist die Auswahl der Schulbücher unterschiedlich. Selbst G8 ist nicht unbedingt gleich G8. Ein solches Chaos kannte man bisher nur auf der Eben der Bundesländer.

Ein weiteres Problem bei der Kürzung des Stoffes ist das Zentralabitur mit seinen vorgegebenen Themen. Das, was die Schüler am Ende wissen müssen, steht fest.
Auch wenn das vielleicht für Lehrer Vorteile hat, da sie keine Abituraufgaben mehr stellen müssen (außer bei der mündlichen Prüfung, bei der die Lehrer noch selber für die Aufgaben verantwortlich sind), überwiegen die Nachteile. Man braucht nichtmal soweit zu gehen und an die zahlreichen Fehler in den Zentralen Aufgaben zu erinnern. In Bezug auf die bisherige Organisation des Lernens war (und ist) ein Umdenken erforderlich.

Die Stoffmenge lässt sich sinnvoll nur im Ganztagsunterricht bewältigen. Zudem muss drauf geachtet werden, dass die Schüler nicht ein Übermaß an Hausaufgaben bekommen. Die Menge an Hausaufgaben, die man noch aus der G9 kennt, ist undenkbar. Im Idealfall werden die Hausaufgaben, wenn vorhanden, in der Schule innerhalb der Lernzeit gemacht. Der alte Takt von 45 Minuten Unterricht hat keine Berechtigung mehr. Durch Doppelstunden erhalten sowohl Lehrer als auch Schüler mehr Raum, sich auf ein Fach zu konzentrieren. Diese Neuerung, zusammen mit dem (an einigen Schulen zumindest) Verzicht auf übliche Schulklingel, verringert den Stress bei den Schülerinnen und Schüler. Der Schulalltag wird als entspannter wahrgenommen. Zumindest dann, wenn man noch nicht im Abiturjahr ist.

Das Konzept des Ganztagsunterricht hätte auch ohne eine Reduzierung der Schuljahre umgesetzt werden können. So aber setzt man Reform an Reform, ohne auf das Chaos zu schauen, welches man anrichtet. Es wäre nicht nur aus pädagogischer Sicht an der Zeit, über eine umfassende Umgestaltung der Bildungslandschaft nachzudenken. Ein erster schritt dabei wäre, zu prüfen, ob es wirklich noch hinreichende Gründe dafür gibt, dass Schulpolitik Ländersache ist.

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