Putztage

Morgens an der Goldkante. Wieder hatte er sich von der Gardine um den Finger wickeln lassen. Die Zigarette ließ er unauffällig überm Balkon verschwinden.

„Schatz, rauchst du wieder?“

„Nein, wie so?“

„Mir war als hätte ich da was gerochen.“

Max Menzel versuchte den Vorwurf in der Stimme seiner Frau zu ignorieren. Ein Stück weit konnte er sie verstehen. Die Gardinen waren gerade frisch gewaschen. Auch hatte Menzel vor einer Woche mal wieder das Rauchen aufgegeben. Aus der offenen Balkontür drang der Geruch einer frisch geputzten Wohnung zu ihm rüber.

„Wie lange muss ich denn noch auf dem Balkon stehen?“

„Bis der Boden wieder trocken ist.“

Besonders warm war es nicht, aber es hatte schon schlimmere Tage gegeben. Ungeduldig trat er von einem Bein aufs andere und schob seine Hände unter die Achseln. Von unten hörte er ein Schreien. Über den Geruch aus der Wohnung lagerte sich ein anderer. Es roch, als ob etwas verbrennen würde. Menzel beugte sich übers Geländer und schaute vier Stockwerke in die Tiefe. Vor dem Haus stand eine junge Frau, die gerade verzweifelt versuchte, ihren Kinderwagen zu löschen. „Was ist die auch so blöd und kauft sich so ein billiges, leicht entflammbares Teil“, ging es Menzel durch den Kopf. Da er kein Unmensch war, nahm er die Gießkanne für die Blumen und kippte sie in einem Schwung aus. Das Geschrei wurde noch lauter. Statt des Kinderwagens hatte Menzel die Frau mit dem Wasser erwischt.

„Sie brauchen sich nicht zu bedanken, ich helfe gerne.“ rutschte es Menzel heraus.

Die Frau schaute hoch. Hoffentlich war die Wohnung mittlerweile trocken, denn es wäre wohl besser, jetzt den Balkon zu verlassen. Menzel ging und schloss die Tür hinter sich. Die Frau war nicht mehr zu hören. Dafür klingelte es.

„Schatz, gehst du mal, ich muss noch die Waschmaschine ausräumen.“

Wiederwillig durchquerte Menzel die Wohnung und nach dem Hörer der Türsprechanlage ab.

„Wir kaufen nichts an der Tür.“

Wenige Momente später klingelte es erneut.

„Wieso machst du denn nicht endlich die Tür auf?“

Mit der Hoffnung, dass der Aufzug noch immer noch repariert war, betätige Menzel den Türöffner. Von unten hörte er die Frau.

„Sie Schwein, kommen Sie sofort runter!“

Gegen den Türrahmen gelehnt wartet Menzel ab. Die Frau würde mit Sicherheit nicht nach oben kommen. Schritte, schweres Schnaufen, untermalt von einem schreienden Baby. Dann stand die Frau nass und mit ihrem Kind auf dem Arm vor ihm.

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